Hintergrund

Blackbox für alle Autofahrer

In den USA sollen ab 2014 alle Neuwagen serienmässig eine Blackbox bekommen. Verkehrsexperten halten auch in der Schweiz die Einführung von Unfallrecordern für sinnvoll.

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Die Nationale Behörde für Autobahnsicherheit (National Highway Traffic Safety) macht in den USA Druck. Ab dem Jahr 2014 sollen alle Neuwagen serienmässig mit einer Blackbox ausgestattet werden. Auch in der EU ist die Diskussion um den Unfallschreiber für alle entbrannt. Für notorische Raser wird der Einbau eines Aufzeichnungsgeräts in der Schweiz ab 2015 obligatorisch. Eine Blackbox für alle Autofahrer vorzuschreiben, halten Verkehrspolizisten, Versicherer und Präventionsexperten für sinnvoll. Allerdings bleiben noch einige Fragen zu klären.

Gratis Blackbox von der Axa

Gute Erfahrungen mit ihrem Crash-Recorder genannten Unfallschreiber hat die Versicherung Axa Winterthur gemacht. Seit 2008 bietet sie ihren Kunden einen kostenlosen Crash-Recorder an. Unter 25-Jährige, die den Recorder in ihrem Auto einbauen lassen, erhalten einen Prämienrabatt von 15 Prozent. Im Vergleich zu Gleichaltrigen, die ohne Recorder unterwegs sind, verursachen die Junglenker mit dem Crash-Recorder 13 Prozent weniger Schadenaufwand. Dies kann allerdings auch darauf zurückzuführen sein, dass vor allem vorsichtige Lenker gerne vom Angebot der Axa Winterthur Gebrauch machen.

«Mithilfe des Unfallschreibers können Unfallhergänge sehr viel genauer rekonstruiert werden als mit herkömmlichen Methoden», erklärt Thomas Eichholzer, stellvertretender Leiter Unfallforschung und Prävention bei der Axa Winterthur. Der Crash-Recorder zeichne zwar permanent Daten auf, lösche sie aber auch laufend wieder. Lediglich bei einer abrupten Veränderung des Beschleunigungszustands wie bei einem Aufprall speichert das Kästchen die 30 entscheidenden Sekunden.

Schnelle Aufklärung von Unfällen

Nach Angaben der Axa Winterthur fördert der Einsatz der Blackbox eine vorsichtigere Fahrweise. Mithilfe der Daten könne aber auch schneller und akkurater geklärt werden, wer einen Unfall verursacht habe. Diesen Aspekt findet auch Valesca Zaugg von Roadcross Schweiz sehr wichtig. «Zurzeit dauert die Klärung von Haftpflichtfragen oft noch viel zu lange. Das ist vor allem für die Opfer von Unfällen sehr belastend», sagt Zaugg. Roadcross Schweiz befürworte deswegen den generellen Einbau von Blackboxes. «Allerdings müsste der Zugang zu den Daten klar geregelt werden», so Zaugg. Wichtig sei, dass nicht nur die Versicherungen, sondern auch eine neutrale Instanz wie die Polizei die Daten auswerten dürfe. Zurzeit sei für eine Auswertung die Zustimmung des Versicherungsnehmers erforderlich. Die Polizei erhält nur nach einem längeren Prozedere Zugang zum Inhalt des Unfallschreibers. «Wir haben derzeit auch nicht die technischen Mittel für eine Auswertung», sagt Frank Rüfenacht, Fachbereichsleiter Verkehr beim Kanton Bern.

Obligatorische Blackbox für Raser

Grundsätzlich begrüsse die Verkehrspolizei Blackboxes als zusätzliche Möglichkeit, Unfallhergänge zu klären und Beteiligte zu entlasten. «In Bezug auf die Verkehrssicherheit sind wir aber mit dem Programm Via sicura sehr gut unterwegs», so Rüfenacht. Im neuen Strassenverkehrsgesetz ist vorgesehen, dass verurteilte Raser ab 2015 ihren Führerschein nur zurückbekommen, wenn sie sich zum Einbau einer Blackbox bereit erklären.

Nach Auskunft des Bundesamts für Strassen (Astra) kann das Fahrverhalten der verurteilten Raser durch die Blackbox dauerhaft verfolgt werden. «Wenn einer mit 100 Kilometer pro Stunde durch ein Dorf fährt, wird er seinen Führerschein sehr schnell wieder los», so der Sprecher des Astra, Guido Bielmann.

Erstellt: 14.12.2012, 11:42 Uhr

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