Spassvögel im Anflug

Selina Capol, Martina Hotz und Aleksandra Iakusheva hecken in ihrem Studio ein neues Spiel aus. Sie haben kürzlich ein Studium in Game Design abgeschlossen und peilen nun den weltweiten Markt an.

Von links: Martina Hotz, Aleksandra Iakusheva und Selina Capol.

Von links: Martina Hotz, Aleksandra Iakusheva und Selina Capol. Bild: ZVG

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So stellt man sich ein Start-up vor: In einem älteren Haus in der Zürcher Agglo sind auf engem Raum drei Arbeitsplätze eingerichtet. An den Bildschirmen sitzen junge Frauen. Die Wände wurden eben frisch gestrichen, eine davon in Blau. «Das zeugt von unternehmerischer Freiheit», witzelt Martina Hotz. Die 27-Jährige hat in diesem September zusammen mit ihren Kolleginnen Aleksandra Iakusheva und Selina Capol eine GmbH gegründet. «5am Games» heisst das Studio in Oerlikon. Die Unternehmerinnen entwickeln ihr erstes Game, das im kommenden Jahr den Markt erobern soll. Das Know-how dazu haben sie sich mit dem Bachelor in Game Design an der Zürcher Hochschule der Künste (ZHdK) geholt.

Ein Spiel soll überraschen

Die Protagonistin des virtuellen Spiels heisst Sarah, ein abenteuerlustiges Mädchen, das liebend gerne Briefe an seine Freundin schreibt und von seinem Leben erzählt. In ihren «Letters», so der Name des Games, tauchen plötzlich lebendig gewordene Zeichnungen auf – zum Beispiel ein Vogel, der das Weiterlesen verhindert. Die Spieler müssen nun im Brief ein Wort finden, welches das Hindernis beseitigt. «Auf diesem Weg können sie die Geschichte beeinflussen», erklärt Aleksandra ­Iakusheva. Die Game Designerinnen inspirieren sich gegenseitig und stützen sich auf eigene Erfahrungen: «Sarah ist ein Kind der 90er-Jahre, das sich entwickelt und älter wird – wie wir auch», bemerkt Martina Hotz. Mit dem Spiel vermitteln die Urheberinnen zwar Inhalte und gewisse Werte, doch ein Ziel steht klar im Vordergrund: «Es soll Spass machen», sagt Selina Capol. «Ein Game ist dann wirklich gut, wenn es überrascht», so die 26-Jährige. Die Rollen sind im Studio klar verteilt. Aleksandra Iakusheva hat den Lead in der Technik. Sie konzipiert, programmiert und implementiert. Die 30-Jährige ist vor acht Jahren aus Russland, wo sie ein Managementstudium begonnen hatte, in die Schweiz eingereist. Hier habe sie Deutsch gelernt, Strassenmusik gemacht und ein Kind bekommen, zählt sie auf – und muss über sich selbst lachen. «Ich wusste aber schon länger, dass ich in die digitale Welt eintauchen will», so Iakusheva. Für Selina Capol war schon immer klar, dass sie Design studieren will. Im Game Studio ist sie deshalb für den «Look» des Spiels zuständig: Sie zeichnet, erstellt Animationen, definiert Licht und Farbe. Alles, was sichtbar ist, kommt aus ihrer Hand. Was jetzt noch fehlt, ist das «Writing», erklärt Martina Hotz, die früher als medizinische Masseurin gearbeitet hat und damit «nicht glücklich» war. An der ZHdK vertiefte sie sich unter anderem in das Storytelling und zeichnet sich nun als Geschichtenschreiberin aus. Sie sorgt dafür, dass «Letters» einen roten Faden hat. Den Aufbau gestaltet sie anhand verschiedener «Levels». Anschliessend kreiert sie ein passendes Sound-Design.

Demo-Version kam gut an

Die drei Frauen konnten mit «Letters» bereits verschiedentlich Aufmerksamkeit wecken. Die Kulturstiftung Pro Helvetia hat dem Projekt Fördergeld zugesprochen, was die Entwicklung des Prototypen ermöglichte. Auch an diversen Messen und Ausstellungen ist das Game gut angekommen. «Als wir die Demo-Version ins Netz stellten, wurde sie von jeder dritten Person heruntergeladen», bemerkt Martina Hotz. Jetzt entwickeln die Inhaberinnen von «5am Games» Marketingstrategien und Businesspläne – auch diese Kompetenzen haben sie im Studium erworben. Wollen sie sich in ihrem Beruf etablieren, müssen sie sich auf einem weltweiten Markt beweisen. «In der Schweiz ist die Game-Industrie noch klein – aber fein», meint Selina Capol. Zurzeit sind die drei Jungunternehmerinnen auf der Suche nach einem Publisher, der das Game verlegen wird. Ist dieser einmal gefunden, kann das Abenteuer beginnen.

Quelle: Tages Anzeiger, Beilage BILDUNG

Weiterführende Informationen: https://www.bildung-schweiz.ch/topics/grafik-design (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 26.11.2018, 10:45 Uhr

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