Laborproben kommen angeflogen

Die Post experimentiert mit neuartigen Zustellmethoden. Dabei stehen ihr nicht nur auf dem Trottoir abgestellte Fahrzeuge im Weg.

Dieses Bild aus der Testphase dürfte bald der Vergangenheit angehören. Im kommerziellen Betrieb sollen die Drohnen der Post noch in diesem Jahr ohne menschliche Hilfe beladen werden können.

Dieses Bild aus der Testphase dürfte bald der Vergangenheit angehören. Im kommerziellen Betrieb sollen die Drohnen der Post noch in diesem Jahr ohne menschliche Hilfe beladen werden können. Bild: ZVG

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Wenn es über unseren Köpfen knattert oder wir auf dem Fussgängerstreifen plötzlich einem Roboter begegnen, dann liefert die Schweizerische Post vielleicht gerade ein Paket aus. Noch sind diese Szenarien Zukunftsmusik. Dass sie für spezielle Transporte oder die Versorgung in ausserordentlichen Situationen wahr werden, ist die grosse Hoffnung der Post. Seit 2016 testet sie neue Zustellmethoden für Sendungen, die als Spezialtransport nur wenige Kilometer weit transportiert, aber möglichst rasch zugestellt werden müssen – zum Beispiel Laborproben oder medizinische Produkte – um auch diesen Markt abdecken zu können.

Roboter auf Fussgängerstreifen

Im September 2016 begann die Post in mehreren Gemeinden Tests mit selbstfahrenden Lieferrobotern. Die kleinen, sechsrädrigen Roboter sehen ein bisschen aus wie der Teil des Staubsaugers, den man hinter sich her zieht. Rund 200 Mal rückten sie im Schritttempo aus, um ein Paket von maximal 10 Kilogramm Gewicht zuzustellen. Dabei legten sie unfallfrei eine Strecke von 1000 Kilometern zurück, wobei ihre maximale Reichweite pro Mal sechs Kilometer betrug. Ihren Weg fanden die Roboter dank GPS und mehreren eingebauten Kameras allein; Strassen überquerten sie selbständig via Fussgängerstreifen. Wusste der Roboter in ausserordentlichen Lagen nicht weiter, half ein Mitarbeitender der Post mittels Fernsteuerung nach. Auch bei einzelnen Fahrzeugen, die auf dem Trottoir abgestellt waren und den Robotern im Weg standen, griff er ein.

In der nächsten Testserie im Herbst 2017 ging es um die Einbindung der Lieferroboter in eine bestehende Logistikkette. Zu diesem Zweck wagten sich die Lieferroboter dorthin vor, wo das Gedränge am stärksten ist: ins Stadtzentrum von Zürich. Kundinnen und Kunden, die online beim Detailhändler Jelmoli einkauften, konnten sich ihre Ware an einen beliebigen Ort in der Innenstadt liefern lassen. Auf diese Weise wurde zum Beispiel ein Picknick am See möglich, ohne dass man dafür etwas schleppen musste. Während dieser sechswöchigen zweiten Testphase lieferten die Roboter 170 Bestellungen aus und rollten 375 km weit. Von Zürich ging es direkt weiter nach Dübendorf, wo die Roboter in einem Pilotversuch Kontaktlinsen des Onlinehändlers Discountlens auslieferten.

Als nächstes wären autonome Testfahrten im öffentlichen Raum ohne Begleitung an der Reihe. Weil dafür in der Schweiz die gesetzliche Grundlage fehlt, werden diese im Ausland durchgeführt. Bis Medikamente autonom zu unserer Haustür rollen, dürfte es also noch ein Weilchen dauern. Die Post prüft deshalb alternative Anwendungen von Lieferrobotern innerhalb von Gebäuden oder Firmenarealen.

Drohne geprüft und freigegeben

In Lugano spielt sich unterdessen ein anderes Szenario ab. Seit März 2017 fliegen Drohnen vollständig autonom durch die Lüfte, die in Zukunft Laborproben zwischen zwei dortigen Spitälern austauschen sollen. Bei den Drohnen handelt es sich um 80 Zentimeter grosse Quadrokopter des Herstellers Matternet. Sie können Lasten von bis zu zwei Kilogramm tragen, haben eine Reichweite von bis zu 20 Kilometern und erreichen eine Geschwindigkeit von 36 km/h.

Die Drohnen sind von der Luftbehörde BAZL geprüft und freigegeben und fliegen in einem vorgegebenen Korridor und im Kontakt mit der Luftüberwachung Skyguide über Lugano. Wichtige Sensoren wurden aus Sicherheitsgründen doppelt eingebaut. Falls die Elektronik trotzdem aussteigen sollte, öffnet sich automatisch ein Fallschirm.

Kommerzieller Betrieb noch 2018

Dank einem Infrarotsignal am Start- und am Landepunkt können die Drohnen selbständig und punktgenau landen. Derzeit werden sie noch von Hand bestückt. Sobald sie für den Betrieb einsatzbereit sind, werden sie an einer vollautomatisierten Logistikstation beladen und mittels Smartphone losgeschickt. Post und Spitäler rechnen damit, dass die kommerziellen Flüge über Lugano bereits im Laufe dieses Jahres Alltag sein werden.

Quelle: Tages Anzeiger, Beilage BILDUNG (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 27.09.2018, 14:56 Uhr

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