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Samsung forscht an 6GWas die nächste Mobilfunkgeneration bringt

Damit werden hochauflösende Hologramme auf dem Handy möglich: Wann 6G eingeführt wird, wie schnell die Daten dann fliessen und was die Schweizer Anbieter dazu sagen.

Hochauflösende Hologramme, erweiterte Realität und «digitale Zwillinge» – 6G soll es möglich machen.
Hochauflösende Hologramme, erweiterte Realität und «digitale Zwillinge» – 6G soll es möglich machen.
Foto: Getty Images

Hierzulande steckt die fünfte Mobilfunkgeneration 5G noch in den Kinderschuhen und sorgt für Widerstand in der Bevölkerung. In Südkorea forscht der Technologiekonzern Samsung bereits am Nachfolgestandard 6G.

In einem 46-seitigen Positionspapier hat Samsung als erste Telecomfirma überhaupt detailliert Anwendungsmöglichkeiten, einen Starttermin und Angaben zu den Übertragungsgeschwindigkeiten veröffentlicht. Anbei die wichtigen Fragen und Antworten.

In den meisten Industrienationen ist 5G noch gar nicht vollständig lanciert. Warum kommt Samsung ausgerechnet jetzt schon mit 6G?

Der chinesische Erzrivale Huawei hat im vergangenen Jahr angekündigt, in seinen Labors in Kanada an 6G zu forschen. Damit die Konkurrenz nicht davonzieht, hat nun auch Samsung entsprechende Pläne vorgelegt. Huawei gilt als führend bei der 5G-Technologie. Auf Anfrage wollte sich Huawei Schweiz nicht zu den 6G-Vorhaben äussern.

Was sind die Eigenschaften von 6G?

Samsung sagt für 6G eine theoretische Datenrate von 1000 Gigabit pro Sekunde voraus. Das ist etwa 100-mal schneller als 5G. Die Latenzzeit – gemeint ist die Verzögerung beim Übermitteln der Daten – soll weniger als 100 Mikrosekunden betragen. Das entspricht etwa einem Zehntel der Latenzzeit von 5G. Eine Mikrosekunde ist eine Millionstel Sekunde.

Wann kommt 6G?

Samsung rechnet damit, dass 6G etwa im Jahr 2028 erstmals in Smartphones eingebaut werden kann. Eine breite Nutzung von 6G prognostiziert das Unternehmen ab dem Jahr 2030. Das sind ambitionierte Ziele: Konkurrent Huawei hatte zuletzt noch behauptet, dass 6G bis 2030 nicht umsetzbar wäre.

Was hat der private Nutzer von 6G?

«In der 6G-Ära wird es neue fortschrittliche Dienste geben, die ein enormes Mass an Echtzeit-Datenverarbeitung, eine hyperschnelle Datenrate und extrem niedrige Latenzzeiten erfordern«, schreiben die Forscher von Samsung. Als Beispiele nennen sie hochauflösende Hologramme, die über das Smartphone ausgespielt werden; erweiterte Realität und «digitale Zwillinge», die als exakte elektronische Kopie von Gegenständen eine wichtige Rolle in der digitalisierten Produktion der Industrie spielen sollen.

Praktische Anwendung dürfte das für grosse Teile der Bevölkerung dann etwa bei der Telearbeit haben, bei der Menschen zunehmend aus der Ferne an ihrem Arbeitsplatz tätig werden. Aber auch die Videotelefonie wird sich verändern. So könnte der Chef und die Arbeitskollegen plötzlich als Hologramme in den eigenen vier Wänden erscheinen.

Wie beurteilt Marktführer Swisscom 6G?

Das Unternehmen beschäftige sich mit allen Aspekten der Mobilfunkentwicklung, unabhängig von der Bezeichnung 4G, 5G oder 6G, heisst es bei der Swisscom. Es sei «sicher sinnvoll», dass Ausrüster wie Samsung die nächsten Entwicklungsschritte skizzieren. Aktuell sei Swisscom damit beschäftigt, 5G mit allen Eigenschaften umzusetzen. Das werde noch Jahre dauern. 5G werde mindestens 20 bis 30 Jahre in Betrieb sein.

«Wann 6G in der Schweiz verfügbar sein wird, lässt sich heute kaum abschätzen.»

Rolf Ziebold, Sprecher von Sunrise

Was meint Sunrise?

«Sunrise verfolgt interessiert die Forschungsarbeiten des Technologiepartners Huawei sowie der weiteren Akteure», sagt Sunrise-Sprecher Rolf Ziebold. «Wann 6G in der Schweiz verfügbar sein wird, lässt sich heute kaum abschätzen.» Rückblickend auf die Technologie-Einführungen von 3G, 4G und 5G zeige sich in der Schweiz ein Zyklus von sieben bis zehn Jahren, bis eine neue Mobilfunktechnologie verfügbar sei. «Das hängt insbesondere auch von den regulatorischen Rahmenbedingungen ab», so Ziebold.

Und wie schätzt Salt 6G ein?

Das Unternehmen hält es noch für verfrüht, sich zum neuen Standard zu äussern. Die Nummer drei in der Schweiz weist darauf hin, dass das volle Potenzial und die möglichen Anwendungen von 5G heute noch nicht vollumfänglich abschätzbar seien. «Das war bereits bei den vorherigen Mobilfunkgenerationen der Fall und gilt umso mehr für die 6G-Technologie», sagt Salt-Sprecherin Elvira Bruggmann.

«Exponentiell wachsende Datenübertragung bedeutet exponentiell wachsende Strahlenbelastung.»

Rebekka Meier, Verein «Schutz vor Strahlung»

Wie reagieren die 5G-Gegner?

«Exponentiell wachsende Datenübertragung bedeutet exponentiell wachsende Strahlenbelastung», sagt Rebekka Meier vom Verein Schutz vor Strahlung. Im Bericht «Mobilfunk und Strahlung» des Kommunikationsdepartements werde 6G noch gar nicht behandelt. Aus dem Report könne geschlossen werden, dass es allein für 5G mindestens das Dreifache an Antennen in der Schweiz benötigen würde, auch wenn die Grenzwerte nach den Wünschen der Mobilfunkbetreiber erhöht würden. Meier verweist auf den Vorschlag des ebenfalls 5G-kritischen Vereins Ärztinnen und Ärzte für Umweltschutz, wonach die Innen- und Aussenversorgung mit Telecomdienstleistungen getrennt werden solle: «Wird der Innenraum mit Glasfaser erschlossen, so kann jedermann 6G in seinen eigenen Räumen – falls gewünscht – in eigener Verantwortung installieren.»

Braucht es 6G wirklich oder nicht?

Was die Übertragungsgeschwindigkeiten im Mobilfunk betrifft, ist 5G ein wichtiger Meilenstein. So schnell war Surfen auf dem Smartphone noch nie. Das Ende an technologischen Möglichkeiten ist aber noch lange nicht in Sicht. In den nächsten zehn Jahren geht Samsung davon aus, dass es 500 Milliarden Endgeräte geben wird, die mit dem Internet verbunden sind. Ausgehend von den bis dahin erwarteten 8,5 Milliarden Menschen weltweit, hätte dann jede Person rund 59 mit dem Internet verbundene Geräte. Hierzu zählen beispielsweise kleine Sensoren, Smartphones, Drohnen, Roboter, vernetzte Autos und Häuser.

27 Kommentare
    Manfred Spiegel

    Exponentiell wachsende Falschinformationen

    Im Artikel von Jon Mettler zum Thema Mobilfunkstrahlung wird Rebekka Meier ohne kritische Einordnung zitiert. Brauchen wir noch mehr Falschinformationen, die die Chancen von neuen Mobilfunkgenerationen überschatten? Nein, wir brauchen viel eher Transparenz und eine abgewogene Diskussion zu 5G, damit wir die Chancen der Zukunft auch erkennen können.

    Die Aussage, dass exponentiell wachsende Datenübertragung zu exponentiell wachsender Strahlenbelastung führt, ist falsch. Seit der Einführung von 2G hat sich die Datenrate von rund 40kbit/s auf bis zu 1 Gbit/s erhöht. Die Datenübermittlung erfolgt damit 25'000 Mal schneller als zuvor. Gleichzeitig ist die NIS-Belastung konstant geblieben oder nur leicht angestiegen. Ein Messbericht vom Kanton Zürich von 2018 belegt, dass durch die exponentiell steigende Datenübertragung keine Verschiebung hin zu höheren Belastungen mit nicht-ionisierender Strahlung stattfindet. Das bedeutet, dass jede neue Mobilfunktechnologie die Datenübertragung steigern und gleichzeitig die Strahlung minimieren konnte.

    Somit votiere ich dafür, dass wir uns in Zusammenhang mit neuen Mobilfunkgenerationen weniger mit den Falschinformationen beschäftigen, damit wir die Chancen, die 5G für die Gesellschaft bietet, erkennen können. Neue Mobilfunkgenerationen bieten die Basisinfrastruktur, damit Unternehmen mit dem Fortschritt mithalten können. Lassen wir uns diese Chance aufgrund von Falschinformationen nicht verbauen.