Chaos bei internationalen Bahntarifen

Für 25 Euro nach Paris – mit diesem Schnäppchenpreis wirbt die französische Bahngesellschaft SNCF aktuell. Doch für diesen Betrag kommt man dort nur sehr selten an. Was Sie über Zug-Tickets wissen müssen.

Spartarif längst ausgebucht: Ein TGV Lyria des Gemeinschaftsunternehmens von SBB und SNCF.

Spartarif längst ausgebucht: Ein TGV Lyria des Gemeinschaftsunternehmens von SBB und SNCF. Bild: Keystone

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Der Tarifdschungel auf Zugreisen ins Ausland steht jenem bei den Airlines in nichts nach. Entscheidend ist nicht nur, wann das Ticket gebucht wird. Das Billett nach Paris wird von SNCF in diesen Tagen mit einem Preis von 25 Euro beworben. Im Kleingedruckten heisst es: «Angebot unterliegt Bedingungen».

Tatsächlich sind die Kontingente mit Plätzen zu diesen Tiefstpreisen für den gesamten Dezember längst ausgebucht. Reisende, die von den tiefen Tarifen profitieren wollen, müssen in den Januar ausweichen.

Wer in diesen Tagen nach Paris reisen will, zahlt ein Mehrfaches. Aktuell kostet eine Bahnreise für das nächste Wochenende über viermal mehr. Wobei die Preise auch kurzfristig noch schwanken können.

Beim Fliegen ist es bekannt. Auf die Preise ist kein Verlass. Sie können stündlich ändern. Dass dieselbe Mechanik auch im internationalen Bahnverkehr gilt, merken die Kunden spätestens, wenn sie beim Buchen die verschiedenen Angebote vergleichen. Dynamic Pricing und Yield Management sind die Fachbegriffe für diese Art der Umsatzoptimierung der Bahngesellschaften.

Höhere Tarife für mehr Freiheit

Auf den TGV-Strecken, die vom Gemeinschaftsunternehmen der SBB und SNCF mit Namen Lyria betrieben läuft bereits die fünfte Preisoffensive in diesem Jahr. «Mit solchen Aktionen versucht TGV Lyria die Nachfrage in buchungsschwachen Zeiten zu verbessern», sagt SBB-Sprecher Ginsig.

Grundsätzlich gibt es für dieselbe Verbindung auf exakt demselben Zug und in derselben Klasse verschiedene Preise in Abhängigkeit der weiteren Buchungskonditionen. Wer etwa das Ticket bis zur Abreise umtauschen oder den Fahrpreis rückerstatten können will, zahlt mehr. Neben dem höheren Ticketpreis kommt im Fall einer Umbuchung oder Rückerstattung auch noch eine Bearbeitungsgebühr von 25 Franken dazu.

Wer auf diese gebührenpflichtige Flexibilität verzichtet, zahlt weniger. Ein weiterer Faktor ist, wann genau die Fahrt erfolgt. Randzeiten mit später Ankunft am Zielort sind in der Regel günstiger. Und wie von den Airlines gewohnt, kann sich der Tarif je nach bisherigem Buchungsstand ändern.

Doch diese Tarifunterschiede sind nicht die einzigen Variablen im internationalen Bahnverkehr. Entscheidend kann auch sein, über welche Plattform die Reise gebucht wird.

Harmonie nur mit Deutschland

Wer etwa eine Reise von Zürich nach Rom bucht, fährt dank speziellen Spartarifen bei Trenitalia massiv günstiger. Etwa am Wochenende vom 19. bis 21. Dezember sind Tickets für umgerechnet 250 Franken erhältlich, während dieselbe Reise auf dem Portal der SBB mit 308 Franken angegeben wird.

Woher rühren die Differenzen? Die Tickets für internationale Strecken werden über eine Plattform gebucht, die allen europäischen Bahnen zur Verfügung steht. Bietet ein nationales Bahnunternehmen jedoch spezielle Spartarife an, bleiben diese häufig nicht berücksichtigt.

Aus Schweizer Optik ist Deutschland hier eine Ausnahme, wie die SBB auf Anfrage bestätigen: «Die nationalen Tarife mit Deutschland sind komplett harmonisiert», sagt Sprecher Christian Ginsig. Natürlich seien die SBB daran interessiert, dass die SBB-Kunden die internationalen Tarife zu möglichst fairen Bedingungen buchen können. «Eine vergleichbare Zusammenarbeit mit den Bahngesellschaften in anderen Ländern gibt es bis jetzt aber nur für internationale Tarife», sagt Ginsig.

Erstellt: 10.11.2014, 16:19 Uhr

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