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Unterschiedliche Corona-VerläufeWeshalb Männer häufiger schwer an Covid-19 erkranken als Frauen

US-amerikanische Wissenschaftler haben Unterschiede in der Immunantwort zwischen den beiden Geschlechtern gefunden.

Eine Krankheit, zwei Geschlechter, unterschiedliche Verläufe: Männer erkranken häufiger schwer an Covid-19 als Frauen.
Eine Krankheit, zwei Geschlechter, unterschiedliche Verläufe: Männer erkranken häufiger schwer an Covid-19 als Frauen.
Foto: Cindy Cord (Getty Images) 

Rund 60 Prozent der in der Schweiz hospitalisierten Corona-Patienten sind männlich, bei den Verstorbenen sind es 59 Prozent, in vielen anderen Ländern ergibt sich ein ähnliches Bild. Aber wieso erkranken Männer häufiger schwer an Covid-19 als Frauen? Die Frage beschäftigt Wissenschaftler rund um den Globus schon seit Monaten. Forschende der US-amerikanischen Yale School of Medicine haben nun eine mögliche Erklärung gefunden.

In einer von Fachleuten geprüften Studie, welche am Mittwoch in der Fachzeitschrift «Nature» erschienen ist, untersuchten die Forschenden regelmässig Blut, Rachenabstriche, Speichel, Urin und den Stuhlgang von 17 Männern und 22 Frauen, welche wegen einer Covid-19-Erkrankung in ein Spital eingeliefert worden waren. Von der Studie ausgeschlossen wurden Patienten, welche künstlich beatmet wurden oder Medikamente zu sich nahmen, die das Immunsystem beeinflussten.

Durch die Analyse der entnommenen Proben stellten die Forschenden unterschiedlich starke Aktivierungen von sogenannten T-Zellen zwischen den Geschlechtern fest. Diese spezialisierten weissen Blutkörperchen sind Teil des menschlichen Immunsystems und haben die Aufgabe, von Viren befallene Körperzellen zu zerstören und somit eine weitere Ausbreitung des Virus im Körper zu unterbinden.

Bei den Männern löste das Virus eine schwächere T-Zellen-Aktivierung aus als bei den Frauen, was wiederum mit einem schwereren Krankheitsverlauf einherging, hielten die Autoren der Studie fest. Darüber hinaus hatten ältere Herren auch weniger T-Zellen als jüngere, während die Zahl bei den Frauen im Altersvergleich relativ konstant blieb. «Die robustere T-Zellen-Aktivierung bei älteren Frauen könnte ein wichtiger Anhaltspunkt für den Schutz sein und muss weiter untersucht werden», sagte die Impfexpertin Sabra Klein von der John Hopkins Bloomberg School of Public Health gegenüber der «New York Times».

Sexualhormone als Grund für Unterschiede eher ausgeschlossen

Neben der unterschiedlich starken Aktivierung von T-Zellen fanden die Wissenschaftler der Yale School of Medicine je nach Geschlecht der untersuchten Patienten auch unterschiedliche Konzentrationen von sogenannten Zytokinen im Blutplasma. Diese Proteine spielen eine wichtige Rolle bei der Regulation des Immunsystems. Bei den Männern war deren Konzentration generell höher als bei den Frauen. Bei wenigen weiblichen Patienten war dieser Wert ebenfalls erhöht, was mit einem schwereren Krankheitsverlauf in Verbindung stand. Hier könnten Medikamente helfen, welche die Proteine abschwächten, meinte der Immunologe und Leiter der Studie Akiko Iwasaki.

Die Studie lieferte keine Gründe für die Unterschiede in der Immunantwort zwischen den Geschlechtern. Es sei zweifelhaft, ob Sexualhormone eine Rolle spielten, da die Frauen ihre Wechseljahre im Schnitt bereits hinter sich hatten, so Impfexpertin Klein gegenüber der «New York Times». Dahinter könnten jedoch auch evolutionsgeschichtliche Gründe stecken wie etwa die Tatsache, dass Frauen die Belastungen von Schwangerschaft und Geburt durchstehen müssen, wofür ein starkes Immunsystem von Vorteil ist.

Für ältere Männer sind eventuell mehrere Impfdosen nötig

Die Ergebnisse der Studie haben auch Implikationen für die Verabreichung eines möglichen Impfstoffes. Aufgrund des schwächeren Immunsystems werden wohl insbesondere ältere Männer auf mehr als eine Dosis angewiesen sein, wie der deutsche Immunologe Marcus Altfeld gegenüber der Zeitung meinte. «Sie könnten sich Szenarien vorstellen, in denen eine einzige Impfung bei jungen Menschen oder vielleicht bei jungen Frauen ausreichen könnte, während ältere Männer drei Impfungen benötigen.»

Eine Schwäche der Studie ist sowohl die kleine Stichprobe als auch der Umstand, dass die Patienten im Schnitt über 60 Jahre alt waren, was eine Anwendung auf jüngere Personen erschwert. «Das Alter erweist sich als sehr wichtiger Faktor bei der Auswirkung einer Covid-19-Erkrankung, weshalb die Schnittstelle zwischen Alter und Geschlecht weiter untersucht werden muss», so Impfexpertin Klein.

sho

3 Kommentare
    Sandro Rudin

    Vor ca. einer Woche wurde hier an gleicher Stelle eine andere Studie zusammengefasst, welche einen Zusammenhang mit genetischen Mutationen auf dem Y-Chromosom nahelegte. Einfach mal so ei neutraler Hinweis.