47 Luxusliner pusten mehr Dreck in die Luft als 260 Millionen Autos

Eine Studie vergleicht die Emissionen von Kreuzfahrtschiffen und dem europäischen Privatverkehr.

Umweltverschmutzer: Kreuzfahrtschiffe stossen enorme Mengen von Abgasen aus Foto: Alamy

Umweltverschmutzer: Kreuzfahrtschiffe stossen enorme Mengen von Abgasen aus Foto: Alamy

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Eine Geldbusse von 20 Millionen Dollar kassierte in der vergangenen Woche in Florida die Carnival Corporation. Ein Kreuzfahrtschiff der Carnival-Tochter, Princess Cruises, hatte unweit der Bahamas illegal Plastikteile ins Meer gekippt, Umweltdokumente gefälscht und schlampige Müllentsorgungsdokumente geführt.

Jetzt kommt es für den weltgrössten Anbieter von Kreuzfahrten noch dicker. In einer Studie des Brüsseler Thinktanks Transport & Environment wird Carnival als der grösste europä­ische Umweltsünder identifiziert. 203 Kreuzfahrtschiffe wurden untersucht, die 2017 diverse europäische Häfen angelaufen hatten.

Fazit: Insgesamt stiessen die Ozeanriesen in Europa rund 62 Kilotonnen Schwefeloxide aus. Hinzu kamen 155 Kilotonnen Stickoxide, 10 Kilotonnen Feinstaub und 10,2 Kilotonnen CO2.

Die 47 Luxusliner von Carnival samt Unternehmenstöchtern stiessen mit rund 30 Kilotonnen zehnmal mehr Schadstoffe aus als alle 260 Millionen europäischen Autos zusammengenommen.

MSC Cruises rangiert nach Carnival auf Platz 2

Unter den Top Ten der grössten Umweltverschmutzer finden sich fünf Carnival-Unternehmen: Costa Cruises, P&O, Aida, Princess Cruises und Cunard Line.

Auf Rang 2 landete die in Genf ansässige private Kreuzfahrtlinie MSC Cruises, die mit ihren Schiffen im genannten Zeitraum 10,2 Kilotonnen Schwefeloxide und 18,8 Kilotonnen Stickoxide erzeugten.

Julia Schütz von MSC erklärt, dass «50 Prozent der eigenen Schiffe bereits mit einem Abgasreinigungssystem (EGCS) ausgestattet sind». In allen Häfen Europas und sensiblen Regionen wie der Lagune in Venedig würden «schwefelarme Kraftstoffe» eingesetzt. Noch wichtiger sei aber, dass «bis Ende des Jahres 74 Prozent der Gästekapazitäten durch die EGCS-Technologie abgedeckt sein werden». EGCS ermöglicht das Herauswaschen von Abgasen und die Entfernung von Schwefeldioxid bis zu 97 Prozent.

Die täglichen Stopps sind ein Problem

Spanien, Italien, Griechenland, Frankreich und Norwegen sind gemäss Transport & Environment am stärksten von der Umweltbelastung betroffen, weil dort die attraktivsten Urlaubs­ziele liegen. Besonders gefährdet sind die Städte Barcelona, Palma de Mallorca und Venedig. In Barcelona lag die Schwefeloxidbelastung der 105 Schiffe um das Fünffache höher als die Emissionen der 558'000 in der Stadt registrierten Autos.

In Dänemarks Überwachungsgebieten für Schwefelemissionen emittierten die Ozeanriesen 18-mal mehr Schwefeloxide als die 2,5 Millionen im Land registrierten Autos. Bei Stickoxiden entsprach die Menge von 107 Kreuzfahrtschiffen noch etwa der Hälfte der dänischen Autoflotte.

In der Studie wurden aber nur reguläre Dieselautos und keine Schwerlastwagen gezählt. Unklar ist auch, ob nach dem Dieselskandal die manipulierten Verbrauchszahlen berücksichtigt wurden. Andererseits wurden keinerlei kommerzielle Schiffe wie Öltanker, Containerschiffe oder Frachter berücksichtigt – sie machen mehr als 90 Prozent der weltweiten Flotten aus. Im Kreuzfahrtsektor lassen sich allerdings «eher Verbesserungen umsetzen», sagt Niels Jungbluth von der Beratungsfirma ESU Services, «zudem kommen die Schiffe jeden Tag in den Hafen, deshalb sind diese Emissionen viel relevanter».

Landstrom-Vorrichtungen fehlen häufig

In der Branche tut sich einiges. Schweröl ist bisher der wichtigste Treibstoff, er soll aber durch schwefelärmeren, dafür teuren Marinediesel abgelöst werden. Neue Schiffe wie zum Beispiel die Aida Nova sollen durch alternative Ressourcen wie Flüssiggas angetrieben werden.

Ab 2020 gelten neue Richtlinien der International Maritime Organization: Es darf dann nur noch Treibstoff mit einem Schwefelgehalt von 0,5 Prozent verwendet werden. Anhaltendes Ärgernis ist die häufig fehlende Energieversorgung durch Landstrom, um die Umweltbelastung zu reduzieren. Der Branchenverband CLIA betont, dass heute schon 55 Schiffe über Landstrom-Vorrichtungen verfügen.

Doch Faig Abbasov von Transport & Environment erwartet trotz aller Bemühungen weiter hohe Umweltbelastungen durch Schwefeloxide: Es wird rund 30 Jahre brauchen, bis alle älteren Schiffe ersetzt sind.



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Erstellt: 16.06.2019, 17:23 Uhr

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