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2012 wird das Jahr des Burnout

Ständige Einsatzbereitschaft, egal, wo man sich gerade befindet: Der moderne Job hat sich durch neue digitale Möglichkeiten und neue Arbeitsformen verändert.

Lucia Theiler/sda

Wenn Betriebsökonom Philipp Stuber morgens zur Arbeit geht, macht er drei Schritte bis zum Sofa, schaltet das Laptop ein und legt los. Obwohl, so richtig aufgehört mit Arbeiten hat er auch während der Nacht nicht. Dafür unterbricht er es mehrmals täglich.

Zwischendurch sich auf Facebook umsehen, dann einen Kaffee trinken gehen, sich von dort zu einer Telefonkonferenz einschalten und danach zu einer Sitzung eilen. Was Stuber tut, nennt sich im Jargon «Workstyle» und ist eine der zukünftigen Formen des Arbeitens. Ob beim Kunden, im Café, zu Hause oder sonst wo: Der Arbeitsplatz ist da, wo man gerade ist.

Noch ist das amerikanische Beratungsunternehmen, für das Stuber arbeitet, eines der wenigen, das auf solch moderne Arbeitsorganisation setzt. Doch 2012 werden es wohl einige mehr werden.

Moderne Leibeigene

Überall und immer erreichbar und verfügbar sein: Dieser Anspruch der Arbeitgeber verstärkt sich. «Im Wettbewerb um die besten Talente binden Unternehmen Mitarbeiter als ganze Personen, verlangen aber auch quasi ständige Einsatzbereitschaft. Wissensarbeiter werden so noch mehr zu modernen Leibeigenen», sagt Jens Meissner.

Meissner ist Professor für Organisation und Innovation sowie Leiter des Masterstudiengangs Risk Management an der Hochschule Luzern. Er untersucht die Auswirkungen der neuen Arbeitsformen und deren Risiken und ist Verwaltungsrat des Instituts für Wirtschaftsstudien Basel. Mit Wissensarbeiter bezeichnen Experten wie Meissner Arbeitskräfte, die für die Anwendung ihres Wissen bezahlt werden.

«My cloud ist my castle»

Die Grenzen zwischen Arbeit und Freizeit sind fliessend. Die nötigen Daten, die individuelle Informationswelt hat die moderne Arbeitskraft stets dabei, weil die Daten nicht mehr auf dem eigenen Computers, sondern in übers Internet zugänglichen Netzwerken (so genannten Clouds) speichert. «My cloud ist my castle», sagt Meissner.

Die Entwicklung wird begleitet von einem so genannten Laissez- Faire-Führungstil. Freiräume sind möglich und in der Verantwortung des einzelnen. Selbstmanagement-Kompetenz und Konzepte der Selbstführung sind darum zentrale Fähigkeiten der Zukunft.

Sich abgrenzen und abschalten können zählt zu den grössten Herausforderungen für Arbeitnehmer. «2012 wird deshalb das Jahr des Burnouts», sagt Meissner. Denn mit den neuen Freiheiten umgehen muss erst gelernt werden. Beratungsunternehmen in diesem Bereich haben darum Hochkonjunktur.

Menschen statt Jobs

Bei der Arbeitsform der Zukunft dominieren Projekte. Die Arbeitswelt ist derart komplex geworden, dass Chefs Verantwortungen an Teams delegieren müssen. Als Auswahlkriterien gelten nicht etwa «Job-Kategorien», sondern Aufgaben und Personen. «Mit den richtigen Leuten an spannenden Aufgaben zu arbeiten, geht vor.»

Netzwerke sind wichtig. Es geht nicht um Freundschaften, sondern darum, dass man Beziehungsqualität aufbaut, die einen miteinander arbeiten lässt. Dennoch: «Die Zusammenarbeit ist komplizierter denn je», so Meissner. «Mitarbeitern stehen heute über 200 Kommunikationsvarianten zur Verfügung.»

Meissner hat zusammen mit einem Mitautor als praktische Hilfestellung einen Ratgeber verfasst, der sich mit Stolpersteinen der elektronischen Kommunikation befasst.

Der neue «Social-ism»

Auch die Forscher des Gottlieb Duttweiler Institute GDI erkoren Beziehungen und alles, was man unter «Social» subsummieren kann, als den Zukunftstrend schlechthin.

War es früher das eher an Familienbeziehungen angelehnte und diskret behandelte «Vitamin B», das Tür und Tor öffnen konnte, sind es heute die Freundschaften. Sie sind transparent, ihr Wert wird durch Internetplattformen messbar.

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