Zum Hauptinhalt springen

Erster Auftritt des neuen SBB-Chefs«Bereits 150'000 Kunden haben ihr GA hinterlegt»

Das Virus trifft die SBB mit voller Wucht. Vincent Ducrot, seit heute Chef der Bundesbahn, bereitet das erneute Hochfahren des Betriebes vor.

Er muss die SBB aus der Corona-Krise führen: Vincent Ducrot.
Er muss die SBB aus der Corona-Krise führen: Vincent Ducrot.
Foto: Keystone

Das Wichtigste in Kürze:

  • Gestern hatte Andreas Meyer seinen letzten Arbeitstag bei den SBB.
  • Ab heute steuert Vincent Ducrot den Konzern.
  • An seiner ersten Pressekonferenz als SBB-Chef sprach er davon, dass die SBB rund 2 Wochen Vorlaufzeit brauche, um ein Hochfahren der Kapazitäten auf ein normales Niveau zu bewerkstelligen.
  • Die finanziellen Schäden, die die Coronakrise bei den SBB auslöst, konnte Ducrot noch nicht beziffern.

LIVE TICKER BEENDET

Fazit

Es ist ein Start, den man niemanden wünscht: Vincent Ducrot startet mitten in einer Krise in seinen neuen Job als SBB-Chef. In einer ersten Phase wird Ducrot vollends damit beschäftigt sein, den Krisenbetrieb bei den SBB zu managen. So hat er sich seinen Einstieg bei den SBB ganz und gar nicht vorgestellt.

Bereits arbeiten die SBB auch daran, zu planen, wie sie den Betrieb dereinst wieder hochfahren können. Dafür brauchen sie zuerst rund zwei Wochen Vorlaufzeit.

Die erste Zeit der Krise haben die SBB aber ganz passabel gemeistert: Offenbar gab es wenig Probleme beim der Umsetzung des neuen Fahrplans. Die verbleibenden Züge verkehren auffällig pünktlich. Und: Die SBB haben genug Personal, um den Betrieb aufrechtzuerhalten, liess Vincent Ducrot wissen. Die Bundesbahnen haben für ihre Mitarbeitenden gar Kurzarbeit eingegeben. Noch ist aber nicht klar, ob diese bewilligt wird.

Wie hoch die finanziellen Ausfälle sind, liess Ducrot noch offen. Fest steht aber: Es werden etliche Millionen sein. Bereits haben denn auch 150000 GA-Kunden ihre Abos hinterlegt.

Die PK ist beendet

Vincent Ducrot beendet seine erste Pressekonferenz als neuer SBB-Chef. Wie zu erwarten war, sagte er sehr wenig über seine Ziele nach der Bewältigung der Coronakrise. Da werde man im Sommer mehr erfahren.

Wie lange dauert das Hochfahren?

Die SBB brauche eine Vorlauffrist von zwei Wochen, um den Betrieb wieder hochzufahren, sagt Ducrot.

Mehr Leute in den Agglomeration

Offenbar nutzen in den Agglomerationen wieder mehr Leute den öV. Die SBB können aber deswegen nicht einfach den Fahrplan wieder teilweise hochfahren, sagt Ducrot. Das sei aber auch nicht nötig. Man haben den Betrieb nur um 25 Prozent zurückgefahren, aber noch immer fahren 80 Prozent Fahrgäste weniger als normal.

Was passiert nach der Krise?

Ducrot will nicht in die Kristallkugel schauen, wie die Leute nach der Krise den öV nutzen. Er persönlich geht davon aus, dass die Leute eher genug haben werden zuhause zu sein. Entsprechend erwartet er, dass der öV mehr genutzt wird.

Güterverkehr

Was sind die Auswirkungen auf den Cargo-Bereich? Inlandverkehr sei um 15 Prozent reduziert, sagt Ducrot. Internationaler Verkehr steht praktisch still.

GA hinterlegen

Ducrot spricht davon, dass bereits 150000 GA-Kunden ihr Abo hinterlegt haben. In ein paar Wochen sei man soweit, zu beziffern, wie hoch Umsatz und Gewinn eingebrochen sind.

Wird es Mieterlasse geben?

Die SBB haben ein grosses Immobilienportfolio. Ein Journalist will wissen, ob die SBB Mieten erlassen will. Ducrot: «Wir halten uns an die Vorgabe des Bundes.» Es werde keine Sonderregelung geben. Zudem sei es noch sehr früh, jetzt schon Entscheidungen darüber zu treffen.

Was kostet die Krise?

Was die Coronakrise anbelangt, nennt Durcot noch keine Kosten, die auf die SBB zukommen. Dafür sei es noch zu früh. Die SBB habe Kurzarbeit angemeldet, aber man habe noch keine Antwort, ob man die Kurzarbeit auch erhält. Da habe die SBB aber auch nicht Priorität, es gebe andere Firmen, die stärker betroffen seien.

Nun geht es bereits zu den Fragen

Vincent Ducrot stellt sich den Fragen der Journalisten. Eine Frage dreht um die Kompensation von Abokunden, wie etwa GA-Kunden. Ducrot verweist darauf, dass derzeit Diskussionen stattfinden, um eine Kompensation zu tätigen.

Herausforderung: Betrieb wieder hochfahren

Seit Januar hat sich Ducrot mit Kaderleuten getroffen. Die letzte Woche arbeitete er parallel zu Andreas Meyer. Die erste Herausforderung für Ducrot wird sein, den Betrieb dereinst wieder hochzufahren. Die ersten Pläne werden dazu bereits gewälzt, damit es dann schnell gehen kann. Eigentlich wollte Ducrot einen Monat den Betrieb kennenlernen und Mitarbeitende zu treffen. Dies sei allerdings nun nur digital möglich.

