Alice Schwarzer schlägt zurück

Schwarzers Anwalt droht nach den Berichten über ihr Schweizer Konto mit rechtlichen Schritten. Die umstrittene Frauenrechtlerin – gern gesehener Gast im Fernsehen – wird selbst zum Talkshow-Thema.

Hatte seit den 1980er Jahren ein Schweizer Bankkonto: die Frauenrechtlerin Alice Schwarzer.

Hatte seit den 1980er Jahren ein Schweizer Bankkonto: die Frauenrechtlerin Alice Schwarzer. Bild: Keystone

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Alice Schwarzer geht nach ihrer Steuer-Beichte in die Offensive. Ihr Anwalt, der Medienrechtler Christian Schertz, hat nach der ungewollten Veröffentlichung des Themas juristische Konsequenzen angekündigt. Geprüft würden etwa strafrechtliche Schritte, weil das Steuergeheimnis verletzt worden sei. Schertz sah eine «unerträgliche Verletzung des Steuergeheimnisses und der Persönlichkeitsrechte von Alice Schwarzer», nachdem zuerst «Der Spiegel» über den Fall berichtet hatte.

Auch Schwarzer selbst hatte auf ihrer Internetseite «das Recht auf Privatsphäre und das Steuergeheimnis» angemahnt. Sie sprach von einem «Dammbruch für die Medien» und vermutet den Versuch einer bewussten Rufschädigung.

Heftige Attacken auf Twitter

Die Diskussion um Schwarzer in den sozialen Netzwerken läuft, etwa bei Twitter. In etlichen Meinungsbeiträgen wurde Schwarzer Doppelmoral vorgeworfen, nachdem sie zugegeben hatte, über viele Jahre ein Schweizer Konto vor den deutschen Steuerbehörden verheimlicht zu haben. Auch die Frage nach der Sinnhaftigkeit der straffreien Selbstanzeige von Steuersündern wurde wieder aufgeworfen.

Angesichts teils heftiger Twitter-Attacken auf Schwarzer wies der Grünen-Politiker Volker Beck auf deren Rechte hin. «Ich habe mit #AliceSchwarzer wegen mangelnder Fairness auch persönlich eine Rechnung offen. Aber manches geht zu weit!», twitterte er. Zuvor hatten sich etwa der stellvertretende SPD-Chef Ralf Stegner oder die Grünen-Fraktionsvorsitzende Katrin Göring-Eckardt mit kritischen Beiträgen zu Wort gemeldet.

«Was, die auch?»

Schwarzer hatte sich am Sonntag dazu bekannt, seit den 80er Jahren ein Schweizer Konto gehabt und es erst im vergangenen Jahr beim Finanzamt angezeigt zu haben. Für die vergangenen zehn Jahre habe sie insgesamt etwa 200'000 Euro an Steuern nachgezahlt - plus Säumniszinsen.

Schwarzer, die in den vergangenen Monaten mit ihrer Anti-Prostitutionskampagne oft im Fernsehen zu Gast war, wird jetzt selbst zum Talkshow-Thema. So lautet der Titel der ARD-Sendung «Hart aber fair» am Montagabend: «Was, die auch - kein Recht auf Steuergeheimnis für Alice Schwarzer?» (ldc/sda)

Erstellt: 03.02.2014, 10:16 Uhr

Artikel zum Thema

«Das Konto war ein Fehler»

Die Frauenrechtlerin Alice Schwarzer hat über viele Jahre ein Schweizer Konto vor den deutschen Steuerbehörden verheimlicht. Auf ihrer Website äusserte sie sich nun zu den Enthüllungen. Mehr...

Fall Hoeness: Es geht offenbar um viel mehr

Am 10. März muss sich FC-Bayern-Präsident Uli Hoeness erstmals vor dem Landgericht München wegen Steuerhinterziehung verantworten. Offenbar geht es nicht nur um einen Fall. Mehr...

Im Bett mit Alice Schwarzer

Analyse Alice Schwarzers Argumente für ein Prostitutionsverbot fussen fast durchweg auf falschen Annahmen. Und ihr moralischer Rigorismus schadet der Gleichstellung. Mehr...

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Weiterbildung

Banken umwerben Frauen

Weltweit steigt das Privatvermögen von Frauen. Banken zeigen, wie dieses gewinnbringend anzulegen ist.

Kommentare

Weiterbildung

Lohncheck in Pflegeberufen

Qualifiziertes Pflegepersonal ist rar. Eine Pflegeinitiative setzt sich darum für höhere Löhne ein.

Die Welt in Bildern

Ungewisse Zukunft: Ein Indischer Fischer wartet in einem Gefängnis in Karachi, Pakistan auf seine Bestrafung. Er wurde gemeinsam mit elf weiteren Männern von der Marine aufgegriffen, als sie versehentlich in pakistanischem Hoheitsgebiet unterwegs waren. Indien und Pakistan nehmen regelmässig Fischer des jeweils anderen Landes fest, da die Territorien im Meer nicht klar abgegrenzt sind. (18. November 2018)
(Bild: SHAHZAIB AKBER) Mehr...