«Da ist bei Sulzer eine kleine Bombe geplatzt»

Der Rücktritt von Sulzer-CEO Stahlmann mitten in den Börsenhandelszeiten legt laut Analysten nahe: In der Chefetage von Sulzer ist es zum Eklat gekommen.

Klaus Stahlmann: Abrupter Abgang als Sulzer-Chef.

Klaus Stahlmann: Abrupter Abgang als Sulzer-Chef. Bild: Ennio Leanza/Keystone

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Am Morgen noch herrschte Courant normal: Bevor die Börse den Handel eröffnet, verschickt Sulzer eine Medieninformation über die Umsetzung der neuen Strategie «Sulzer Full Potential». Zweisprachig, detailliert. Der Restrukturierung in der Division Pumps Equipment fallen 410 Stellen in Brasilien, den USA und China zum Opfer.

CEO Klaus Stahlmann galt als Mann, der die neue Strategie entschieden umsetzen wollte. Und dann, am Nachmittag, platzt das Unternehmen mit einer neuen Information mitten in die Börsenhandelszeiten: Klaus Stahlmann geht, genau dieser Mann, der hinter «Sulzer Full Potential» steht. Die Mitteilung umfasst wenige Zeilen, hastig in Englisch aufgesetzt, um den Publizitätsvorschriften der Börse zu genügen. «Äusserst überraschend» sei dieser Rücktritt, sagt ein Finanzanalyst, der sehr gut mit dem Unternehmen vertraut ist.

Konflikt mit Hauptaktionär Vekselberg vermutet

Bei Sulzer sei «eine kleine Bombe geplatzt», hält ein Finanzanalyst fest, der namentlich nicht zitiert sein möchte. Es sei ganz offensichtlich zu gröberen Unstimmigkeiten gekommen. «Ich kann mir den Abgang Stahlmanns nicht anders erklären, als dass diese Unstimmigkeiten mit dem Hauptaktionär zu tun haben», sagt er. Viktor Vekselberg habe seine eigene Agenda und mache mit der Beteiligungsgesellschaft Renova seine eigenen Geschäfte. Gut möglich, dass sich ein ähnlicher Vorgang abgezeichnet habe wie seinerzeit mit der angestrebten Fusion mit Dresser-Rand, dem Turbinen- und Kompressoren-Spezialisten aus Texas.

Nachwehen der Verhandlungen mit Dresser-Rand?

Im Herbst 2014 verhandelte Sulzer mit Dresser-Rand über eine Fusion. Ein mehrköpfiges Team von Sulzer war offenbar in Texas in die Due Diligence involviert. Während die Verhandlungen liefen, erwarb die Renova 4,99 Prozent der Aktien an Dresser-Rand und blieb damit knapp unter der meldepflichtigen Schwelle von 5 Prozent, die bei US-Unternehmen gilt. Sulzer wurde von Siemens überboten, Vekselberg verdiente an seinem Dresser-Rand-Paket nach Berechnungen der Handelszeitung geschätzte 90 Millionen Franken.

Die Dreifachrolle des Sulzer-Präsidenten Löscher

Pikant daran: Sulzer-Verwaltungsratspräsident Peter Löscher ist zugleich Chef der Renova. Bis 2013 war er Konzernchef von Siemens. Es sieht also ganz danach aus, als ob Vekselberg Sulzer geschickt benutzte, um den Wert seiner Dresser-Rand-Aktien in die Höhe zu treiben. «Wer weiss, was jetzt passiert ist», sagt der Analyst, «doch ich kann mir vorstellen, dass sich Stahlmann sagte: Nein, ein zweites Mal lasse ich mich nicht missbrauchen.» (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 10.08.2015, 16:12 Uhr

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