Banken in Zürich verloren fast 5000 Stellen

Die Wertschöpfung des Finanzsektors im Kanton hat sich noch nicht von der Finanzkrise erholt. Eine neue Studie zeigt, wie es mit den Jobs weitergeht.

Umstrukturierungen schlugen bei Grossbanken aufs Wachstum: UBS-Sitz am Paradeplatz.

Umstrukturierungen schlugen bei Grossbanken aufs Wachstum: UBS-Sitz am Paradeplatz. Bild: Keystone

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Der Finanzplatz ist nach wie vor das wirtschaftliche Rückgrat der Region Zürich: 2017 generierten Banken, Versicherer und andere Dienstleister wie Fondsanbieter eine Bruttowertschöpfung von 27,3 Milliarden Franken; das sind 17 Prozent der gesamten Wertschöpfung der Region bestehend aus den Kantonen Zürich, Schwyz und Zug. Jeder zehnte Beschäftigte hier arbeitet im Finanzsektor. Doch ein starker Wachstumsmotor ist die Finanzbranche nicht. Das zeigt der jüngste Finanzplatzmonitor, den das Amt für Wirtschaft und Arbeit des Kantons Zürich gemeinsam mit den Experten von BAK Economics erarbeitet hat.

Blickt man allein auf den Kanton Zürich, so hat der Finanzsektor noch nicht wieder das Niveau von der Zeit vor der Krise erreicht. 2007 lag die Wertschöpfung des Sektors im Kanton Zürich bei 30,7 Milliarden Franken. Zuletzt waren es 25,8 Milliarden Franken. «Dieser Rückgang um nahezu 5 Milliarden Franken ist hauptsächlich auf den Bankensektor zurückzuführen, insbesondere auf die Grossbanken», heisst es in der Studie. Das Wirtschaftswachstum im Kanton wurde in den vergangenen Jahren vor allem von Branchen wie der Informations- und Kommunikationstechnologie sowie vom öffentlichen Dienst wie dem Gesundheitswesen getrieben.

Für die Zukunft des Zürcher Bankensektors sind die Prognosen mässig optimistisch. Eine Ausnahme bildet das Jahr 2018, für dieses geht die Studie von einem Wachstum der Wertschöpfung bei den Banken von 5,4 Prozent für die Region Zürich aus. «Aber das ist auf einen Sondereffekt zurückzuführen», so die Autoren.

Sondereffekt treibt Wachstum

So hätten die Grossbanken UBS und Credit Suisse in den vergangenen Jahren ihre Strukturen an die neue Regulierung angepasst und zum Beispiel eigenständige Einheiten für die Schweiz geschaffen, die sich im Krisenfall verselbstständigen lassen können. Die teuren Vorbereitungsarbeiten lasteten bis 2017 auf der Bruttowertschöpfung, sind aber jetzt abgeschlossen. Daher gebe es für 2018 einen statistischen Gegeneffekt, sodass die Studie von einem Wachstum der Wertschöpfung im Bankensektor von 5,4 Prozent für die Region Zürich für 2018 ausgeht.

Für 2019 dürfte das Wachstum mit 0,4 Prozent im Zürcher Bankensektor tiefer als im Schnitt der Schweiz (plus 1,2 Prozent) ausfallen. Grund dafür ist die geplante Stellenverlagerung der UBS, die 600 Arbeitsplätze aus dem Raum Zürich nach Biel in ein Service Center verlagern will. Die ersten Mitarbeiter werden im April einziehen und dieser Prozess wird über Jahre dauern. Dynamischer mit Wachstumsraten oberhalb von 2 Prozent in den Jahren 2019 und 2020 zeigen sich die Versicherer und die sonstigen Finanzdienstleister, wie zum Beispiel Fondsgesellschaften.

Abbau bei Banken, Aufbau bei Versicherern

Ein ähnliches Bild gibt es bei den Arbeitsplätzen. So bauten allein im Kanton Zürich die beiden Grossbanken zwischen 2008 und 2016 rund 2400 Vollzeitstellen ab. Auch die Auslandsbanken kürzten 2300 Stellen. Doch Jobaufbau bei Versicherungen und bei Fondsgesellschaften konnte dies mehr als ausgleichen, sodass unter dem Strich ein Jobplus von 3200 Vollzeitstellen im Kanton zu verzeichnen war.

2019 und 2020 dürfte der Jobabbau bei den Banken fast beendet sein, der Jobaufbau bei den Versicherern kommt dagegen zum Erliegen, heisst es in der Studie. Mit einem Plus bei den Arbeitsplätzen von 2,8 Prozent im Jahr 2019 und 1,7 Prozent im Jahr 2020 bleiben die übrigen Finanzdienstleister der dynamischste Teil der Branche. Doch sollte es zu einem Börsencrash kommen, droht dies das Fondssegment zu bremsen.

Fintech-Patente kommen nicht von Banken

Die Studie wirft auch einen Blick auf die Innovationsfähigkeit des Finanzplatzes Zürich. Dazu werden Patente analysiert. Hierbei wird aber nicht einfach die Zahl der angemeldeten Patente summiert, sondern die Patente werden nach ihrer Werthaltigkeit bewertet. Ein Indikator dafür ist zum Beispiel, ob ein Patentinhaber seine Erfindung weltweit schützen lässt, was entsprechend teuer ist.

So gerechnet, kommt der Finanzplatz laut Studie auf 94 aktive Patente im Bereich Fintech. 51 davon zählen zur Kategorie «Payment Architecture». Im Bereich «Wealth Management» gibt es nur acht aktive Patente.

Patentinhaber sind aber nicht bekannte Banken, sondern die Tech-Riesen IBM, Google sowie das Schweizer Sicherheitssystem-Unternehmen Dormakaba. Im Bereich Insuratech ist die Swiss Re ganz weit vorne.

UBS und Credit Suisse haben je nur ein Wealth-Management-Patent angemeldet, das in Zürich entwickelt wurde. «Eine Erklärung hierfür ist, dass der Grossteil der Fintech-Patente der UBS und Credit Suisse in den USA entwickelt worden ist», heisst es in der Studie. «Dennoch ist die Gesamtzahl der Fintech-Patente der beiden Schweizer Grossbanken insgesamt noch recht gering.»

(Redaktion Tamedia)

Erstellt: 18.01.2019, 09:02 Uhr

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