«In den Lüften zu sein, ist etwas vom Schönsten»

Technisch und körperlich anspruchsvoll, dafür abwechslungsreich, ist die Berufswelt der Seilbahnen. Als angehende Seilbahnmechatronikerin kontrolliert und wartet Caroline Meyer in Grindelwald die Firstbahnen.

Caroline Meyer beim Schmieren der Rollenbatterien.

Caroline Meyer beim Schmieren der Rollenbatterien. Bild: Christian Bernhart

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Das Treffen findet in der Sta­tion Schreckfeld der First-Bahn ob Grindelwald statt. Die 17-jährige Caroline Meyer hat kurz ihre Revisionsarbeit an der Sesselbahn Oberjoch, oben bei der Endstation First, unterbrochen. Selbstbewusst, lockeren Schrittes, steigt sie in die Kommandokabine der Station, den Rucksack in der einen Hand und die voluminöse gelbe Tasche mit der Schutzausrüstung in der anderen.

«Für mich ist es ein normaler Arbeitstag nach der Skisaison, wenn die ersten Revisionsarbeiten anfallen», sagt sie. Um halb acht Uhr ist sie mit der Gondelbahn 1105 Höhenmeter hoch bis zur First gefahren. Während der Wintersaison fangen die Tage meist um sieben Uhr an. «Wichtig sind dann die ersten Dienstkontrollen. Wir kontrollieren die Seile, vergewissern uns, dass sich die Kupplungen richtig auslösen, die Blenden funktionieren und so weiter.»

Caroline Meyer befindet sich im zweiten Lehrjahr. «Am meisten gefällt es mir, die Strecken zu revidieren», sagt sie spontan. «Dabei bist du draussen und zur Kontrolle oft auf den Stützen. Dort oben in den Lüften zu sein, ist etwas vom Schönsten.» Sie wird das gleich noch demonstrieren.

Verschiedene Bahntypen kennen

Die vierjährige Berufslehre als Seilbahnmechatronikerin umfasst weit mehr als die Kontrolle auf den Stützen und das Schmieren der Rollenbatterien, damit die Seile sicher durch die Rollen gleiten. Man muss sich zum Beispiel auskennen in den verschiedenen Bahntypen, den Sesselbahnen mit festen oder mit kuppelbaren Klemmen, den Gondelbahnen mit einem, zwei oder drei Seilen, den Pendelbahnen mit Kabinen bis zu 130 Personen.

Speziell an der Ausbildung der Seilbahnmechatroniker oder -mechatronikerinnen ist auch der zentrale Schulort: Am Ausbildungszentrum der Seilbahnen Schweiz (SBS) in Meiringen werden die Lernenden von der Romandie bis ins Bündnerland ausgebildet, pro Jahrgang 23 bis 25. Meiringen wird so jedes Jahr während jeweils 12 bis 18 Wochen zum Treffpunkt der jungen Seilbahnfachleute. Dass die Hobbyreiterin und Orientierungsläuferin aus dem freiburgischen Courtepin zu ihnen gehört, ist nicht selbstverständlich: Caroline Meyer suchte eine technische und handwerkliche Ausbildung und stiess eher zufällig auf diesen Beruf, den sie bis dahin nicht gekannt hatte.

Der Stolz auf die eigene Bahn

Nun ist es Zeit für die Demonstration in den Lüften. Caroline Meyer packt den rund 15 Kilo schweren gelben Sack und führt uns zur nächsten Stütze der Sesselbahn Unterlägger-Schreckfeld, deren Betrieb seit Saisonende eingestellt ist. Vor dem Aufstieg zieht sie das Absturzsicherungs-Set an, daran hängt sie noch ein paar Werkzeuge; den wuchtigen Maulschlüssel versenkt sie in den gelben Sack und steigt schwer beladen und unter Absicherung routiniert die Rohrstütze hoch. Oben auf der Trittplattform macht sie sich an die Kontroll- und Reinigungsarbeiten.

Nach der Demonstration freut sich Caroline Meyer, bald wieder ihre Kollegen in Meiringen zu treffen. Sie werden darum wetteifern, wer für die sensationellsten Bahnen arbeitet. «Jeder ist stolz auf seine Bahn», sagt die Fachfrau lachend.

Quelle: Tages-Anzeiger, Beilage BILDUNG (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 27.09.2018, 15:05 Uhr

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