Zum Hauptinhalt springen

Rekordjahr für LieferdiensteWelches Essen sich Schweizer am liebsten liefern lassen

Corona bescherte den Lieferdiensten ein Rekordjahr. Wegen Homeoffice, Lockdown und geschlossenen Restaurants bestellten die Schweizer fast dreimal so viel Essen nach Hause.

Ein neuer Rekord: Schweizerinnen und Schweizer haben sich noch nie so viel Essen nach Hause bestellt wie 2020.
(Urs Jaudas)
Ein neuer Rekord: Schweizerinnen und Schweizer haben sich noch nie so viel Essen nach Hause bestellt wie 2020.
(Urs Jaudas)

2020 war für den Lieferdienst Eat.ch ein absolutes Rekordjahr. Bereits im Januar war das Unternehmen mit einem Höchstwert von 500’000 Bestellungen in nur einem Monat ins neue Jahr gestartet. Als in den kommenden Monaten die Corona-Pandemie ausbrach und die Schweiz sich im Lockdown befand, verdoppelte bis verdreifachte sich das Bestellvolumen zeitweise. Durch die hohe Nachfrage erreichte das Unternehmen in nur drei Monaten das 18-Monate-Ziel, auf der Plattform wurden 1400 neue Restaurant-Partner aufgeschaltet.

Nach diesem aussergewöhnlichen Jahr hat Eat.ch das Bestellverhalten der Schweiz analysiert. Nach welchen Gerichten hat es die Schweizer 2020 gelüstet? Hier die sechs spannendsten Erkenntnisse aus der Studie:

Kulinarischer Röstigraben in der Schweiz

Eat.ch hat das Bestellverhalten der jeweiligen Kantone unter die Lupe genommen. Das Ergebnis: Laut der Studie unterscheiden sich die Vorlieben zwischen der Romandie und der Deutschschweiz beträchtlich – man könnte gar von einem kulinarischen Röstigraben sprechen.

In der Westschweiz sind in der Top drei Gerichte mit Fisch und Poulet zu finden. So wird hier zweieinhalb Mal so viel Sushi bestellt wie in der Deutschschweiz. Ausserdem lieben die Romands Tacos – die liegen hier total im Trend. In der Deutschschweiz wird dafür sechsmal mehr Döner, zweieinhalb Mal mehr Pizza und fünfmal mehr Salat bestellt.

Bei den Desserts sind sich Deutschschweizer und Romands gleichgesinnt: Das Tiramisù ist der absolute Favorit. Ganze 80 Prozent mehr wurde die italienische Köstlichkeit mit Löffelbiscuit und Mascarpone im Vergleich zu 2019 bestellt. Das luftige Mousse au Chocolat schafft es auf den zweiten Platz.

Die Schweizer mögen es aber auch gerne gesund. Favoriten wie Burger, Pommes Frittes, Pizza und Kebab nicht einberechnet, liegt der Salat in der Hälfte aller Kantone in den Top drei.

Kulinarische Unterschiede: Die Romands bestellen rund doppelt so viel Sushi wie die Deutschschweizer.
Kulinarische Unterschiede: Die Romands bestellen rund doppelt so viel Sushi wie die Deutschschweizer.
Bild: Eat.ch

Die Top 10

  1. Pizza Margerita

  2. Burger

  3. Pommes Frites

  4. Cheeseburger

  5. Pizza Prosciutto

  6. Tacos

  7. Pizza Hawaii

  8. Pizza Prosciutto e Funghi

  9. Tiramisù

  10. Döner Box

Was hat sich zum Vorjahr verändert? Neu haben es der Cheeseburger, die Tacos und die Döner Box in die Top 10 geschafft. Von der Rangliste verdrängt wurden dafür der Kebab im Fladenbrot, Pizza Kebab, Döner und die Wunschpizza. Bemerkenswert: Die Pizza Hawaii hat vier Ränge verloren. Dennoch ist es bei den zahlreichen und lautstarken Pizza-Hawaii-Gegnern erstaunlich, dass sie sich in den letzten zwei Jahren in der Top 10 durchgesetzt hat.

Die neuesten Food-Trends

Folgende Trends zeigen sich in der Statistik: Die Schweiz wird immer wählerischer. So hat die Wunschpizza, bei der man die Zutaten selber auswählen kann, um 378 Prozent zugelegt. Ein weiteres Phänomen: Die Schweiz steckt voller Gegensätze. Während die Pizza Salami einen Wachstum von 187 Prozent verzeichnet, liegt der vegane Burger mit einem Wachstum von 65 Prozent hinter ihr auf dem dritten Platz. Dabei handelt es sich um ein Novum: Es ist das erste vegane Gericht in den Top 10.

Weitere Gerichte, die sich immer mehr verkaufen, sind die vegetarische Pizza, der Barbecue Burger, Edamame Bohnen, Pad Thai, Massaman Curry, Garlic Naan und Chicken Burger.

Eine willkommene Abwechslung im Lockdown: Internationale Gerichte wie die japanisch-hawaiianischen Poke Bowls oder Edamame Bohnen waren 2020 äusserst beliebt.
Eine willkommene Abwechslung im Lockdown: Internationale Gerichte wie die japanisch-hawaiianischen Poke Bowls oder Edamame Bohnen waren 2020 äusserst beliebt.
Foto: Getty Images

Die Schweiz hat (immerhin) kulinarisch eine Weltreise gemacht

Schweizer hatten im Lockdown Fernweh – und diese Sehnsucht haben sei deshalb mit vielfältigem und internationalem Essen zu befriedigen versucht. Für eine kulinarische Reise wurden gerne griechische Fladenbrot Pita (+150 Prozent), japanisch-hawaiianische Bowls (102 Prozent) und die tibetischen Teigtaschen Momo (+63 Prozent) geordert.

Mehr Alkohol und Dessert im Lockdown

Schweizer haben während des Lockdowns auch tief ins Glas geschaut. In den herausfordernden Zeiten wurden 98 Prozent mehr Bier und 70 Prozent mehr Wein (Rotwein war beliebter als Weisswein) bestellt.

Zudem versuchte man sich das Leben im Lockdown zu versüssen. Zu den Hauptgerichten fügte man gerne noch ein Mousse au Chocolat (+70 Prozent) oder ein Tiramisù (+80 Prozent) hinzu.

Eine süsse Aufmunterung während der Pandemie: Das allseits beliebte Dessert Tiramisù.
Eine süsse Aufmunterung während der Pandemie: Das allseits beliebte Dessert Tiramisù.
Foto: Getty Images/EyeEm

Viele Bestellungen am Morgen – weniger in der Nacht

Im Lockdown haben sich die morgendlichen Bestellungen um 160 Prozent erhöht – dabei handelte es sich jedoch nicht nur um Frühstücksgerichte. «Viele berufstätige Eltern, die im Homeoffice mit Kindern gearbeitet haben, organisierten den Tag bereits am Morgen. Es handelt sich hierbei also auch um Vorbestellungen für den Mittag», erklärt Dominic Millioud, Eat.ch-Chef.

Das Nachtleben ist wegen der geschlossenen Clubs und Bars zum Stillstand gekommen. Das bekam auch Eat.ch zu spüren: Die nächtlichen Bestellungen von heisshungrigen Partygängern gingen um 30 Prozent zurück.

Was wohl auch 2020 wie jedes Jahr gleich blieb: An den gemütlichen Faulenzer-Tagen zwischen Weihnachten und Neujahr hatte wohl niemand mehr Lust, gross zu kochen, weshalb am 27. Dezember bei Eat.ch die meisten Bestellungen eingingen . Die Schweiz deckte sich vor allem mit Pizzas und Burgern ein.

12 Kommentare
    Raimund Ritzi

    Abgesehen davon, dass die Pizza und die anderen "Bestseller" relativ billig sind, ist es blamabel für das Publikum, dass immer mehr "FastFood" Esswaren bestellt und vertilgt werden. Ich glaube, dass die Neuzeit immer weniger Feinschmecker rekrutiert und ein Stück (Ess-) Kultur verloren geht. Eigentlich passt dies so gar nicht zu den "Klimaaktivisten", die sicher auch unter den Bestellern sind.