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Wieso sind Menschen rassistisch?

In dieser Rubrik beantworten unsere Redaktorinnen und Redaktoren die am häufigsten gegoogelten Fragen.

Das Plakat mit den SVP-Schafen wurde von rechtsradikalen Gruppierungen wiederverwendet. Hier von Rechten in Chemnitz, Deutschland.
Das Plakat mit den SVP-Schafen wurde von rechtsradikalen Gruppierungen wiederverwendet. Hier von Rechten in Chemnitz, Deutschland.
Keystone

Dies vorweg: Wir alle haben eine Veranlagung zu Rassismus. Der Mensch neigt dazu, die Umwelt, einschliesslich anderer Menschen, zu kate­gorisieren. So können wir uns besser orientieren und mit anderen interagieren. Wir bilden Stereotypen: mentale Vereinfachungen.

Problematisch wird es, wenn wir diese mit Emotionen verbinden. Das passiert vor allem durch negative Attribute: Frauen sind dumm, Männer gewalttätig, Dunkelhäutige kriminell. Dann urteilen wir, ohne eine entsprechende Erfahrung mit «einer solchen» Person gemacht zu haben.

Die eine Definition für Rassismus gibt es nicht. Man kann rassistisch gegenüber anderen religiösen oder ethnischen Gruppen sein, oder gegenüber einer sogenannten «Rasse» mit anderer Herkunft oder anderer Hautfarbe.

Rassismus aufgrund der Hautfarbe wurde massgeblich geprägt von Wissenschaftlern im 18. Jahrhundert. Sie begannen, die damalige Welt in verschiedene Menschentypen und später explizit Rassen einzuteilen. Der schwarze Afrikaner etwa sei dumm und faul, der rothäutige Indianer cholerisch, der weisse Europäer schön, klug und anständig. Präziser: am schönsten, klügsten und anständigsten, weil er weiss ist. Die Rassentheorie wurde fortlaufend verbreitet und weiter untermauert mit pseudowissenschaftlichen Beweisen. Die mustergültigen Weissen versklavten, bekehrten, ermordeten, deportierten und vergasten jene, die sie als unterlegen betrachteten.

Bis heute kosten rassistische Ideologien Menschenleben. Und das ist nicht einfach unserer Veranlagung geschuldet. Wie diese gefüttert wird, ist menschengemacht.

Forscher konnten in Experimenten mit Säuglingen und Kleinkindern beweisen, dass wir unvoreingenommen geboren werden. Später kommt das Umfeld ins Spiel – Eltern, Freunde, Lehrerinnen, aber auch Filme, Bücher und soziale Medien. Sie alle können uns rassistisch prägen, vor allem als Kinder. Danach werden wir Bürgerinnen und Bürger von Systemen, deren Strukturen und Machtgefüge Rassismus schon institutionalisiert haben.

Weil Rassismus antrainiert ist, kann er auch wieder abtrainiert werden, etwa durch Bildung oder das Kennenlernen jener, die wir vorverurteilen. Natürlich gibt es Menschen, die man als dumm, gefährlich oder intelligent bezeichnen kann. Diese Eigenschaften sind aber in keiner bestimmten «Rasse» dominant. Und wenn, dann nur in einer, jener des Homo sapiens. Wir alle stammen aus Afrika, wir alle hatten einmal dieselbe Hautfarbe: schwarz.

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