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GastkommentarWir brauchen gezieltere Tests gegen die Pandemie

Corona-Untersuchungen können nicht unbegrenzt durchgeführt werden. Aber ein mathematisches Modell, das auf Patientendaten beruht, verbessert die Testwirkung.

Ohne gezieltere Tests ist der Pandemie kaum beizukommen: Ein medizinischer Mitarbeiter in einem Testcenter in Köln nimmt einen Rachenabstrich vor.
Ohne gezieltere Tests ist der Pandemie kaum beizukommen: Ein medizinischer Mitarbeiter in einem Testcenter in Köln nimmt einen Rachenabstrich vor.
Foto: Thilo Schmülgen (Reuters)

Testen, testen, testen: Das Mantra gilt als zentrale Strategie gegen die Corona-Pandemie, auch in der Schweiz. Aber Tests stossen schnell an Grenzen. Selbst wenn täglich 10'000 Tests vorgenommen werden könnten, würde es mehr als zwei Jahre dauern, bis die ganze Schweiz getestet wäre. Und die Resultate wären schnell obsolet, weil virus-negative Personen über Nacht infiziert werden können. Es braucht darum eine zweite, wissenschaftlich fundierte Verteidigungslinie zur Unterstützung der medizinischen Versorgung. Ein derzeit am Universitätsspital Zürich (USZ) entwickeltes Vorhersagemodell könnte wirksame Unterstützung bieten. Es beruht auf bereits vorhandenen Patientendaten.

Wir müssen gezielt gefährdete Personen finden und dann testen.

Um das exponentielle Wachstum neuer Fälle zu brechen, genügt es nicht, nur die infizierten Patienten zu erfassen. Ein Erfolg im Kampf gegen die Pandemie setzt voraus, dass alle Personen und lokale Häufungen mit hohen Ansteckungsrisiken schnell und zuverlässig identifiziert werden. Dazu müssen wir gezielt gefährdete Personen finden und dann testen, und zwar auch solche, die noch keine Symptome haben. Nur wenn dann die Infizierten isoliert und deren Kontakte zurückverfolgt, getestet und, falls erforderlich, ebenfalls isoliert werden, können wir die Weiterverbreitung des Virus stoppen.

Wichtige Daten sind bereits erfasst

Wir haben dafür eine gute Nachricht: Im Prinzip liegen heute schon ausreichend Daten vor, um zuverlässige, auf einzelne Personen und relevante Bevölkerungssegmente bezogene Vorhersagemodelle zu erstellen. Derzeit zählt man mehr als 24'000 infizierte Patienten in der Schweiz. Viele wurden im Swiss Personalized Health Network (SPHN) bereits in einer nationalen Datenbank erfasst. An diesem Netzwerk sind die wichtigsten Spitäler und universitären Forschungsinstitute beteiligt. Deren Forscher haben nun Zugang zu einer Auswahl an anonymisierten Patientendaten.

Diese Daten sollten nun schnellstmöglich einem grösseren Kreis von qualifizierten Forschern zur Verfügung gestellt werden. Für zuverlässige Modelle braucht man neben den medizinisch relevanten Kerndaten (Alter, Geschlecht, Gewicht, Körpergrösse, Blutdruck, Temperatur) auch feinkörnige Angaben zur Krankengeschichte und – so weit verfügbar – zur Soziodemografie der Patienten (Zivilstand, Beschäftigung und Wohnort). Selbstverständlich nimmt die Vorhersagequalität der Modelle mit der Verfügbarkeit hochwertiger Patientendaten zu. Derzeit dürfte aber schon ein Minimum ausreichen, um leistungsfähige Modelle zu bauen.

In kürzester Zeit, mit wenig Geld

Solche Modelle können in kürzester Zeit und mit wenig Geld entwickelt werden. Jeder Satz von neuen Patientendaten erlaubt eine Verfeinerung, die Rückschlüsse auf die gesamte Risikopopulation erlaubt. Das Ziel muss sein, die knappen Testressourcen effizient einzusetzen. Das begünstigt die Verminderung neuer Infektionen und entlastet die Intensivstationen. Richtig eingesetzt, werden die Modelle die Abgabe neuer Medikamente und Impfstoffe unterstützen.

Effizientes Testen könnte auch eine Rolle beim stufenweisen Hochfahren der Wirtschaft spielen. Vor der Öffnung von Betrieben ist sicherzustellen, dass die Ansteckungsrisiken bei zwischenmenschlichen Kontakten so gering wie möglich sind. Das wiederum setzt gezieltes Testen sowie gezielte Nachverfolgung voraus, eine Aufgabe, die mit statistischen Modellen wirksam und kostengünstig unterstützt werden kann.

Dass die Idee vom USZ im Schnellverfahren Unterstützung erhalten hat, stimmt uns hoffnungsfroh.

Vor diesem Hintergrund gilt es, die Verfügbarkeit von und den Zugang zu den derzeit erfassten Rohdaten der Spitäler im Rahmen der SPHN-Initiative so schnell und unbürokratisch wie möglich voranzutreiben. Ihr Ziel, lokale und regionale Informationssysteme zu harmonisieren und die Vergleichbarkeit von Daten über institutionelle Grenzen hinweg zu ermöglichen, ist entscheidend. Dass die Idee vom USZ im Schnellverfahren Unterstützung erhalten hat, stimmt uns hoffnungsvoll.

8 Kommentare
    Ulrich Brand

    Nochmals,es muessen alle getestet werden.Das sind keine diskriminierungen sondern

    notfaelle.Eine gemeinde mit allen daten ihrer Buerger,dieselben nach dem alphabeth zum TEST vorzuladen ist meiner meinung nach gut zu organisieren- guenstiger und einfach vollziehbar.Vignetten Gruen-negativ,Gelb-geheilt,Rot nicht noetig-in der Quarantine.Darauf koennen alle stolz sein,etwas fuehr die allgemeinheit getan zu haben.Das Auto hat auch eine(sollte),wenn nicht dann eine Busse.Die Fussballklups,die Firmen usw.Also dann mal los,denn wir werden dieses Virus nicht so schnell abschuetteln.Bei uns in HD haben wir Rentner im Laborat. 30% descuento.