Hintergrund

Das geheime Geschäft der Zurich

Der Schweizer Konzern soll sich 1996 bei einem chinesischen Versicherer beteiligt haben, obwohl das chinesische Recht das damals nicht erlaubte. Jetzt liegen Gerichtsdokumente vor.

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Angefangen hat offenbar alles an einem Staatsbankett im Oktober 1995. Bundesrat Jean-Pascal Delamuraz reiste mit einer 40-köpfigen Delegation nach China. Es war die Tochter des damaligen Premierministers Li Peng (auch bekannt als Schlächter von Tiananmen), Li Xiaolin, heute selbst eine mächtige Frau, die die mitgereisten Zurich-Manager den chinesischen Geschäftsleuten vorgestellt hat, die eine Mehrheitsbeteiligung an der grössten privaten Versicherungsgesellschaft des Landes hielten. «Sie sagte: Das wäre doch eine gute Gelegenheit für euch, etwas mit New China Life zu organisieren.» Das erzählt Bill Zhao, einer der Geschäftsleute, Jahre später vor einem Gericht in Virginia. «Und ich sagte: Das tönt doch gut.»

Bill Zhao streitet sich vor Gericht mit seinem langjährigen Vertrauten und früheren Chef, dem chinesischen Milliardär Zhang Hongwei. Es geht um Geld, um Korruption und um Misstrauen. Der Fall läuft schon seit mehreren Jahren unter Ausschluss der Öffentlichkeit, jetzt liegen die Gerichtsdokumente dem britischen «Daily Telegraph» vor, der Auszüge daraus veröffentlicht.

16,9 Millionen auf ein Konto auf den Bahamas

Demnach unterschrieben Zhao und Zhang 1996 nach kurzen Verhandlungen einen Vertrag mit der Zurich. Darin versprachen sie dem Konzern 10 Prozent an New China Life – vier Jahre bevor derartige Beteiligungen durch ausländische Investoren in China legal waren. Als Gegenleistung soll der Schweizer Versicherungskonzern 16,9 Millionen Dollar auf ein Konto bei der Credit Suisse auf den Bahamas überwiesen haben.

Offiziell beteiligte sich die Zurich Insurance Group erst Ende 2000 an New China Life. Am 5. Januar 2001 veröffentlichte sie eine Mitteilung unter dem Titel «Zurich kauft Anteil an Chinas viertgrösstem Lebensversicherer». In der Mitteilung selbst steht, Zurich nehme «an einer Kapitalerhöhung teil», die dazu führe, dass Zurich jetzt 10 Prozent an New China Life halte. «Zurichs Investition beläuft sich auf 39 Millionen Dollar.» Ein Wortlaut, die eine frühere Beziehung zum Unternehmen nicht ausschliesst.

Den Einstieg ins Versicherungsgeschäft erleichtert

Laut einem Gutachten zuhanden des US-Gerichts, vor dem sich die beiden Chinesen nun um das Geld streiten, das die Zurich 1996 auf die Bahamas überwiesen hat, verstösst die Vereinbarung gegen chinesische Gesetze. «Man kann es Bestechung nennen», sagt Bill Zhaos Anwalt. «Oder man kann sagen, dass es den Einstieg von Zurich ins chinesische Versicherungsgeschäft erleichtern sollte.» Der Anwalt von Zhaos Gegenspieler Zhang betont hingegen, es gebe keine Beweise dafür, dass die Zahlung illegal sei.

Zurich bestätigt die Vereinbarung mit Zhangs Orient Group vom 1996. «Gemäss dieser Vereinbarung verblieben die Aktien bei der Orient Group bis die gemäss chinesischem Recht geltenden Beschränkungen für ausländische Beteiligungen an Lebensversicherern aufgehoben würden», teilt der Konzern schriftlich mit. Man habe damit gegen keine Gesetze verstossen. Die Beteiligung an New China Life ab 2000 sei dann allerdings unabhängig von Zhangs Orient Group erfolgt und entspreche geltendem chinesischen Recht sowie den Vorschriften der Regulierungsbehörde. Zur Überweisung auf die Bahamas äusserte sich der Konzern nicht.

Profitable Investition

Für die Zurich hat sich die Beteiligung indes mehr als ausgezahlt. 2004 baute Zurich den Anteil für rund 90 Millionen Dollar auf 20 Prozent aus. 2010 musste sie im Rahmen einer Kapitalerhöhung 420 Millionen einschiessen, um den Anteil zu halten. Insgesamt hat sie also gut 550 Millionen in die Beteiligung am chinesischen Versicherungskonzern investiert.

Dann folgte die Kehrtwende: Im Frühling 2011 verkaufte der Versicherungskonzern 5 Prozent seiner Aktien für gut 250 Millionen, diesen Sommer stiess er erneut gut 5 Prozent ab, diesmal für 283 Millionen. Damit hat er fast den ganzen Kaufpreis wieder reingeholt. Übrig bleibt eine Beteiligung von 9,7 Prozent, die aktuell rund 750 Millionen wert ist. Die Gewinne stünden im Einklang mit der Entwicklung der chinesischen Wirtschaft, betont Zurich. Was genau mit der Vereinbarung passiert ist, die der Konzern 1996 eingegangen ist, bleibt offen. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 11.10.2013, 15:30 Uhr

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