Millionen-Entschädigung für Ex-Swissair-Manager

Corti, Bruggisser und weitere Manager standen an der Spitze, als die Schweizer Airline bald unterging: Nun hat das Zürcher Handelsgericht einen weiteren wichtigen Entscheid gefällt.

Niemand ist schuld an der Swissair-Pleite: Das abgeklebte Schweizer Kreuz auf einem 2002 fotografierten Swissair-Airbus.

Niemand ist schuld an der Swissair-Pleite: Das abgeklebte Schweizer Kreuz auf einem 2002 fotografierten Swissair-Airbus. Bild: RENE MEIER/Keystone

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Es ist die grösste Pleite der Schweizer Wirtschaftsgeschichte: Vor bald 17 Jahren groundete die Swissair. Noch immer beschäftigt das Drama um die nationale Airline die hiesigen Gerichte. Heute wurde ein Entscheid des Zürcher Handelsgerichts veröffentlicht, der das damalige Swissair-Management entlastet. Das Gericht weist eine Verantwortlichkeitsklage des Swissair-Co-Liquidators Niklaus Müller gegen 14 ehemalige Swissair-Manager ab. Müller machte einen Schaden von 280 Millionen Franken geltend.

Müllers Klage richtete sich unter anderem gegen Ex-Swissair-Chef Philippe Bruggisser, Ex-Swissair-Verwaltungsrat Eric Honegger oder Ex-Swissair-Chef Mario Corti. Bereits 2015 sprach das Bundesgericht die einstigen Swissair-Kader in einer ähnlichen Klage frei.


Video: Was wurde eigentlich aus den ehemaligen Swissair-Chefs?


Nun entschied das Zürcher Handelsgericht, dass die Beschuldigten keine Pflichtverletzung bei der Bewirtschaftung des Swissair-Vermögens begangen hätten. Nur bei Corti und der ehemaligen Swissair-Finanzchefin Jacqualyn Fouse könne die Frage nach einer Pflichtverletzung überhaupt gestellt werden, so das Handelsgericht in seinem Urteil. Doch spiele das keine Rolle, weil die Airline später ohnehin Pleite gegangen wäre.

Bis zu 700'000 Franken Entschädigung

Die ehemalige Swissair-Spitze erhielt zudem eine Parteientschädigung. Sie bekommen zwischen 100'000 und 700'000 Franken ausbezahlt. Insgesamt erhalten die 14 Beklagten rund 4,5 Millionen Franken ausbezahlt. Das Geld kommt aus der Nachlassmasse der Swissair. Swissair-Liquidator Müller kann den Entscheid vor das Bundesgericht weiterziehen.


Video: Eric Honegger über sein persönliches Grounding

Der frühere Präsident und CEO der Swissair sprach im Sommer 2014 mit dieser Zeitung im Rahmen der Serie «Das Leben nach der Schlagzeile».


Der Swissair-Liquidator warf den ehemaligen Airline-Managern vor, dass sie die Vermögen der Firma pflichtwidrig bewirtschaftet hätten. Die Konzerntochter Swissair stellte der Konzernmutter SAir-Group Darlehen zur Verfügung. Bei der Pleite konnte diese die Darlehen nicht mehr zurückzahlen. Den Managern wurde nun vorgeworfen, dass sie die Darlehen zu schlechten Konditionen gesprochen hätten. Das wäre der Fall gewesen, wenn die Konditionen auf dem freien Markt viel besser gewesen wären und wenn die Tochterfirma Swissair das Geld selbst besser eingesetzt hätte.

Die Frage stellt sich, weil die Bonität der SAir-Group seit dem 1. Januar 2001 infrage gestellt war. Die Konzerntochter Swissair schüttete aber auch danach noch Geld an die Muttergesellschaft aus – obwohl sie selbst angeschlagen war. Das Gericht erkennt darin aber kein Problem. Denn die Swissair hätte das Geld ohnehin für den Weiterbetrieb des Flugverkehrs aufwenden müssen. Dabei wäre es auch aufgebraucht worden. Die Beklagten können daher nicht dafür haftbar gemacht werden. Der Schaden wäre auch entstanden, wenn die Manager anders gehandelt hätten.


Bilder: Das Grounding der Swissair

(Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 06.04.2018, 12:00 Uhr

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