Andreas Meyer verzichtet auf heikles Mandat

Der SBB-Chef stand für einen Posten bei Partnerfirma im Gespräch.

Noch-SBB-Chef Andreas Meyer. Foto: Keystone

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Wie viel Zeit muss verstreichen, wenn Politiker nach ihrer aktiven Karriere in die Wirtschaft wechseln wollen? Diese Frage wird im Zug der Nomination von Doris Leuthard für den Verwaltungsrat von Stadler Rail wieder diskutiert. Doch es gibt auch Fälle in der Wirtschaft, bei denen sich ähnliche Fragen stellen. Vor allem, wenn dabei Konzerne der öffentlichen Hand eine Rolle spielen. Ein Beispiel liefert SBB-Chef Andreas Meyer.

An einer gemeinsamen Medienkonferenz von SBB und dem Luzerner Start-up Axon Vibe sickerte durch, dass Meyer bei der Firma in den Verwaltungsrat einziehen soll. Axon Vibe ist mit den SBB eine Partnerschaft eingegangen. Die Bundesbahnen beteiligen sich mit fünf Prozent am Unternehmen. Eine Woche nach dem Anlass verkündete Meyer seinen Rücktritt auf 2020. Deshalb stellt sich folgende Frage: Sollte Meyer von Amtes wegen die SBB bei Axon Vibe vertreten?

Axon Vibe wusste nichts von Meyers Rücktrittsplänen

Bei den SBB heisst es auf Anfrage, dass Meyer als Privatperson handelte. Damit erhalten die Vorgänge einen Beigeschmack: Meyer war, anders als man vermuten könnte, nicht in seiner SBB-Funktion als Verwaltungsrat vorgesehen, sondern als Privatmann. Gespräche über seine Zukunft hatte er allerdings als SBB-Chef geführt, und das ausgerechnet mit einer Partnerfirma der Bundesbahnen.

Die operative Führung von Axon Vibe wusste nicht, dass ­Meyer nicht mehr lange Chef der Bundesbahnen sein wird. «Die Situation hat sich seit der Rücktrittsankündigung von Herrn Meyer verändert. Die Idee war, dass Andreas Meyer als Bindeglied zu den SBB fungiert», sagt Axon-Vibe-Chef Roman Oberli. Axon Vibe wolle deshalb die Situation noch einmal vertieft prüfen. Im Zug der Recherche der SonntagsZeitung wollte sich der Bund als Eigner der SBB über die Umstände rund um das Mandat informieren lassen.

Konfrontiert mit der Recherche, macht Meyer einen Rückzieher: Offensichtlich werde der Anschein erweckt, er würde seine heutige Funktion mit künftigen Tätigkeiten vermischen, sagt Meyer. Dies treffe nicht zu. Er habe bisher mit Axon Vibe nur unverbindliche Gespräche geführt. «Um jegliche Zweifel auszuräumen, habe ich Axon Vibe diese Woche mitgeteilt, dass ich auf ein Mandat verzichten werde», sagt Meyer.



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Erstellt: 23.11.2019, 19:03 Uhr

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