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Das Sauerteig-Tagebuch (2)Wenn Männer sich an Broten die Zähne ausbeissen

Die Produktion eines Sauerteig-Brots ist aufwendig. Gerade richtig für Männer, die zu viel Zeit haben. Sie scheitern manchmal auf der ganzen Linie.

Was für ein schönes Brot! Albert Anker würde es malen wollen. Oder Goya.
Was für ein schönes Brot! Albert Anker würde es malen wollen. Oder Goya.
Stefan Busz

Montag: Sauerteig füttern. Dienstag: Sauerteig füttern. Mittwoch: Sauerteig füttern. Donnerstag: Sauerteig füttern. So sieht das Tagebuch eines Sauerteigbrot-Bäcker-Hobbyisten aus. Am Freitag wird dann Anlauf zum Brot genommen, der Teig wird gedehnt und gefaltet, gedehnt und gefaltet et cetera, ganz nach unserem Lehrmeister, und voilà: Am Samstag kommt das Brot aus dem Ofen.

Was für ein schönes Brot!, möchte man ausrufen, Albert Anker würde den Laib malen wollen, vielleicht auch Goya. Das ist, was ein Mann in einer Woche in Langarbeit so produziert, nur um sagen zu können: Ich bin doch ein Hirsch im Sauerteigbrot-backen.

Das Sauerteigbrot gibt aber zurück. Erstens: Es ist doch nicht so aufgegangen, wie man wollte. Zweitens ist die Kruste doch ein bisschen fest geworden. Drittens biss ich mir daran einen Zahn ab. Keine grosse Sache, sagte der Zahnarzt, der mich reparierte, kann vorkommen. Ein Jahr soll es gehen, sagt ein Sauerteig-Guru, bis ein Hobbyist die Sache im Griff hat. Ich habe also noch Zeit. Und füttere den Teig, der übrigens jetzt «Hugo» heisst, weiter. Nächster Termin beim Zahnarzt ist Freitag.

Wie es richtig geht, zeigt die Ecole internationale de boulangerie mit Kurzfilmen auf Youtube. Oder natürlich: Claudio Del Principe («A casa»), unser Lehrmeister.