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Umweltfreundliche JuwelenBei Pandora gibts bald nur noch Schmuck aus recyceltem Gold

Der weltgrösste Schmuckhersteller sagt Juwelen aus nicht nachhaltiger Produktion den Kampf an. Die Nachfrage nach umweltfreundlichen Produkten steigt.

Auch bei Kunden gefragt: Schmuck, der bei der Herstellung weniger Umweltschäden verursacht, ist zunehmend beliebt. Hier eine Pandora-Filiale in London.
Auch bei Kunden gefragt: Schmuck, der bei der Herstellung weniger Umweltschäden verursacht, ist zunehmend beliebt. Hier eine Pandora-Filiale in London.
Foto: Getty Images

Grossmamis Ring, die Brosche von der Tante, Papis alte Krawattennadel – früher war das vielleicht mal todschick, heute oft nicht mehr. Jetzt soll es vielleicht lieber ein Armband sein, verziert mit ein paar dieser Perlen aus Silber, Gold, Glas und vielleicht einem kleinen Stein. Bald schon könnte im neuen Schmuck aber doch wieder der alte stecken – und zwar zu 100 Prozent.

Das jedenfalls ist der Plan des dänischen Unternehmens Pandora, das in der Schweiz mehrere Filialen betreibt. Bis 2025, so hat es der nach Volumen weltgrösste Schmuckhersteller angekündigt, soll das gesamte selbst und von Zulieferern verarbeitete Gold und Silber recycelt sein.

Deutlich weniger Treibhausgas-Emissionen

Es ist der erste Grossjuwelier, der einen solchen Schritt ankündigt. Denn bis 2025 will das Unternehmen komplett CO₂-neutral arbeiten, und die Versorgung mit Rohstoffen spielt dafür eine wichtige Rolle: Recyceltes Silber verursache zwei Drittel weniger Treibhausgas-Emissionen als frisch gefördertes, heisst es bei Pandora, recyceltes Gold sogar 99 Prozent weniger. Hinzu kommen noch die anderen Umweltschäden, die bei der Suche nach Edelmetallen entstehen.

Denn ihr Glanz verdeckt ein ziemlich schmutziges Geschäft. Auf der Suche nach Gold beispielsweise werden ganze Landschaften umgegraben. Es werden Flüsse und Böden mit giftigen Chemikalien verseucht, wenn das Gold aus dem Stein gelöst und Unmengen an Treibhausgasen ausgestossen, wenn es geschmolzen wird.

Nur ein geringer Anteil wird recycelt

Dabei gibt es nicht wenig Gold auf der Welt: 187’200 Tonnen, oder, etwas plastischer, ein Würfel mit 21 Metern Kantenlänge wurde in der Menschheitsgeschichte schon geschürft, schätzt der Branchenverband World Gold Council.

Allein die US-Notenbank sass zuletzt auf einer Reserve von gut 8100 Tonnen, China und Russland lagen bei jeweils um die 2000 Tonnen. Dabei wird Gold, anders als etwa Silber oder Platin, kaum industriell genutzt. Es ist einfach nur wertvoll – und deshalb begehrt.

Für Schmuck wird mehr Gold gefördert als für die Reserven der Nationalbanken. Kundinnen in der Pandora-Filiale in Basel.
Für Schmuck wird mehr Gold gefördert als für die Reserven der Nationalbanken. Kundinnen in der Pandora-Filiale in Basel.
Foto: fh

Also wird weitergeschürft, zuletzt jedes Jahr durchschnittlich weitere knapp 3000 Tonnen Gold und rund 23’700 Tonnen Silber. Recycelt wurde dagegen deutlich weniger, nur gut 1400 Tonnen Gold und 4800 Tonnen Silber.

Mehr als die Hälfte der jährlichen weltweiten Goldproduktion – also mehr als 2200 Tonnen – landete aber nicht in den Kellern der Zentralbanken, sondern in privaten Schmuckschatullen. Beim Silber waren es gut 5300 Tonnen und damit immerhin fast ein Sechstel der Gesamtmenge.

«Als grösster Schmuckhersteller der Welt denken wir, dass wir ein Zeichen setzen und die Nachfrage ankurbeln können.»

Alexander Lacik, Pandora-Chef

Warum aber gibt es nicht längst mehr Recycling-Schmuck? Schliesslich lassen sich Gold und Silber ohne Qualitätsverluste praktisch beliebig oft einschmelzen und neu verarbeiten. Ein Problem sei aber der Nachschub, vor allem beim Silber: «Die Nachfrage war da bisher nicht so gross», sagte Pandora-Chef Alexander Lacik der «Financial Times».

Silber ist nach eigenen Angaben das wichtigste Material für die Firma, nach Gewicht macht es mehr als die Hälfte aller verarbeiteten Rohstoffe aus, insgesamt 340 Tonnen pro Jahr. Hinzu kämen 300 Kilogramm Gold.

Zwar verarbeite Pandora bereits heute zu mehr als zwei Drittel recyceltes Silber und Gold. «Als grösster Schmuckhersteller der Welt denken wir aber, dass wir ein Zeichen setzen und die Nachfrage ankurbeln können», sagte Lacik.

Einen Marketing-Effekt erwartet er durch die Umstellung allerdings vorerst nicht. Eher rechne er sogar damit, den Kunden erst einmal erklären zu müssen, dass ihr Schmuck nun nicht schlechter wird, nur weil er aus Grossmutters altem Ring oder Papas alter Krawattennadel geformt wird.