Zum Hauptinhalt springen

Die neuen Chefs von GCWenn sie den Schädel einziehen

Am Samstag beginnt im Cup gegen Lausanne-Ouchy die Zeit der Bewährung für die neue Führung – und die gibt sich, als wäre ihr Club bereits in der Champions League.

GC im Fokus: Doch von den Verantwortlichen will niemand vor dem Saisonstart reden.
GC im Fokus: Doch von den Verantwortlichen will niemand vor dem Saisonstart reden.
Foto: Remy Steiner (Freshfocus)

Als João Carlos Pereira vor einem Monat als Trainer vorgestellt wurde, hiess bei ihm GC noch «Tschetse». Er wurde darauf aufmerksam gemacht, dass es «Geecee» heisst.

Die korrekte Aussprache ist noch nicht bis nach China durchgedrungen. Zumindest hört es sich nicht so an, als Sky Sun am Montagabend erstmals zur GC-Gemeinde spricht. «Tschiisii» sagt er, als wäre GC eine Toilette.

Fünf Monate ist es nun her, dass ein erst eben gegründetes Unternehmen namens Champion Union HK Holdings Limited aus Hongkong 90 Prozent der GC-Aktien übernommen hat. Jenny Wang tritt als Besitzerin auf, und Sky Sun ist delegiert als Präsident, um vor Ort nach dem Rechten zu sehen. Nur hat er das seit dem Kauf noch nicht getan, die Corona-Bestimmungen hindern ihn angeblich daran.

Mit ausdrucksloser Miene

4:04 Minuten redet Sun auf der GC-Homepage in die Kamera. Was er an Neuem zu sagen hat, ist wenig, genau genommen nichts. Sie wollten mit «Tschiisii» zurück an die Spitze der Super League, sagt er mit ausdrucksloser Miene. Erstaunlich daran ist nur, dass er fünf Monate gebraucht hat, um das persönlich zu verbreiten.

In Zürich halten Shqiprim Berisha und Bernard Schuiteman die Stellung im Tagesgeschäft. Der eine ist der Managing Director, der sich der Einfachheit halber Jimmy nennt, und der andere der Sportchef, der gerne viel redet, wenn ihm zumindest der Sinn danach steht. Im April behaupteten beide noch, sie seien jederzeit erreichbar. Und Kritik, betonte Schuiteman, müsse sein, damit habe er kein Problem. Er werde nur etwas dazu sagen, wenn die Fakten falsch seien. Eines fügte er auch noch bei: Mit 46 sei die Zeit gekommen, Verantwortung zu übernehmen – «den Schädel hinhalten, wie man in Österreich sagt». Dieses Land liegt ihm nahe, weil er viele Jahre da gewohnt hat.

Das erstaunliche Gehabe

Am Samstag nun beginnt für das neue GC die Zeit der Bewährung, Cupspiel bei Stade Lausanne-Ouchy. Am Tag vorher gibt der Club die Verpflichtung von Ermir Lenjani bekannt, das ist ausnahmsweise keiner mit portugiesischem Hintergrund oder einer Vergangenheit in Wolverhampton. Der 31-Jährige ist ein albanischer Nationalspieler aus Winterthur, der zuletzt drei Saisons bei Sion verbrachte.

Ermir Lenjani, hier noch im Sion-Trikot: Er ist einer der wenigen Neuzugänge ohne portugiesische Herkunft oder Vergangenheit 
bei Wolverhampton.
Ermir Lenjani, hier noch im Sion-Trikot: Er ist einer der wenigen Neuzugänge ohne portugiesische Herkunft oder Vergangenheit
bei Wolverhampton.
Foto: Marc Schumacher (Freshfocus)

Mit ihm wird das Dutzend an frischen Spielern auf dem Campus voll. Damit sorgt auch das umgekrempelte GC für den seit Jahren üblichen Umsatz beim Personal. Auf der anderen Seite stehen 14 Abgänge. «Was wir bringen können, sind Änderungen, die GC dringend brauchte», hat Sun aus China gemeldet.

Die Zeit wäre diese Woche reif, damit sich Berisha oder Schuiteman zu den Veränderungen erklären würden. Im Fall von Schuiteman dauert es knapp zwei Stunden, bis er den Schädel einzieht und absagt. Und was Berisha betrifft, schreibt der Kommunikationsverantwortliche Adrian Fetscherin: «Jimmy möchte die Fragen vorab sehen und dann entscheiden, ob er darauf eingehen möchte.»

Berisha erhält die Themen, zum Beispiel: Was ist der Plan von GC? Wer bestimmt die Strategie? Welche Mittel stehen zur Verfügung? Glaubt er, dass mit dieser Transferpolitik eine Identifikation zu schaffen ist? Für welche Veränderungen hat er selbst gesorgt? Mit der Antwort im Fall von Berisha dauert es etwas länger, weil sie in Fetscherins Mailausgang stecken bleibt. Kann ja passieren. Aber auch Berisha mag nicht reden.

Äussert sich auch nicht: GC-Sportchef Bernard Schuiteman.
Äussert sich auch nicht: GC-Sportchef Bernard Schuiteman.
Foto: Remy Steiner (Freshfocus)

Es ist ein erstaunliches Gehabe, das auf dem Campus gepflegt wird. Als würde Schweigen helfen, Fragen aus der Welt zu schaffen, als wären sie kompliziert, als würden sie sich beim aktuellen Gebaren nicht aufdrängen, als wäre die bisherige Berichterstattung unzulässig. Als wären Fragen nicht die Chance, Antworten zu geben und Erklärungen zu liefern.

«Tschiisii» gibt sich so, als wäre es in der Champions League. Dabei ist es weiterhin in der Challenge League daheim, wie Kriens, Wil, Chiasso oder Lausanne-Ouchy.

Der Fall Ponde

Weil die Chefs nichts reden, gibt es halt unwidersprochen die Geschichte um den Portugiesen Cristian Ponde. Im Januar wurde der Stürmer Fredy Bickel angeboten, wobei das vielleicht nicht die passende Formulierung ist. Bickel, damals noch Geschäftsführer und Sportchef, wurde aufgetragen, diesen Spieler zu verpflichten. Die Investoren aus China, die bereits ihren Einfluss spüren liessen, wollten das so. Als ihr Emissär trat Berisha auf.

Wie gut ist er in Form? Cristian Ponde im Duell mit Luzerns Marvin Schulz in einem Testspiel.
Wie gut ist er in Form? Cristian Ponde im Duell mit Luzerns Marvin Schulz in einem Testspiel.
Foto: Martin Meienberger (Freshfocus)

Bickel machte, was er tun musste, er sorgte dafür, dass Ponde ärztlich untersucht wurde. Das Resultat war erstaunlich: Ponde, 25-jährig erst, wies angeblich die Werte eines durchschnittlichen Hobbysportlers auf. Überdies soll es ein, zwei gesundheitliche Probleme in seiner Vergangenheit gegeben haben. Deshalb wollte Bickel diesen Spieler nicht; Berisha intervenierte und beharrte auf einer zweiten ärztlichen Meinung. Bickel wiederum sagte: Wenn dieser Spieler verpflichtet werde, halte er öffentlich fest, dass er dazu gezwungen worden sei. Bickel bestätigt diese Episode.

Im Januar kam Ponde nicht. Aber er kam am 25. August, neun Monate nach seinem letzten Einsatz für Karpaty Lwiw aus der Ukraine.