Zum Hauptinhalt springen

Wenn die Zukunft im Job ausweglos erscheint

Nicht Marionette, sondern Regisseur sein: Dies ist die Essenz des Buches «Arbeit – Sinn und Motivation» von Harald Pichler.

Wofür arbeite ich? Diese elende Frage holt die meisten hin und wieder ein. Sie fällt typischerweise bei Stress, wenn der Arbeitgeber sich unfair verhält, wenn Kollegen mobben, wenn der Lohn nicht zum Leben reicht, wenn man unterfordert ist oder beruflich stagniert. Der frühere Manager und heutige Ausbildner Harald Pichler glaubt, dass wir uns diese Frage stellen, wenn uns die Zukunft als ausweglos erscheint. Wir sehen keinen Sinn mehr und fühlen uns als Opfer der Umstände, aus denen es scheinbar keinen Ausweg gibt.

Der Autor schildert das Leben einer Endfünfzigerin, die drei Jahre bis zur Pensionierung hat. Sie macht ihren Job gerne, mit ihren Kollegen kommt sie gut aus, aber ihr Chef, ein selbstverliebter Typ, macht ihr die Arbeit zur Hölle. Am einfachsten wäre, zu kündigen, doch dann verlöre sie das Recht auf eine Abfindung und riskierte drei Jahre Arbeitslosigkeit. Kein Ausweg also?

Falsch, sagt Pichler. Die Frau habe Optionen: Erstens mithilfe der netten Kollegen durchhalten, zweitens auf die Abfindung verzichten und kündigen und drittens dem Chef widersprechen und so auf eine Kündigung hinarbeiten – samt Abfindung. «Der Perspektivwechsel aus der Opferrolle heraus in die Gestalterrolle macht den Unterschied», sagt der 50-jährige Autor. So kann die Option Durchhalten Sinn machen, indem sie mit der Abfindung eine grosse Reise plant, der Tochter das Studium finanziert oder ein sinnstiftendes, ausserberufliches Amt findet.

Nicht Marionette, sondern sein eigener Regisseur sein. Dies ist die Essenz des Buches. Indem du entscheidest, stiftest du den Sinn und motivierst dich. Pichler bringt viele Beispiele. Er schreibt nicht nur für die Underdogs, sondern auch für Ausgebrannte und Chefs, die ganz zuoberst den Sinn verlieren. Nicht die Selbstverwirklichung stehe zuoberst, schreibt Pichler, sondern «die Ausrichtung des Menschen über sich selbst hinaus».

Der Höhepunkt des Ratgeberbuchs ist die Theorie. Enttäuschend sind eher esoterische Aussagen wie, dass jeder Mensch «einmalig und einzigartig» sei. Freude macht aber die Metapher eines Flugzeugs, das nach der Landung ans Gate rollt. Selbst wenn es steht, bleibt es ein Flugzeug, das wieder fliegen kann. So kann auch der Mensch in schlechten Zeiten zurück zur Piste rollen und abheben.

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch