Spitzenforschung für einen Cappuccino pro Jahr

Am Cern in Meyrin bei Genf geht es um die ganz grossen Fragen: Wie war der Ursprung des Universums? Woraus besteht es? Woher kommt das Leben?

Der grösste Teilchenbeschleuniger der Welt (rund 27 Kilometer) steht im Forschungszentrum Cern in Genf.

Der grösste Teilchenbeschleuniger der Welt (rund 27 Kilometer) steht im Forschungszentrum Cern in Genf. Bild: ZVG

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Der 52-jährige Brite Ben Moore ist Physikprofessor, Musiker, Buchautor und Kolumnist der Zeitschrift «Das Magazin». Weshalb wissenschaftliche Forschung eminent wichtig ist, fasst der Direktor des Zentrums für Theoretische Astrophysik und Kosmologie an der Universität Zürich so zusammen: «Wissen ist das stärkste Werkzeug, das jemand zur Verfügung haben kann.» Die Physikerin Fabiola Gianotti, Direktorin des Forschungszentrums Cern in Meyrin bei Genf, drückt sich ähnlich aus. In einem Interview mit der «Schweiz am Wochenende» war sie mit der Frage konfrontiert, ob die Grundlagenforschung, die am Cern seit sechzig Jahren betrieben wird, sinnvoll sei. Darauf meinte die 57-jährige Italienerin, es gebe «keinen Fortschritt ohne fundamentales Wissen. Wenn wir unser Wissen (…) nicht weiterentwickeln, wird der Fortschritt zum Erliegen kommen.»

Zentrale Fragen noch offen

Dabei gibt es noch viel zu tun, wie Moore gesteht; zentrale Fragen sind noch unbe- antwortet: «Zum Beispiel wissen wir nicht, was der Ursprung des Universums ist, und wir kennen die Herkunft des Lebens noch nicht.» Mit solchen Thematiken beschäftigten sich die Forscherinnen und Forscher am Cern. (Das Akronym Cern leitet sich vom französischen Namen des Gremiums ab, das die Institution gründete: Conseil européen pour la recherche nucléaire, Europäische Organisation für Kernforschung.) Am Cern werden die Strukturen und Mechaniken des Universums, die grundlegenden Bestandteile der Materie erforscht. Zur Untersuchung der Elementarteilchen stehen Teilchenbeschleuniger zur Verfügung; Detektoren beobachten die Vorgänge und liefern detaillierte Ergebnisse, deren Auswertung Computer mit gigantischen Rechnerleistungen erfordert.

Urknall und «Gottesteilchen»

Einen grossen Erfolg feierte das Cern Ende März 2010: Im weltweit leistungsfähigsten Teilchenbeschleuniger, dem Large Hadron Collider (LHC) gelang es den Wissenschaftlern, Protonen mit einer derart grossen Energie aufeinander prallen zu lassen, dass sie damit einen Mini-Urknall simulieren konnten. 2012 wurde im LHC auch die Existenz des Higgs-Boson nachgewiesen. Es wird wegen seiner spezifischen Funktion als «Gottesteilchen» apostrophiert. Fabiola Gianotti mag diesen Ausdruck nicht: «Das Higgs-Boson spielt eine spezielle Rolle in der Geschichte des Universums. Aber alle Elementarteilchen sind von zentraler Bedeutung. Keines ist wichtiger oder göttlicher als das andere.»

Allen zugänglich

Fabiola Gianotti betont, Wissenschaft müsse für alle, auch für Laien zugänglich sein: «Wenn ich oder meine Kollegen Vorträge halten, sind die Säle voll, oft mit jungen Leuten, die auf den Treppen sitzen.» Sie macht darauf aufmerksam, dass die Grundlagenforschung auch viele «Nebenprodukte» für die Allgemeinheit abgeworfen hat: Das World Wide Web wurde am Cern erfunden. «Auch der Touchscreen ist eine Errungenschaft des Cern», sagt Gianotti. Deshalb verneint die Cern-Direktorin, dass ihr Zentrum zu viele Mittel verschlingt: Das Jahresbudget, von den 22 Mitgliedstaaten aufgebracht, beträgt 1,1 Milliarden Franken. Das sei etwa gleichviel wie das Budget renommierter Schweizer Universitäten, sagt sie: «Das Cern kostet jeden Europäer einen Cappuccino pro Jahr.» Nicht zuletzt ist das Cern auch ein attraktiver Arbeitgeber. Mehr als 3000 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler sind beschäftigt; mehr als 17 000 in 110 Ländern machen bei Cern-Experimenten mit. Natürlich werden vor allem Physikerinnen, Physiker und Ingenieure gesucht. Auf der Webseite finden sich aber auch andere interessante Stellenangebote. Bei Niederschrift dieses Artikels wurden etwa eine Juristin oder ein Jurist gesucht, diverse Elektrotechniker, Software-Entwickler, ein Wissenschaftsjournalist für den «Cern Courier» und auch ein Arbeitsmediziner oder Allgemeinpraktiker. Weitere Informationen zum Cern lassen sich unter home.Cern finden.

Quelle: Tages Anzeiger, Beilage BILDUNG

Weiterführende Informationen: www.bildung-schweiz.ch/forschung-und-entwicklung (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 04.10.2018, 10:40 Uhr

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