Chevron «gewinnt» den letzten Public Eye Award

Der Erdölkonzern Chevron hat in Davos den Schmähpreis für verantwortungsloses Unternehmertum erhalten. Zur Auswahl standen auch andere bekannte Riesenkonzerne.

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Chevron hat in Davos den Schmähpreis «Public Eye Lifetime Award» für verantwortungsloses Unternehmertum verliehen bekommen. In einer Online-Abstimmung erhielt der US-amerikanische Erdölkonzern mehr als die Hälfte der Stimmen.

Zehn solche Schmähpreise hat das Public Eye in den letzten Jahren in Davos vergeben. Bei der elften und letzten Preisverleihung standen auch die Unternehmen Dow Chemical, Gazprom, Glencore, Goldman Sachs und Walmart zur Wahl, alles frühere Gewinner des Public Eye Award. Der Ölgigant sei aber von der Internet-Gemeinde klar gewählt worden wegen seiner Weigerung, Verantwortung in einer der schlimmsten Umweltkatastrophen zu übernehmen.

In der Kritik steht Chevron wegen der Umweltzerstörung, die das Unternehmen bei der Förderung von Erdöl im Regenwald im Norden von Ecuador angerichtet hat. Chevron weigere sich noch immer, die 9,5 Milliarden Dollar zu zahlen, zu welchen es verurteilt worden war, sagte Paul Paz von der Organisation Amazon Watch in Davos. Das Geld ist für die Behebung von Umweltschäden und für die Revitalisierung zerstörter Gebiete vorgesehen.

Seit zwanzig Jahren wende das Unternehmen alle möglichen Tricks an, um den Gang des Verfahrens zu verzögern. Das Leiden von 30'000 Personen werde dadurch verlängert. Amazon Watch will den Schmähpreis am Sitz des Unternehmens in Kalifornien übergeben.

An der Preisverleihung, die gleichzeitig Abschiedszeremonie war, trug die Netzkunst- und Kommunikationsguerilla-Gruppe The Yes Men ihr «Requiem für das WEF» vor. Die Botschaft der Aktion: Öffentlich-private Partnerschaften sind keine Lösung, sondern ein Teil des Problems.

Das Public Eye on Davos ist 2000 von der Erklärung von Bern (EvB) und internationalen Partnerorganisationen wie Friends of the Earth (FoE) lanciert worden. Ziel war es, mit einem alternativen Forum eine «Gegenöffentlichkeit» zum elitären WEF-Zirkel zu schaffen und dessen fehlende demokratische Legitimation anzuprangern. Gleichzeitig diente die Veranstaltung als Protestplattform für alle, die nichts mit den Strassenschlachten jener Zeit zu tun haben wollten.

2005 wurde die Konferenz durch das «Naming and Shaming«-Konzept mit dem Public Eye Award ersetzt. Damit rückte das Thema Unternehmensverantwortung ins Zentrum der Diskussion, was den Kernanliegen der Trägerorganisationen EvB und Greenpeace ohnehin besser entsprach.

Beide gehören zur 2011 lancierten NGO-Koalition «Recht ohne Grenzen». Diese fordert, dass Schweizer Unternehmen in der Schweiz für im Ausland begangene Menschenrechtsverletzungen oder Umweltverstösse zur Rechenschaft gezogen werden können.

Da sich inzwischen Bundesrat und Parlament dem Thema angenommen haben und zudem eine Volksinitiative lanciert werden soll, erübrigt sich für die Organisationen die Präsenz in Davos. «Unsere Argumente sind auf der nationalen politischen Agenda angekommen», sagte EvB-Sprecher Oliver Classen der sda. (rsz/sda)

Erstellt: 23.01.2015, 15:30 Uhr

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