Das Webshopper-Tracking und die Flucht davor

Sie wohnen am Zürichberg, benutzen das neuste iPhone und kaufen online am Abend: Wenn das zutrifft, bezahlen sie möglicherweise mehr als andere Kunden. Das muss aber nicht sein.

Als Käufer verliert man schnell den Überblick über Angebote und Preise: Frau beim Shoppen online.

iStock

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Sie wollen am Abend über Ihr iPad noch schnell einen Flug buchen? Sie tun das von zu Hause aus, das sich am rechten Ufer des Zürichsees befindet? – Dann haben sie schon verloren. Webshopper mit einem solchen Profil bezahlen höhere Preise für ein gleiches Produkt als andere Internetnutzer.

«Individuell angepasste Preise können auf verschiedenen Informationen basieren, welche der Internetuser normalerweise unbewusst von sich preisgibt», sagt Ivo Meli, Projektleiter bei der Stiftung für Konsumentenschutz.

Mit Apple wird es teurer

In der Schweiz stehen wir beim Thema individualisierte Preise zwar noch am Anfang. Internationale Anbieter sind beim Thema Dynamic Pricing schon weiter und technisch ist es möglich, die Kunden zu tracken und die Preise je nach Kundenprofil zu variieren. Es kann also künftig vorkommen, dass der Nachbar weniger für ein Produkt oder eine Dienstleistung bezahlt als man selbst.

Entscheidend sind unter anderem das Gerät und das Betriebssystem, mit welchen jemand surft. «Manche Websites zeigen Apple-Usern teurere Angebote an als Windows-Usern», sagt Meli. Denkbar sei auch eine Anpassung, je nachdem ob ein Smartphone, ein Tablet oder ein stationärer Computer verwendet wird. Doch die Kundenbeobachtung geht noch weiter. Auch auf den benutzten Browser kommt es an. Zudem fliessen Daten wie der Zeitpunkt des Kaufes in die Preisdefinition ein: Wer am Abend einkauft oder einen Flug bucht, muss mit höheren Tarifen rechnen, als wer das am Morgen tut. Und sogar der Wohnort kann einen Einfluss haben. «Möglich ist auch, dass Usern aus wohlhabenderen Quartieren höhere Preise angeboten werden als Bewohnern weniger reicher Quartiere.»

Lieber am Arbeitsplatz bestellen

Sich vor Datensammlern zu schützen, ist schwierig und aufwendig. Es kann ratsam werden, Geräte, Browser und Zeitpunkt des Kaufs so zu wählen, dass diese preistreibenden Faktoren ausgeschaltet werden können. Zudem kann es sich lohnen, die Bestellung besser am Arbeitsplatz oder bei Bekannten abzuschicken als von zu Hause aus.

Um Tracking-Methoden zu vermeiden, können auch Blocker installiert werden. Es gibt mehrere kostenlose Angebote. Bekannt sind Ghostery, DoNotTrackMe oder NoScript. Eine weitere Möglichkeit besteht darin, den Browser immer wieder zu wechseln. Einige Websites erstellen nämlich beim Besuch ein detailliertes Protokoll der Systemeinstellungen des Browsers: welches Betriebssystem jemand verwendet, welche Bildschirmauflösung und auch welche Tracking-Blocker man verwendet. Dieses sogenannte Browser Fingerprinting macht den User wiedererkennbar.

Keine Anonymität nach Registrierung

«Es gilt auch immer, die Preise zu vergleichen», empfiehlt Meli. Denn einige Anbieter, erhöhen bei jedem erneuten Click auf das Angebot den Preis, um eine hohe Nachfrage beziehungsweise ein immer kleiner werdendes Angebot zu simulieren. Sie wollen damit die Kunden zu einem schnellen Kauf bewegen. Bekannt geworden sind solche Fälle von den französischen Staatsbahnen SNCF, bei Reisen aus der Schweiz nach Frankreich. «Um dies zu umgehen, reicht es unter Umständen, das Gerät zu wechseln oder Cookies und Browser-Cache zu löschen», sagt Meli.

Den datensammelnden Shops zu entrinnen, ist aber so gut wie unmöglich. Wer bei einem Shop registriert ist und regelmässig einkauft, hinterlässt ein genaues Kundenprofil. Sich bei einem Shop einzuloggen macht alle Anonymisierung wirkungslos. Wer also auf Nummer sicher gehen will, kauft am besten gar nicht mehr online ein. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 24.09.2014, 14:14 Uhr

Artikel zum Thema

Bei Media-Markt verschwinden Papier-Preisschilder

Der Händler von Unterhaltungselektronik führt digitale Preisschilder ein. Das erlaubt, die Preise schneller anzupassen. Der Konsumentenschutz warnt vor steigender Unsicherheit. Mehr...

Mal kostet der Staubsauger 159, dann 175 und plötzlich 168 Franken

Staunen bei der Online-Tochter der Migros, Galaxus: Der Preis für ein Produkt scheint sich ständig anzupassen. Was steckt dahinter? Mehr...

Ich will kein rosa Cocktailkleid!

Die Kleidervorschläge in Mail und Facebook sind lästig. Lassen sie sich vermeiden? Ein Selbstversuch. Mehr...

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Kommentare

Abo

Abo Digital - 26 CHF im Monat

Den Tages-Anzeiger unbeschränkt digital lesen, inkl. ePaper. Flexibel und jederzeit kündbar.
Jetzt abonnieren!

Die Welt in Bildern

Die animalischen Wellenreiter: Die dreibeinige Jack-Russell-Terrier-Hündin namens Surf Pig am diesjährigen Surfwettbewerb in Cocoa Beach, Florida, USA. (21. April 2019)
(Bild: Tim Shortt) Mehr...