Traumberuf mit steigenden Anforderungen

Die Herausforderungen für Tierärzte steigen markant. Das hat viel damit zu tun, dass die Mediziner immer mehr zu Datenmanagern werden und individuelle Behandlungsmethoden im Kommen sind.

In der Kleintierklinik in Bern, die sich auf Hunde und Katzen spezialisiert hat, werden Tiermediziner ausgebildet.

In der Kleintierklinik in Bern, die sich auf Hunde und Katzen spezialisiert hat, werden Tiermediziner ausgebildet. Bild: Gaëtan Bally

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Wer die Kleintierklinik in Bern betritt, denkt womöglich, dass er sich verirrt hat. Dunkelgraue Betonstrukturen ersetzen das Weiss, das man sonst in Spitälern vorfindet. Eine untrügliche Sterilität schimmert aber durch. Vor dem Eingang liegt ein Golden Retriever mit Verbänden an den Hinterbeinen. Er kommt nur schwerlich auf alle Viere, plötzlich geht es wie von selbst. David Spreng empfängt uns im modernen Foyer und erklärt auf dem Weg in sein Büro, dass die Klinik vor vierzehn Jahren umgebaut und erweitert wurde. «2006 waren die Arbeiten abgeschlossen, wir sind auf dem neuesten Stand. Davor waren wir weit entfernt vom internationalen Standard.» In der Kleintierklinik in Bern, die sich auf Hunde und Katzen spezialisiert hat, werden Tiermediziner ausgebildet. Spreng beruhigt: «Private Arztpraxen sind in der Schweiz genügend vorhanden.»

Forderung nach zusätzlichem Praxisjahr

Der 56-Jährige absolvierte nach seiner Ausbildung eine zweieinhalbjährige Assistenz in den USA, 1995 fing der gebürtige Genfer in der Kleintierklinik Bern an, wo er unter anderem als Oberarzt und als Leiter der Chirurgie im Einsatz stand. Vor sieben Jahren wurde David Spreng Leiter der Einrichtung, die zur Vetsuisse Fakultät Bern gehört. Heute ist er Direktor des Departements und wird 2019 die Stelle des Dekans innehaben. Auf die Entwicklungen an seiner Wirkungsstätte ist er stolz: «Wir haben heute einen topmodernen Betrieb, der in hohem Masse funktionell ist. Zurzeit stehen Erneuerungsarbeiten an. Die Herausforderungen an unseren Beruf nehmen ständig zu.» Wer Tierarzt oder Tierärztin werden möchte, muss sich über viele Dinge im Klaren sein. Die Ausbildungsdauer beträgt fünf Jahre und kann in Bern oder Zürich absolviert werden. David Spreng betont: «Die Anforderungen an unser Berufsbild sind derart gestiegen, dass wir ein zusätzliches praxisorientiertes Jahr fordern.» Unterschieden wird beim Studium zwischen Nutz- und Heimtieren. Das Wissen, das sich künftige Ärzte aneignen müssen, ist äusserst breit. Nebst dem medizinischen Teil und klinischem Know-how umfasst das Pflichtenheft eine hervorragende Kenntnis in Kommunikation und das Erfassen unzähliger Daten. Spreng weiss: «Wir sind nicht nur Mediziner, sondern auch Gesundheitsökonomen, Lebensmittelkenner und Datenmanager.»

Kommunikation ist das A und O

Die Leistungen, die heute von Tierärzten erbracht werden, lassen sich auch auf die gestiegenen Ansprüche der Tierhalter zurückführen. David Spreng nennt ausserdem Machbarkeitsansprüche, Tierschutzrechte und die Kommunikation als Haupttreiber: «Wir müssen im Vorfeld ethische wie monetäre Aspekte ansprechen und lernen abzuwägen. Das ist nicht immer angenehm.» Dazu gehören Fragen zu OP-Kosten oder Überlegungen, was bei einer fortgeschrittenen Krankheit noch sinnvoll ist. «Viele sind sich nicht bewusst, dass ein Oberschenkelhalsbruch bei einem Vierbeiner zwischen 2000 und 4000 Franken kostet. Hat sich ein Pferd ein Bein gebrochen, wird es heikel. Das Tier kann sich aufgrund seiner Kraft die Bandage während der Rekonvaleszenz wegreissen, dann fängt alles von vorne an.» Kommt hinzu, dass es den einen Tierhalter nicht gibt. «Das macht sich beim Einschläfern eines Lieblings bemerkbar», erzählt David Spreng aus der Praxis. «Es gibt Leute, die das Tier zum Sterben in die Klinik bringen, und es gibt solche, die bis zum Tod nicht von ihrem Gefährten weichen. Unser Credo lautet: Wir werten nicht!»

Personalized Medicine und E-Health

Kleintiere werden in der Regel häufiger krank, weil sie älter werden als ein Nutztier. Zu den häufigsten Ursachen gehören Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Nierenprobleme, Hautveränderungen oder Krebs. Unfälle, wenn zum Beispiel eine Katze überfahren wird, kommen oft vor. «Die Wundheilung beim Tier ist so individuell wie beim Menschen», erläutert David Spreng diesen Aspekt. Wie in der Humanmedizin hält auch bei der Tiermedizin die «Personalized Medicine» verstärkt Einzug in den Praxisalltag. Bei dieser Behandlungs-Methode steht das Individuum im Vordergrund. Das erfordert ein akribisches Erfassen von Daten, Essgewohnheiten und Krankheitsverläufen. Spreng weiss: «Die Digitalisierung macht auch bei uns nicht Halt. E-Health und E-Farming, so die Fachbegriffe, nehmen in einem Mass zu, dass immer weniger Zeit für das Klinische bleibt. Trotzdem haben wir einen der schönsten Berufe!»

Quelle: Tages Anzeiger, Beilage BILDUNG (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 27.09.2018, 15:25 Uhr

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