Ducrot spricht

«Es ist ein spezieller Tag für mich. Wir fahren mit 80 bis 90 Prozent weniger Kunden zurzeit.» Man unternehme alles, damit die Mitarbeiten unter guten Bedingungen arbeiten können und auch die Kunden sicher sind in den Zügen.

Ducrot spricht davon,. dass die SBB genügend Personal habe, um den Betrieb sicher zu stellen.

Es geht los

Vincent Ducrot sitzt am SBB-Hauptsitz in Bern. Ducrot wird sich spezifisch zur Coronakrise äussern.

Neuer Chef bestellte Pannen-Doppelstöcker

Einen Tolggen im Reinheft hat Ducrot schon. Er war bei den SBB Mitverantwortlich für die Bestellung der Doppelstöcker von Bombardier. Die Züge, die jahrelang auf sich warten liessen und deren Einführungsphase mit Problemen überfrachtet ist. Ducrot gab sich in diesem Punkt selbstkritisch: «Im Nachhinein hätte man es sicher etwas besser machen können», sagte er in Bezug auf die Bestellung der neuen Züge und deren Komplexität gegenüber dieser Zeitung.

Neuer Chef will Nähe zu den Mitarbeitenden

Sein erstes Interview im Zuge seines Amtsantritts gab Vincent Ducrot gestern im Regionaljournal Fribourg von SRF. Auf die Frage, was einen guten Chef ausmache, antwortet er: «Die Nähe zu den Mitarbeitenden. Ich habe auf sie gehört, wir haben eng zusammengearbeitet. Sehr wichtig ist auch, wertschätzend zu sein.»

Vertrauen zu den Mitarbeitenden aufzubauen, wird Ducrots erste Aufgabe sein. In der letzten Mitarbeiterbefragung erhielt die Konzernleitung unter Andreas Meyer bezüglich Vertrauen nur gerade 46 von 100 Punkten.


Ducrots Credo ist: «Machen Sie einfach». Insider sprechen von einer ganz anderen Art zu führen als Andreas Meyer. Er führe eher an der langen Leine, Mikromanagement sei weniger sein Ding. In einem Interview mit Tamedia sagte er: «Ich gebe gern Verantwortung ab und ermuntere meine Mitarbeiter, vorwärtszumachen.»

Zurück bei den SBB

Vincent Ducrot, der Neue an der SBB-Spitze, hat Jahrgang 1962. Er war bereits von 1993 bis 2011 bei den SBB. Danach wurde er in seiner Heimat Direktor der Freiburgischen Verkehrsbetriebe TPF. Noch unter Meyers Vorgänger Benedikt Weibel stieg er die Karriereleiter bei den SBB hoch und war Leiter der Fernverkehrssparte. Ducrot ist ausgebildeter Elektroingenieur und Vater von sechs Kindern.

Bei den TPF zeichnete sich Ducrot dahingehend aus, dass er Innovationen einführte. So etwa einen selbstfahrenden Bus. Aber auch eine neue Ticket-App.

Meyer verabschiedet sich mit 1.April-Scherz

In ein paar Minuten geht es los. Der ehemalige SBB-Chef Andreas Meyer konnte es nicht lassen, und verabschiedete sich mit einem Tweet. Dort liess er verlauten, dass er wegen der Coronakrise nun doch bis Ende Jahr bei den Bundesbahnen bleibe.
Das war natürlich nur ein Scherz zum 1. April.

Die Pressekonferenz startet um 10:30 Uhr. Wir werden live berichten.

Abgetretener Chef Meyer: «Aktuelle Situation ist ein Albtraum»

Mitten in der Corona-Krise hat SBB-Chef Andreas Meyer seinen letzten Arbeitstag. Die aktuelle Situation mit gesundheitlichen Bedrohungen, Unsicherheit und weitgehendem Lockdown auch im öffentlichen Verkehr sei ein «Albtraum», sagte Meyer im Interview mit dem «Blick».

Die SBB hätten Nachfragerückgänge von 80 bis 90 Prozent. «Selbst in Hauptverkehrszeiten trifft man in manchen Wagen nur eine oder zwei Personen an.»

Als Reaktion auf die Corona-Krise wurde das Angebot im öffentlichen Verkehr stark heruntergefahren. Ob es eine weitere Reduktion geben wird, ist laut Meyer noch unklar. «Wir werden die Situation genau beobachten und haben vorbehaltene Entscheide getroffen. Sollte ein weiterer Schritt nötig sein, müssten wir die Fernverkehrslinien weiter ausdünnen», sagte er.

Das Angebot sei derzeit um rund 25 Prozent reduziert. «Unter eine Schwelle von rund 50 Prozent können wir im Personen- und Güterverkehr nicht gehen. Weil viele Verbindungen nicht mehr funktionieren würden und die Landesversorgung damit nicht mehr sichergestellt werden könnte.»

Gemischte Bilanz

Einige Zeit in Anspruch nehmen werde die Wiederaufnahme von Streckenabschnitten, die wegen der Corona-Krise vorübergehend eingestellt wurden, gab Meyer im Interview mit der Westschweizer Tageszeitung «Le Temps» zu bedenken. Er hoffe aber, den Zeitplan einhalten zu können für die Eröffnung des Ceneri-Basistunnels und die Einführung der Bombardier-Doppelstockzüge noch dieses Jahr.

Zugute hält er sich die Steigerung des Reiseverkehrs, den Ausbau des Immobiliensektors und die Sanierung der SBB-Cargo-Pensionskasse. Verbesserungswürdig sei allerdings die Pünktlichkeit der Züge, gab Meyer zu. Die Probleme in diesem Bereich seien klar lokalisiert und deren Lösung auf gutem Weg.

Beginn des Live Tickers