«Einige Tausend Arbeitsplätze werden ins Ausland verlagert»

Starker Franken, das Ja zur MEI und Digitalisierung: Economiesuisse-Präsident Heinz Karrer macht sich «grosse Sorgen». Wer vom Stellenabbau besonders gefährdet ist.

Stellt der Schweizer Wirtschaft düstere Prognosen: Economiesuisse-Präsident Heinz Karrer. (2. Februar 2015)

Stellt der Schweizer Wirtschaft düstere Prognosen: Economiesuisse-Präsident Heinz Karrer. (2. Februar 2015) Bild: Peter Klaunzer/Keystone

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Heinz Karrer, Präsident des Unternehmensdachverbandes Economiesuisse, macht sich «grosse Sorgen» um die Schweizer Wirtschaft, wie er im Interview mit der SonntagsZeitung sagt. Schon im letzten Jahr seien Tausende Arbeitsplätze abgebaut und ins Ausland verlagert worden. «Ich befürchte, dass dieser Prozess erst am Anfang steht, denn 2016 können wir keinen grossen Aufschwung erwarten», sagt Karrer.

Nicht nur KMU, sondern auch grosse Konzerne würden inzwischen Stellen abbauen. «Sie lagern Funktionen in der Beschaffung, im Rechnungswesen oder in der Informatik aus, zum Beispiel nach Osteuropa, Grossbritannien oder Indien.» Karrer geht davon aus, dass die Unternehmen auch in diesem Jahr «einige Tausend Arbeitsplätze von der Schweiz ins Ausland verlagern werden.» 

Neben dem starken Franken würden auch andere Faktoren diesen Prozess beschleunigen – «die politische Unsicherheit in der Schweiz nach dem Ja zur Masseneinwanderungsinitiative oder die Digitalisierung der Wirtschaft, etwa durch den zunehmenden Einsatz von Robotern.»

Digitalisierung gefährdet Hunderttausende Stellen

Gemäss einer Untersuchung der Universität Oxford werden Büroangestellte überdurchschnittlich stark von der Digitalisierung betroffen sein. Die Studie beziffert die Wahrscheinlichkeit, dass sie wegautomatisiert werden, auf satte 96 Prozent, wie die «NZZ am Sonntag» berichtet. Nur Kassierer bei den Detailhändlern haben schlechtere Prognosen.

Die Schweiz zählt 284 000 kaufmännische Angestellte. Zudem gibt es 48 000 Buchhalter, deren Stellen gemäss der Studie ebenfalls stark gefährdet sind. Insgesamt könnten die Umwälzungen, die mit dem exponentiellen Wachstum der Computer-Rechenleistung auf den Arbeitsmarkt zukommen, Hunderttausende von Stellen kosten. Zwar werden andere Jobs entstehen. Doch ob sich für diese die gleiche Gruppe von Arbeitnehmern qualifiziert, ist unsicher.

Erik Brynjolfsson, Professor für Betriebsökonomie am Massachusetts Institute of Technology, befürchtet soziale Konflikte. Zu Sündenböcken würden nebst Migranten neu auch Roboter gemacht. Brynjolfsson rät zu einer Neuerfindung der Bildung. «Wir müssen den Menschen nicht nur Fakten beibringen, denn Maschinen lernen diese sehr gut auswendig», sagt der Wissenschafter gegenüber der «NZZ am Sonntag». Der Schwerpunkt solle vielmehr auf Kreativität und Sozialkompetenz gelegt werden. (chi)

Erstellt: 03.01.2016, 10:04 Uhr

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