Zum Hauptinhalt springen

Kommentar zu den Badi-BeschränkungenWer sich jetzt Zeit lässt, hat nichts begriffen

Die Stadt Zürich begrenzt wieder den Zugang zu Freibädern, statt abzuwarten, dass die Fallzahlen steigen. Sie steht damit im wohltuenden Gegensatz zur Kantonsregierung.

Social Distancing war einmal: Die Badi am Oberen Letten am 30. Juni.
Social Distancing war einmal: Die Badi am Oberen Letten am 30. Juni.
Foto: Urs Jaudas

Die Stadt Zürich führt in zwei Badis wieder Zutrittsbeschränkungen ein. Angesichts der dicht gedrängten Körper, die man auch andernorts am Wasser beobachten konnte, dürfte sie gerne noch weiter gehen. Und doch macht dieser Schritt Hoffnung: Es gibt also doch noch Verantwortungsträger, die auf der Höhe ihrer Aufgabe sind. Die begreifen, dass man in der Pandemie antizipieren und schnell handeln muss, um die Kontrolle zu behalten.

Diese Woche war bisher zum Haareraufen. Die Kantonsregierung, nach Ende des bundesrätlichen Krisenregimes zurück am Steuer, wirkte unvorbereitet auf den erwartbaren Wiederanstieg der Fallzahlen, unorganisiert, zerstritten. Sie wartete ab, bis in einem Club der Ernstfall eintrat, und hechelt seither den Ereignissen hinterher. Den Blick rückwärts statt nach vorn gerichtet.

Es gibt nur eins, wenn sich eine exponentielle Entwicklung andeutet: mit dem Schlimmsten rechnen und sofort Massnahmen ergreifen.

Dabei sollte jetzt jeder begriffen haben: Exponentiell ansteigende Kurven sind heimtückisch. Wir haben alle hautnah miterlebt, warum. Sie wiegen uns lange in Sicherheit und überwältigen uns dann plötzlich. Wenn sich ein Virus ungehindert verbreitet und sich die Zahl der neu Infizierten in wenigen Tagen verdoppelt, kann aus einer harmlosen Situation innert Wochenfrist eine erschreckende werden. Und wenn es mal so weit ist, nützt auch das beste Contact-Tracing nichts mehr. Wobei jenes, das Zürich hat, nicht über alle Zweifel erhaben ist.

Wir wollen nicht schwarzmalen: Wenn sich eine exponentielle Entwicklung andeutet, heisst das nicht zwingend, dass sie wirklich eintritt. Aber wir haben keine Zeit, um abzuwarten und zu beobachten, was passiert. Denn die Zahlen hinken der Entwicklung um Tage hinter. Wer die Welle erst bekämpft, wenn sie da ist, verliert.

Es gibt nur eins, wenn sich eine exponentielle Entwicklung andeutet: mit dem Schlimmsten rechnen und sofort Massnahmen ergreifen – etwa in den Badis, wo zuletzt ein haarsträubendes Gedränge herrschte. Bis sich die Situation entspannt hat und man die Regeln wieder lockern kann.

68 Kommentare
    D. Aerne

    Ich sehe überall überall Menschen jeden Alters, die sich wieder umarmen, Küsschen, Handschlag, die Köpfe eng beieinander beim Handybilder zeigen.

    Schade um die Arbeitsplätze der Clubs und engen Bars, aber mit steigendem Alkoholkonsum sinkt die Aufmerksamkeit und man grölt sich an. Vorübergehend schliessen, unbedingt. Masken mind. 1 x täglich wechseln, in Plastiksäckli verstauen, nicht in der verkeimten Hosentasche.