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Nach Kursverlusten in USAWie eine einzige Wette die Tech-Börse in die Höhe treibt

Die japanische Softbank hat auf US-Technologieaktien im Umfang von 50 Milliarden Dollar gewettet. Das trieb die Titel an – bis sie am Freitag einbrachen. Droht jetzt eine dramatische Börsenkorrektur?

Die hochriskanten Deals seiner Firma liessen am Montag auch deren Aktien einbrechen: Masayoshi Son, Gründer, Grossaktionär und Chef von Softbank.
Die hochriskanten Deals seiner Firma liessen am Montag auch deren Aktien einbrechen: Masayoshi Son, Gründer, Grossaktionär und Chef von Softbank.
Foto: Issei Kato (Reuters)

Deutliche Kursverluste von US-Technologieaktien am Donnerstag und Freitag haben für Unruhe gesorgt. Die Aktien von Apple brachen an den beiden Tagen um fast 8 Prozent ein, der Technologie-Index Nasdaq 100 um 6,4 Prozent und der breite US-Aktienindex S&P500 um 4,3 Prozent. Die Verluste haben die Sorge befeuert, ob nach den enormen Kursgewinnen trotz Krise in letzter Zeit der Auftakt zu einer dramatischen Börsenkorrektur ansteht.

Wie angelsächsische Medien über das Wochenende enthüllt haben, ging der jüngste Anstieg der Technologie-Aktien weniger auf das Anlageverhalten des breiten Marktes zurück, sondern zu einem grossen Teil auf Investitionen der japanischen Beteiligungsgesellschaft Softbank. Das Unternehmen hat im grossen Stil auf Unternehmen wie Apple, Amazon, Microsoft oder Netflix gewettet. Zum einen hat sie Aktien dieser Unternehmen für insgesamt rund 4 Milliarden Dollar bereits im Frühling erworben. Zusätzlich hat sie später sogenannte Call-Optionen für weitere rund 4 Milliarden Dollar gekauft, die ebenfalls auf diese Aktien lauten.

Die für 4 Milliarden Dollar gekauften Call-Optionen berechtigen zum Kauf von Tech-Aktien im Gesamtwert von 30 bis 50 Milliarden.

Call-Optionen sind Finanzderivate, die eine im Verhältnis zum Aktienpreis geringe Prämie kosten und das Recht beinhalten, Aktien zu einem festgelegten Kurs bis zu einem bestimmten Zeitpunkt zu kaufen. Übersteigen die Kurse der Aktien diesen in der Option festgelegten Kurs und die dafür bezahlte Prämie, macht der Optionskäufer Gewinn. Wenn der Kurs aber tiefer bleibt, verfallen die Optionen nach ihrem Ablaufdatum wertlos.

Noch zahlt sich die Wette aus

Die von Softbank für 4 Milliarden Dollar gekauften Call-Optionen berechtigen gemäss unterschiedlichen Berichten zum Kauf von Tech-Aktien im Gesamtwert von 30 bis 50 Milliarden Dollar. Die Verkäufer dieser Optionen, in der Regel Investmentbanken, sichern sich unter anderem dadurch ab, indem sie selbst die Aktien der betreffenden Unternehmen erwerben. Das aber treibt deren Kurse erst Recht weiter in die Höhe. Mehr noch die Optionskäufe als die direkten Aktienkäufe haben deshalb zum massiven Anstieg der Technologietitel in jüngster Zeit geführt.

Nach den Enthüllungen kamen am Montag die Aktien von Softbank an der Börse von Tokio selbst massiv unter Druck. Sie verloren 7,2 Prozent, was einem Börsenwert von 9 Milliarden Dollar entspricht. Allerdings ist die Aktie der Beteiligungsgesellschaft im laufenden Jahr schon um 33 Prozent angestiegen. Ausserdem berichten Insider, die Wette auf die US-Technologietitel würde sich für Softbank trotz der Kurskorrektur im Tech-Bereich noch immer auszahlen, würde das Unternehmen die Optionen jetzt einlösen. Bei einem weiteren Kursverlust in den USA könnte sich dies aber ändern.

Die negative Börsenreaktion für die Softbank-Titel begründen Beobachter nicht nur mit dem Risiko, das die japanische Firma mit der Wette auf den US-Technologiesektor eingegangen ist. Bedeutung habe auch, dass ihre Aktionäre davon überrascht wurden, dass sich das Institut überhaupt auf einen Deal dieser Art eingelassen hat.

Entscheidend wird sein, wie die Entwicklung an den US-Börsen weitergeht. Wegen eines Feiertags (Labour-Day) blieben sie am Montag geschlossen. Gemessen am Nasdaq-100-Index sind die Technologie-Aktien selbst nach der Korrektur der letzten Woche im laufenden Jahr noch immer um mehr als 30 Prozent im Plus. Die meisten Kommentatoren zeigten sich daher bisher wenig besorgt. Sie sprachen vielmehr von einer gesunden Entwicklung nach der starken Wertzunahme der letzten Woche, die sich durch das Vorgehen von Softbank jetzt erklären lässt.

9 Kommentare
    Alain Surlemur

    Bei allem Respekt. Auch wenn Softbank mit den Optionen nicht nur zocken würde sondern sie tatsächlich auszuüben gedächte ( soviel Konjunktiv...) so wären die 40 Mia doch nur zwei durchschnittliche Tagesumsätze von AAPL an der Nasdaq.

    Nein, AAPL mag teuer sein aber das ist nicht das Ergebnis einer Pump-n-dump-Aktion _eines_ Akteurs sondern des kollektiven Wahnsinns der Marktakteure und des Wahnsinns der weltweiten Notenbanken.