500 Millionen Franken Gewinn für AKW-Entsorgungsfonds

Nach einem guten Jahr sind die Fonds für die Entsorgung und die Stilllegung der radioaktiven Abfälle besser gefüllt als erwartet. Grund dafür sind unter anderem Anlagerenditen.

Die AKW-Betreiber legen Geld in einem Fond an, um die Ausserbetriebnahme und die Entsorgung zu finanzieren: Das Kernkraftwerk in Beznau (Archivbild).

Die AKW-Betreiber legen Geld in einem Fond an, um die Ausserbetriebnahme und die Entsorgung zu finanzieren: Das Kernkraftwerk in Beznau (Archivbild). Bild: Walter Bieri/Keystone

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Der Entsorgungs- und der Stilllegungsfonds der AKW-Betreiber ist nach einem guten Anlagejahr 2014 über dem Soll gefüllt. Insgesamt liegen rund 500 Millionen Franken mehr in den Kassen als gemäss Bundesvorgaben nötig wären. Der Grund dafür sind unter anderem Anlagerenditen von über 11,5 Prozent im vergangenen Jahr.

In den beiden Fonds befanden sich Ende 2014 insgesamt rund 6,1 Milliarden Franken, wie das Eidg. Departement für Umwelt, Verkehr, Energie und Kommunikation (Uvek) am Donnerstag mitteilte. Es publizierte zugleich die Jahresberichte der beiden Fonds.

Die Fonds werden von den AKW-Betreibern geäufnet, um nach der Ausserbetriebnahme von Kernkraftwerken die Entsorgung der radioaktiven Abfälle und Brennelemente und deren Stilllegung zu finanzieren.

Teurer Atomausstieg

Die voraussichtlichen Kosten für die Stilllegung der schweizerischen Atomkraftwerke, die Nachbetriebsphase und die Entsorgung der radioaktiven Abfälle betragen gemäss Berechnungen aus dem Jahr 2011 insgesamt 20,7 Milliarden Franken. Die Nachbetriebsphase, deren Kosten auf rund 1,7 Milliarden berechnet wurden, werden von den AKW-Betreibern selbst getragen und sind daher nicht Teil der Fonds.

Der Entsorgungsfonds, der die Kosten für die Entsorgung der Betriebsabfälle und der abgebrannten Brennelemente nach der Ausserbetriebnahme decken muss, sollte im Endeffekt rund 16 Milliarden Franken aufweisen. Bis Ende 2014 haben die Betreiber gemäss Jahresbericht rund 5,3 Milliarden Franken bereits direkt bezahlt. Etwa für Forschungsarbeiten, die Wiederaufarbeitung abgebrannter Brennelemente, die Erstellung des zentralen Zwischenlagers und die Beschaffung von Transport- und Lagerbehältern.

Gute Anlagerendite

Bis zur Ausserbetriebnahme der AKW müssen die Betreiber weitere rund 2,2 Milliarden Franken direkt bezahlen. Durch den Fonds müssen somit noch rund 8,4 Milliarden Franken mittels Jahresbeiträgen der Entsorgungspflichtigen und Vermögenserträgen erbracht werden.

Ende 2014 betrug das angesammelte Fondskapital 4,1 Milliarden Franken - knapp 600 Millionen mehr als im Vorjahr. Dank einer guten Anlagerendite von 11,5 Prozent weist der Fonds für das Jahr 2014 einen Gewinn von 418 Millionen Franken aus.

Die Kosten für die Stilllegungen und den Abbruch der fünf Schweizer AKW und des zentralen Zwischenlagers in Würenlingen werden auf knapp 3 Milliarden Franken veranschlagt. Ende 2014 betrug das angesammelte Fondskapital knapp 2 Milliarden. Auch dieser Fonds erzielte dank einer hohen Anlagerendite einen Gewinn von rund 198 Millionen Franken.

Sicherheitsmarge eingebaut

Ab diesem Jahr gelten strengere Regeln für die Fonds. Weil die Kostensteigerungen in den letzten rund 10 Jahren höher waren als angenommen und in der Vergangenheit auch die angestrebten Anlagerenditeziele nicht erreicht werden konnten, drohte in beiden Fonds eine Finanzierungslücke.

Neu werden der Kalkulation deshalb eine Anlagerendite von 3,5 Prozent und eine Teuerungsrate von 1,5 Prozent zugrunde gelegt. Zudem wird ein Sicherheitszuschlag von 30 Prozent auf die Stilllegungs- und Entsorgungskosten erhoben.

In der Folge wurden die Jahresbeiträge angepasst. Gegen diese neu festgelegten Jahresbeiträge haben die beitragspflichtigen Betreiber mit einer Ausnahme Beschwerde beim Bundesverwaltungsgericht erhoben, wie das Uvek weiter mitteilte. (nab/sda)

Erstellt: 03.09.2015, 14:35 Uhr

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