«Das Doppelstöcker-Projekt ist leider etwas entgleist»

Der designierte SBB-Chef Vincent Ducrot äussert sich in einem ersten Interview zu seinem Mitwirken bei der Beschaffung der Pannenzüge von Bombardier.

«Machen Sie einfach»: Sein altes Credo als Fernverkehrschef funktioniere auch noch in seiner neuen Position als SBB-Chef, ist Vincent Ducrot überzeugt. Foto: Anthony Anex (Keystone)

«Machen Sie einfach»: Sein altes Credo als Fernverkehrschef funktioniere auch noch in seiner neuen Position als SBB-Chef, ist Vincent Ducrot überzeugt. Foto: Anthony Anex (Keystone)

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Vincent Ducrot, Sie sind 57 Jahre alt. SBB-Verwaltungsratspräsidentin Monika Ribar sagte, dass eine Ihrer Aufgaben sein wird, mögliche Nachfolger aufzubauen. Sind Sie eine Übergangslösung?
In einer Firma wie den SBB kann man nicht ewig arbeiten. Auch ein 40-Jähriger hat wohl nach zehn Jahren seinen Peak erreicht. Daher bin ich keine Übergangslösung. Ich bringe aber viel Erfahrung mit, das hat den Verwaltungsrat überzeugt. 

Welche Dinge wollen Sie konkret anpacken als SBB-Chef?
Da muss ich mich zuerst noch genauer einarbeiten. Die Pünktlichkeit ist aber sicher ein Thema. Diese wird aber nicht von heute auf morgen verbessert werden können. Da sind keine Wunder zu erwarten.

Ich gebe gern Verantwortung ab und ermuntere meine Mitarbeiter, vorwärtszumachen.

Ihr altes Credo als Fernverkehrschef der SBB war: Machen Sie einfach. Funktioniert ein solches Motto als Chef der Bundesbahnen noch?
Ja, das ist immer noch so. Ich gebe gern Verantwortung ab und ermuntere meine Mitarbeiter, vorwärtszumachen. Man muss danach aber auch aus Fehlern lernen können. Aber ja, ich selbst bin auch ein Macher. 

Trotzdem tragen Sie als Chef die Verantwortung, wenn mal etwas schiefgeht. Etwas, was schiefgegangen ist, ist die Beschaffung der neuen Doppelstöcker. Sie haben damals den Vertrag mit Bombardier unterschrieben.
Der Vertragsprozess ist sehr gut gelaufen, danach ist das Projekt leider etwas entgleist. Das war aber nach meiner Zeit. Was man aber sagen muss: Zugseinführungen sind immer schwierig, das war auch bei anderen Zugstypen so, etwa dem ICN oder dem IC2000. Doch die Fortschritte der letzten Wochen lassen hoffen, dass man den Zug nun im Griff hat.

Die SBB gingen ein Risiko ein, als sie eine komplette Neuentwicklung bestellt haben bei Bombardier.
Wir wollten einen Schritt weitergehen und einen Zug für die nächsten 40 Jahre bestellen. Und auch der ICN war zum Beispiel ein Novum. Im Nachhinein ist man aber immer schlauer. 

Man hätte wohl zuerst ein paar Züge kaufen und erproben müssen. Und erst danach in die Serienproduktion gehen.

Also wurde die Beschaffung überfrachtet?
Die bestellten Züge waren vielleicht etwas zu komplex. Wenn man diese Komplexität aber will, hätte man wohl zuerst ein paar Züge kaufen und erproben müssen. Und erst danach in die Serienproduktion gehen. Im Nachhinein hätte man es sicher etwas besser machen können. Bei der nächsten Beschaffung werden wir dies aber genau anschauen. 

Wie ist Ihr Verhältnis zu Stadler und Bombardier?
Zu Peter Spuhler habe ich ein sehr gutes Verhältnis, und ich habe auch bereits etliche Züge bei ihm bestellt. Auch zu Bombardier pflege ich ein gutes Verhältnis. Wir werden natürlich auch hart miteinander diskutieren müssen, das ist aber normal. 

Also auch über die Bussen, die ausstehen wegen der Verspätung?
Ja, das sicher. Ich gehe aber davon aus, dass die Lösung schon im Trockenen ist, bis ich starte im April. 

Ist es unangenehm für Sie, wenn Sie nun von der eigenen Bestellung Jahre später wieder eingeholt werden?
Nein. Es macht mich traurig, dass die Züge noch nicht richtig funktionieren. Und es wurden sicher beidseitig Fehler gemacht. Ich bin ein Fan der Züge. Wenn es ausgereift ist, wird das ein sehr gutes Fahrzeug sein.

Erstellt: 10.12.2019, 17:45 Uhr

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