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Südkanton nicht mehr am PrangerWirbel um Belgiens Corona-Warnung für das Tessin

Nach einer Intervention aus Bern hat Belgien das Tessin von einer Liste mit Ländern und Regionen gestrichen, für die gilt, dass Rückkehrer mit Quarantäne rechnen müssen.

Touristen aus Belgien können wieder im Tessin Ferien machen, ohne sich bei der Rückkehr auf Corona testen lassen zu müssen.
Touristen aus Belgien können wieder im Tessin Ferien machen, ohne sich bei der Rückkehr auf Corona testen lassen zu müssen.
Foto: Karl Mathis (Keystone)

Am Nachmittag warnte das belgische Aussenministerium auf seiner Website noch vor Reisen in das Tessin. Der Schweizer Kanton figurierte auf einer Liste in der orangen Kategorie der Länder und Regionen mit besonderen Empfehlungen: Ferienreisenden wird dort nahegelegt, nach der Rückkehr beim Hausarzt einen Corona-Test zu machen und je nach Ergebnis in Quarantäne zu gehen.

Am frühen Abend dann Entwarnung: Man habe die belgischen Behörden umgehend kontaktiert und mit Befriedigung deren Entscheid zur Kenntnis genommen, das Tessin wieder von der orangen Liste zu streichen, teilte die Pressestelle des Eidgenössischen Departements für auswärtige Angelegenheiten mit. Inzwischen ist der Südkanton nicht mehr am Pranger des belgischen Aussenministers, er ist von der Liste verschwunden. Im Tessin war die Aufregung davor gross gewesen. Erste Gäste aus Belgien hätten ihre Buchungen storniert, hiess es aus der Tourismusbranche im Tessin.

Missverständnisse

Das belgische Aussenministerium führt auf seiner Liste in der orangen Kategorie Länder beziehungsweise Regionen, in denen die Infektionsrate doppelt so hoch ist wie in Belgien, wo sie derzeit bei 10 erfassten Fällen pro 100’000 Einwohner liegt. Es scheint also nicht um Neuinfektionen zu gehen, sondern eher um den Durchseuchungsgrad beziehungsweise die Zahl der Fälle seit Ausbruch der Pandemie. Möglicherweise hat man in Belgien den Schweizer Südkanton noch vom Anfang der Krise her und wegen seiner Nachbarschaft zu Italien im Visier. Der Kanton Tessin meldete in den letzten Tagen jeweils zwischen null und neun neue Corona-Fälle. Seit Anfang Juni waren es insgesamt 75 neue Infektionen.

Das Tessin befand sich in der orangen Kategorie in der Gesellschaft von Regionen wie Oberösterreich, Teilen Südtirols, der portugiesischen Algarve oder Katalonien in Spanien. Wobei für Rückkehrer aus diesen Regionen Corona-Test und Quarantäne anders als zum Teil gemeldet keine Pflicht sind, sondern nur eine dringende Empfehlung. Nicht wie in einigen Regionen in Spanien, Portugal und Grossbritannien, wo Test und Selbstisolation obligatorisch sind.

Die Liste mit den Ampelfarben Grün für unbedenklich, Orange für Vorsicht und Rot für Gefahr gab zuletzt auch in Belgien zu reden. So fragten sich Beobachter, wie die Behörden die Einhaltung der Empfehlungen und Vorgaben überhaupt kontrollieren könnten. Im Fokus stand allerdings nicht das Tessin, sondern das benachbarte Luxemburg, wohin viele Belgier täglich als Grenzgänger zur Arbeit pendeln. Luxemburg figuriert ebenfalls in der orangen Kategorie. Das sei ungerecht, protestiert Premier Xavier Bettel. Das Grossherzogtum werde dafür bestraft, dass es gemäss den Empfehlungen der Weltgesundheitsbehörde dabei sei, die gesamte Bevölkerung zu testen. Wer viel teste, komme automatisch auf hohe Zahlen bei den Neuinfektionen.

Tessin verschärft Massnahmen

Im Tessin verschärfen die Behörden die Massnahmen im Kampf gegen die Ausbreitung des Coronavirus. Ab kommendem Montag gilt in Restaurants und Bars eine Maskenpflicht für all jene Mitarbeiter, die mit Kunden in Kontakt kommen. Bislang gibt es hier nur eine Empfehlung. Das Tessin verhängt zudem eine Maskenpflicht für Lehrer ausserhalb der Schulzimmer. Die Erfahrung habe gezeigt, dass Lehrpersonen eine Schlüsselrolle bei der Verbreitung des Coronavirus in Schulen zukomme. Im Schulzimmer bleibt das Maskentragen für Lehrkräfte hingegen fakultativ. Das Schutzkonzept für die Tessiner Schulen gilt für das kommende Schuljahr, das am 31. August beginnt.