Gute Planung ist sinnvoll

Die Lebensmitte bezeichnet man als «Rush-Hour des Lebens». Man ist engagiert als Eltern, und gleichzeitig werden zwischen dreissig und fünfzig die Weichen für die berufliche Laufbahn gestellt.

Es benötigt eine gute Koordination, um Familienalltag und Weiterbildung unter einen Hut zu bringen.

Es benötigt eine gute Koordination, um Familienalltag und Weiterbildung unter einen Hut zu bringen. Bild: Fotolia

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Voller Begeisterung hat Frau B. das Fachhochschulstudium angepackt. Sie war überzeugt: «Das schaffen wir als Familie». Mit ihrem Partner hat sie die finanzielle Lage überprüft und ihr Arbeitspensum von 80 auf 50 Prozent gekürzt. Ein 50-Prozent-Job ist die Voraussetzung für das Studium, weiter reduzieren geht also nicht. In den ersten Wochen geniesst sie es, Wissen aufzutanken und Studentin zu sein. Doch dann wird ihr in einem Elterngespräch mitgeteilt, dass sich die Schulleistungen ihrer Tochter verschlechtert haben. Im Job merkt sie, dass der Informationsfluss nicht mehr reibungslos läuft. Oft hat sie das Gefühl, dass ihr wichtige Informationen fehlen. Auch geht nun das Erledigen der Hausaufgaben nicht mehr leicht vor der Hand. Frau B. fühlt sich an allen Fronten ungenügend, ist immer mehr gestresst, überfordert und frustriert. Und als ihr Mann moniert: «So habe ich mir das nicht vorgestellt», wirft sie das Handtuch.

Studienabbruch

Ein Studienabbruch ist weit mehr als der Verlust von bezahlten Studiengebühren. Laufbahnberatende kennen das Phänomen: Abgebrochene Weiterbildungen sind wie Dornen im Fleisch – sobald man sich bewegt, schmerzt es – auch noch nach Jahrzehnten. Ein Weiterbildungsabbruch wirkt sich oft auf das Selbstbild, auf das Selbstvertrauen und auf die Identität aus. Deshalb ist es insbesondere für weiterbildungswillige Eltern unabdingbar, sich gut darauf vorzubereiten und Strategien zu entwickeln, um während der Weiterbildung konstruktiv mit Krisen umzugehen. Dabei gilt es, systemisch vorzugehen, die Familienmitglieder in die Planung miteinzubeziehen und sich ihre Unterstützung zu sichern.

Realistische Planung

Eine Weiterbildung einfach noch reinquetschen – das geht gar nicht. Zeit- und Prioritätenmanagement sollen bewusst gestaltet werden. Bei den meisten Berufstätigen gibt es wenig freie Zeit. Man hat immer genug zu tun. Wenn man sich seine Zeit als Wasser in einem Glas vorstellt, ist bei den meisten Menschen das Glas bis oben gefüllt. Will man nun einfach mehr Wasser hineinquetschen … klar, was geschieht. Mittels Protokollieren, wie die Zeit während einer Woche aktuell genutzt wird, macht man eine Standortbestimmung. Der nächste Schritt besteht darin, ehrlich zu definieren, in welche Bereiche man während der Ausbildung weniger Zeit und Energie investieren will und kann. Letztlich soll man mit dieser Analyse so viel Zeit freisetzen, die man in Zukunft für die Weiterbildung brauchen wird. Achtung: Zeitfenster für die Erholung nicht vergessen.

Hilfe annehmen

Am besten listet man sich auf, was während der ganzen Dauer der Weiterbildung schlimmstenfalls geschehen könnte, das einen Abbruch unumgänglich machen würde. Gemeinsam mit Familienmitgliedern, allenfalls auch mit Vorgesetzten, beschreibt man die Lösungsansätze. Man darf sich nicht scheuen, auch Hilfe von Aussenstehenden vorzeitig zu erbitten, beispielsweise Nachhilfe in bestimmten Fächern, Kinderbetreuung vor Prüfungen, Nutzung eines ungestörten Raums zum Lernen oder Übergabe von Arbeiten im Beruf während anspruchsvollen Studienarbeiten. Generell soll man sein Umfeld informieren: «Ich bin dann mal weg. Ich setze meinen Traum eines abgeschlossenen Studiums um. In vier Jahren helfe ich gern wieder bei Gartenarbeiten, Reparaturen im Haus und Computerproblemen. Ich übernehme dann gern wieder Kinderhütedienst und bin wieder begeisterte Partygängerin und Gastgeberin. Danke für euer Verständnis. Danke auch für eure Unterstützung bei allfälligen Motivationstiefs. Und wenn ich erfolgreich abgeschlossen habe, machen wir ein Fest!»

Quelle: Tages Anzeiger, Beilage BILDUNG (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 04.10.2018, 10:32 Uhr

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