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Geldblog: Strategie der NationalbankWerden die Negativzinsen bleiben?

Oder: Warum die Schweizerische Nationalbank trotz schwächerem Franken an den Negativzinsen festhalten wird.

Teure Corona-Schuldenberge: Die immensen Schulden vieler Länder sprechen für den Erhalt der Negativzinsen.
Teure Corona-Schuldenberge: Die immensen Schulden vieler Länder sprechen für den Erhalt der Negativzinsen.
Foto: Keystone

Zu den Negativzinsen habe ich eine Frage: Ich dachte immer, diese Zinsen seien von der SNB eingeführt worden, um den Druck auf den Schweizer Franken zu reduzieren, das heisst, ihn weniger attraktiv zu machen. Warum werden wir Schweizer dafür bestraft? Es geht doch in meinen Augen vorwiegend darum, ausländische Investitionen in Schweizer Franken zu vermeiden. Nachdem nun der Franken in letzter Zeit sowieso im Vergleich zum Euro doch merklich nachgegeben hat, warum hält man an den Negativzinsen fest? Können Sie mir zu diesen beiden Fragen eine Erklärung abgeben? Leserfrage von R.P.

Mittels Negativzinsen will die Schweizerische Nationalbank den Schweizer Franken auf der einen Seite weniger attraktiv machen für Investoren aus dem Ausland. Immer dann, wenn an den Finanzmärkten die Unsicherheit stark steigt, setzt eine Flucht in den Franken ein, da dieser als sicherer Hafen gilt. Dies ist eigentlich ein Lob für unser Land und für unsere Währung. Die Anlegerinnen und Anleger schätzen die Stabilität des Frankens und vertrauen in die Schweiz. Der Nachteil ist, dass in Phasen der Unsicherheit viel zu viel Geld in den Franken drängt. Die Nachfrage ist dann hoch, entsprechend steigt der Wert des Frankens im Vergleich zu anderen Währungen, die als weniger stabil eingestuft werden.

Mittels Negativzinsen soll auf der anderen Seite auch der Zufluss in andere Währungen attraktiver werden. Nicht nur ausländische Investoren sollen aufgrund der Negativzinsen davon abgehalten werden, zu viel in Franken zu investieren. Auch die Schweizer Investoren sollen vermehrt dazu geführt werden, dass sie mehr auch in Fremdwährungen anlegen. Auch dies ist ein wichtiger Aspekt der Negativzinsen. Viele Investoren in der Schweiz investieren fast nur in Franken. Wenn diese ebenfalls mehr diversifizieren würden und auch mehr Wertschriften in Fremdwährungen wie Euro, Dollar oder weiteren Fremdwährungen halten würden, würde der Aufwertungsdruck beim Franken ebenfalls abnehmen.

Wenn man Negativzinsen nur für ausländische Anleger einführen würde, hätte dies zur Folge, dass die Kapitalflüsse genau kontrolliert werden müssten und bei jeder Transaktion geprüft werden müsste, ob sie nun aus der Schweiz oder dem Ausland kommt und vor allem wer genau der wirtschaftliche Berechtigte wäre. Der Kontrollaufwand würde immens steigen und ein freier Kapitalverkehr, auf dem unsere Finanzmärkte letztlich basieren, wäre nicht mehr möglich.

Die Investoren sind risikobereiter geworden, womit der Franken weniger gewichtet wird.

Nun hat in den letzten Wochen der Aufwertungsdruck beim Franken tatsächlich etwas nachgelassen. Der Euro ist zeitweise über 1.11 Franken geklettert und auch der US-Dollar hat deutlich an Wert zugelegt. Dies ist Ausdruck der Zuversicht der Investoren: Sie rechnen damit, dass sich insbesondere die amerikanische Wirtschaft rasch von der Coronakrise erholen wird. Auch in Europa hoffen die Investoren auf eine weitere Normalisierung der Wirtschaft. Ein Ende der Lockdowns im Zuge der Impfungen dürfte zu einer starken konjunkturellen Erholung in diesen Währungsräumen führen, die Unternehmen könnten höhere Gewinne schreiben und entsprechend werden Wertschriften aus diesen Währungsräumen attraktiver.

Dazu kommt, dass in den USA die Zinsen für lang laufende Staatsanleihen deutlich gestiegen sind. Damit sind diese Anleihen für Anleger attraktiver geworden. Entsprechend fliesst mehr Geld in diese. Die Investoren sind risikobereiter geworden, womit der Franken weniger gewichtet wird. Doch dies kann sich sehr schnell wieder ändern. Sollte ein unerwartetes Ereignis eintreten, das die Anleger verunsichert, würde rasch wieder viel Geld in den Franken fliessen.

Die Schweizerische Nationalbank denkt langfristig. Wenn Sie die Negativzinsen abschaffen würde, während die Europäische Zentralbank weiter an ihren historisch tiefen Zinsen festhält, würde der Franken umgehend im Vergleich zum Euro attraktiver und damit stärker. Doch genau dies will die Nationalbank verhindern. Daher wird die Nationalbank kaum vor der Europäischen Zentralbank hierzulande die Zinsen erhöhen oder eben die Negativzinsen abschaffen. In Europa rechne ich ebenfalls noch länger mit tiefen Zinsen. Dies ist im Interesse der Länder, die im Zuge der Coronakrise ihre Schuldenberge sogar nochmals erhöht haben. Würden die Zinsen steigen, müssten sie viel mehr für die Finanzierung der Schulden zahlen, was sie aber nicht wollen und nicht können. Darum wird sich an den tiefen Zinsen bei uns vorderhand kaum so schnell etwas ändern.

4 Kommentare
    taz-werterhaltung

    Negativzins sollte nur für ausländisches Geld erhoben werden. In der Schweiz sollten die Zinsen deutlich angehoben werden. Bei einem Negativzins von 5% für ausländisches Kapital würde eine Kapitalflucht in den CHF sich in Schranken halten und die Immobilienpreise würden sich wieder normalisieren.