Credit Suisse hat an Lehman-Papieren gut verdient

Die Credit Suisse galt als sehr guter Kunde von Lehman Brothers. Die Bank hat den Verkauf von Lehman-Papieren forciert – und daran viel verdient.

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Spätestens seit die US-Investmentbank Lehman Brothers kollabiert ist, wissen die Kunden von Credit Suisse, Luzerner Kantonalbank und anderen Instituten, wer die Zeche bezahlen muss: Es ist nicht nur der US-Steuerzahler, auch sie sind es. Im Vertrauen auf vermeintlichen Kapitalschutz haben sie strukturierte Produkte gekauft und sitzen nun auf wertlosen Papieren.

Auf der sicheren Seite stehen die Banken, die ihnen diese Papiere schmackhaft gemacht haben. Sie haben an den Lehman-Produkten verdient und verweisen auf das Emittentenrisiko: Für den Ausfall gerade stehe einzig der Herausgeber der Papiere, Lehman Brothers. Für die Banken wars ein gutes Geschäft. In der Zeit nach dem letzten Börsenkrach lagen Spargelder im Überfluss auf den Konten. Das war für die Banken nicht sehr lukrativ. Deshalb gingen sie Kunden systematisch an, ihre Gelder in strukturierte Produkte umzuschichten. Das brachte den Geldhäusern deutlich höhere Margen ein.

Wie viel, zeigen Recherchen des TA: Lehman zahlte der Bank, die ein Kapitalschutzprodukt mit einer Laufzeit unter fünf Jahren verkaufte, durchschnittlich 1 Prozent. Bei einer längeren Laufzeit stieg dieser Wert auf 1,5 Prozent.

Wie hoch das Volumen an Lehman-Produkten war, das die CS ihren Kunden verkaufte, will diese nicht sagen. Die Berner Kantonalbank (BEKB) hatte laut eigenen Angaben Lehman-Papiere im Gegenwert von rund 50 Millionen Franken in ihren Kundendepots, die Luzerner Kantonalbank (LUKB) von 80 Millionen. Marktbeobachter gehen davon aus, dass die CS sehr viel mehr abgesetzt hat und – als sehr guter Kunde von Lehman – auch bessere Konditionen erhielt als kleinere Banken.

«Garantiert eine Bank die Übernahme einer grossen Tranche, erhält sie im Gegenzug bessere Kommissionen», erklärt Florian Schubiger vom Winterthurer Finanzberater Vermögenspartner, der die Internetseite kickbacks.ch betreibt.

«Keine besondere Vereinbarung»

Dem Vernehmen nach soll Lehman der CS ein sehr gutes Angebot gemacht haben. Die Rede ist von rund 2 Prozent. CS-Sprecher Jan Vonder Mühll sagt: «Wir hatten mit Lehman keine besondere Vereinbarung getroffen. Lehman war einer unter vielen Emittenten, die wir über unsere offene Plattform angeboten haben.»

Und was bezahlten die einzelnen Kunden? Auszüge aus einem Depot, das dem TA vorliegt, geben Auskunft. Der 56-jährige Silvio B.*, der im Frühjahr 2004 für 100’000 Franken bei der CS ein Lehman-Produkt kaufte, berappte eine Transaktionsgebühr von 1 Prozent. Hinzu kamen in den Folgejahren Depotgebühren von 0,1 Prozent pro Halbjahr.

Silvio B. entrichtete der CS somit in den letzten viereinhalb Jahren 1900 Franken. Hinzu kommt die erwähnte Verkaufsgebühr, die die CS von Lehman erhielt: weitere 2000 Franken.

Wahrscheinlich müssen zu diesen 3900 Franken noch jährlich wiederkehrende Vergütungen von Lehman addiert werden, sogenannte Kickbacks. Die CS bestätigt: «Im Zusammenhang mit Transaktionen von strukturierten Produkten erhält die Credit Suisse von Dritten unter Umständen als Abgeltung für die erbrachten Dienstleistungen eine Entschädigung. Die CS hat ihre Kunden über die Bandbreiten, innerhalb derer solche Entschädigungen anfallen können, informiert.» Über die Höhe schweigt die Grossbank.

Silvio B.s Investment ist heute wertlos. Ganz leer ausgegangen ist er nicht. Er realisierte einen Bruttoertrag von 8235 Franken und zahlte an direkten Gebühren 1900 Franken. Seine Performance auf den 100’000 Franken: minus 94,65 Prozent. Ein lausiger Wert, verglichen mit den mindestens 5000 Franken, die die CS kassierte, ohne ein Risiko einzugehen.

*Name der Redaktion bekannt

Erstellt: 26.09.2008, 22:18 Uhr

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