Gefragte Fleischfachleute

Ob ein Cervelat, ein Steak oder sonst ein bevorzugtes Fleischprodukt: Die Fleischfachbranche deckt täglich den Tisch von Herr und Frau Schweizer. Doch wie schaut es hinter den Theken mit dem Nachwuchs aus?

Wie andere handwerkliche Berufszweige kämpft auch die Fleischwirtschaft um Nachwuchs.

Wie andere handwerkliche Berufszweige kämpft auch die Fleischwirtschaft um Nachwuchs. Bild: Fotolia

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Verschiedene Berufsfelder haben Mühe, genügend Jugendliche für die Besetzung der zur Verfügung stehenden Lehrstellen zu finden. Das gilt auch für die Metzgereien im Land. «Die Fleischwirtschaft kämpft wie viele andere handwerkliche Berufe um qualifizierten Nachwuchs», bestätigt Alexandra Bechter, Leiterin Kommunikation beim Schweizer Fleisch-Fachverband SFF, auf Anfrage. Der Verband bezeichnet die Nachwuchsförderung deshalb als eine seiner Kernaufgaben. Als erklärtes Ziel hat man sich auf die Fahne geschrieben, «dem überholten Image des ‹Metzgers mit der blutigen Schürze› mit Nachdruck entgegenwirken».

Beitrag zu ausgewogener Ernährung

Als gelernte/-r Fleischfachmann/-frau könne man einen wichtigen Beitrag zu einer ausgewogenen und nachhaltigen Ernährung leisten. Gerade regionale Spezialitäten und die persönliche Kundenberatung sind laut dem Verband grosse Vorteile, die ein Fleischfachgeschäft gegenüber anderen Marktteilnehmern abhebe. Die Tätigkeiten der Verbandsmitglieder erstrecken sich von der Schlachtung, über die Zerlegung und Verarbeitung bis zum Feinkostfachgeschäft oder dem Partyservice. In über 1000 Betrieben werden schweizweit rund 24 000 Arbeitskräfte beschäftigt. Während die Zahl der Betriebe zuletzt leicht sank, ist sie bei den Mitarbeitenden stabil geblieben. Durch die Möglichkeit, eine der drei Fachrichtungen «Gewinnung», «Verarbeitung» oder «Feinkost und Veredelung» einzuschlagen, werde eine breite Zielgruppe angesprochen und eine vielfältige Ausbildung geboten, ist Bechter überzeugt. Doch was für Voraussetzungen muss man erfüllen, um im Fleischfach Fuss fassen zu können? Interesse am Umgang mit Lebensmitteln, insbesondere Fleisch, Freude an gutem Essen und am Kochen, Sinn für Sauberkeit und Hygiene, handwerkliches Geschick, technisches Verständnis, Verantwortungsbewusstsein und je nach Fachrichtung Freude am Kundenkontakt, lautet die Antwort des Fleisch-Fachverbands.

Gute Perspektive trotz Gegenwind

Hervorgehoben werden die guten Zukunftsperspektiven. «Gut ausgebilde­te Fleischfachleute werden gesucht und haben verbunden mit dem entsprechenden Willen und Einsatz gute bis sehr gute Aufstiegsmöglichkeiten», betont Alexandra Bechter. Diese Aussichten lässt man sich beim Verband auch durch die sich verändernde Konsumgewohnheiten und den Trend zu vegetarischer Ernährung nicht trüben. Zahlen zeigen nämlich, dass der Fleischkonsum in den letzten Jahren kontinuierlich gesunken ist. Etwas mehr als 50 Kilogramm Fleisch ass der Durchschnittsschweizer im Jahr 2017 noch. Ein Wert, der letztmals 1969 so tief lag. Laut Bechter hat die Nachwuchsproblematik in der Branche allerdings nur am Rand etwas mit dem Fleischkonsum zu tun. Diese Zahlen seien überhaupt mit Vorsicht zu geniessen, da sie sich nur auf den in der Schweiz erfassten Konsum konzentrieren. «Der sich seit 2008 verdreifachte Einkaufstourismus und illegal über die Grenze geschmuggelte Fleischmengen wurden ausgeblendet», erklärt sie die Hintergründe. Eine Verlagerung, die für die Betriebe in der Schweiz spürbar sei. Gleichzeitig stelle man hierzulande jedoch auch eine Verschiebung zu «etwas weniger, dafür aber Fleisch von höherer Qualität» fest.

In-Vitro-Fleisch noch keine Konkurrenz

Auch im Trend zu im Labor kultiviertem Fleisch, das künftig zu einem Konkurrenzprodukt werden könnte, sieht der Fleisch-Fachverband mittelfristig keine Bedrohung. Man stehe dem Thema In-Vitro-Fleisch neutral gegenüber, so Bechter. «Es sind noch zu viele Hürden zu nehmen. Bis jetzt konnte nur die Beschaffenheit eines Hamburgers hergestellt werden. Wir sind skeptisch, ob dieses auch farblich und geschmacklich mit dem Original konkurrenzieren kann.» Beim Verband sieht man zwar durchaus ein Entwicklungspotential für die Ernährung der Zukunft. Dass Metzger deshalb aber zunehmend zu Laboranten werden könnten, hält man für unrealistisch. Das seien zwei vollkommen verschiedene Berufe.

Quelle: Tages Anzeiger, Beilage BILDUNG

Weiterführende Informationen: www.bildung-schweiz.ch (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 26.11.2018, 10:25 Uhr

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