China mischt sich in den Kampf ums Olivenöl ein

Bis jetzt bekriegten sich vor allem Italien und Spanien um die Vorherrschaft beim Olivenöl. Nun zeigt auch der chinesische Lebensmittelkonzern Bright Food Appetit. Das hat Konsequenzen bei Coop.

Der Olivenöl-Markt wird von Italien und Spanien dominiert: Olivenölflaschen in einem Delikatessgeschäft in Rom.

Der Olivenöl-Markt wird von Italien und Spanien dominiert: Olivenölflaschen in einem Delikatessgeschäft in Rom. Bild: Reuters

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Der chinesische Staatskonzerns Bright Food will sich die Mehrheit am italienischen Olivenölkonzern Salov Group sichern. Bekannte Marken dieses Unternehmens sind Filippo Berio und Sagra. Damit vergrössert sich die Macht des Lebensmittelgiganten in Europa weiter.

Öle der Marke Filippo Berio sind in der Schweiz bei Coop erhältlich. Dort beobachtet man die Entwicklung gespannt: «Ob Anpassungen der bereits bestehenden Qualitätsicherungs-Massnahmen notwendig sind, wird im Rahmen einer Risikoanalyse geprüft», sagt Coop-Sprecher Roman Gander auf Anfrage. Pläne, die Öle der Berio-Marke durch Produkte anderer Hersteller zu ersetzen, gebe es jedoch derzeit nicht.

Riesiger Übernahmehunger

Bright Food wurde erst 2006 gegründet und ist nach Cofco der zweitgrösste Lebensmittelhersteller in China. Und fiel bereits in der Vergangenheit durch seine Expansionsgelüste auf. Etwa mit der Übernahme der Mehrheit an Weetabix, einem traditionsreichen britischen Hersteller von Frühstücksflocken. Oder am französischen Weingrosshändler Diva Bordeaux.

Pläne, sich an der britischen United Biscuits zu beteiligen, wurden 2010 verworfen. Anfang Jahr war ein Team von Bright-Food-Managern auf Europatournee, um neue Übernahmeobjekte aufzuspüren. Offensichtlich ist man fündig geworden. Gleichzeitig ist das Unternehmen dabei, sich den israelischen Molkereikonzern Tnuva einzuverleiben.

USA als grösster Absatzmarkt

Das chinesische Staatsunternehmen betritt damit ein heiss umkämpftes Terrain. Spanien dominiert die weltweite Olivenölproduktion mit Abstand. Über die letzten sieben Jahr lag das Volumen im Schnitt bei über 1 Million Tonnen, gemäss dem International Olive Oil Council. Italien kam im selben Zeitraum auf rund 466'000 Tonnen, Griechenland an dritter Stelle auf 318'000 Tonnen.

Das viertgrösste Produktionsland ist Portugal mit 58'000 Tonnen. Ausserhalb von Europa sind Marokko, Syrien und Tunesien bedeutende Produktionsländer.

Beim Export liefern sich Italien und Spanien bereits seit Jahren ein Kopf-an-Kopf-Rennen. Das grösste Importland von Olivenöl sind die USA, mit aktuell 290'000 Tonnen. Zum Vergleich: In der Schweiz werden pro Jahr rund 14'000 Tonnen Olivenöl importiert und konsumiert. Produziert wird eine verschwindend kleine Menge im Tessin, zwischen Castagnola und Gandria.

Kulturkampf zwischen Italien und Spanien

Das derzeit bedeutendste Unternehmen im Olivenölgeschäft ist der spanische Konzern DeOleo, zu dem unter anderem die Marken Bertolli, Carbonell oder Sasso gehören. Rund jeder fünfte verkaufte Liter stammt aus diesem Unternehmen.

Im Frühjahr fand ein Seilziehen um die Besitzverhältnisse von DeOleo statt. Schliesslich beteiligte sich die Finanzgesellschaft CVC Capital Partners (zu der auch der Telecomanbieter Sunrise gehört) mit 30 Prozent. Mit der Aussicht, ein Übernahmeangebot für den Rest vorlegen zu können.

Beim Manöver versuchte auch der italienische Staatsfond Fondo Strategico Italiano mitzumischen, was prompt zu Verstimmungen zwischen Italien und Spanien führte.

Skandale und Verdächtigungen

Immer wieder kommt es im Zusammenhang mit Olivenöl zu handfesten Skandalen. Etwa als 2011 aufflog, dass in Italien Produkte der Qualitätsstufe «extra vergine» mit Ölen aus Spanien, Griechenland oder Tunesien gepanscht wurden. Von mafiösen Strukturen war die Rede.

Vernichtend fiel das Urteil eines letzte Woche veröffentlichten Tests der Konsumentensendungen «Kassensturz» und «A Bon Entendeur» aus. Vier von 14 geprüften Olivenölen erwiesen sich als nicht genügend für die Bezeichnung «extra vergine». Ausschlaggebend für die höchste Einstufung sind eine Analyse der chemischen Zusammensetzung sowie ein sensorischer Test.

Ein hoher Preis muss nicht gleichbedeutend sein mit guter Qualität. Am drittbesten schnitt im Test das günstigste Öl ab. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 13.10.2014, 14:09 Uhr

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