Das sind die aufgeflogenen Detektive des Star-Bankers

Die Zürcher Beschatter von Topmanager Khan, schnüffeln sonst Sozialbetrügern nach. Berufskollegen gehen auf Distanz.

Möglichst unauffällig bleiben: Ein Detektiv bei der Arbeit.

Möglichst unauffällig bleiben: Ein Detektiv bei der Arbeit. Bild: Ennio Leanza/Keystone

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Sie waren ihm auf der Spur, doch er hatte das längst bemerkt. Mit einem einfachen Trick liess Iqbal Khan seine Verfolger auffliegen. Nach einer Verfolgungsjagd durch die Zürcher Innenstadt bremste er ab und fotografierte das Nummernschild des Wagens. Die drei Verfolger, einer davon tätowiert, sollen dann versucht haben, ihm das Handy zu entreissen. Es ist nicht gesichert, ob sich die Vorgänge so zugetragen haben.

Es gibt auch eine andere, weniger dramatische Version der Geschichte. Der Auftrag der CS soll anders gelautet haben. Khan sollte nur unter der Woche überwacht werden und seine Familie nicht miteinbezogen werden. Zudem habe niemand versucht Khan das Handy zu entreissen. Es habe keine physische Aggression gegeben. Laut einem Report des Detektivbüros an die CS der dem Portal «Inside Paradeplatz» vorliegt, soll nur ein Mann in dem Auto gesessen haben. Dieser soll Khan gesagt haben, dass er nicht fotografiert werden wolle. Die Überwachung sei danach abgebrochen worden. Beim Detektivbüro soll es sich um Investigo aus Otelfingen ZH handeln, es ist für eine Stellungnahme nicht zu erreichen. Das Unternehmen war bereits öfter als Sozialdetektei in den hiesigen Medien. Entsprechend listete die Firma auf ihrer Internetseite zahlreiche Zürcher Gemeinden als Referenzkunden. Die Seite ist aber derzeit nicht mehr erreichbar. Momentan heisst es dort nur: «Under Construction».

Zielperson nicht ansprechen

Der Vorfall kommt bei Berufskollegen nicht gut an. «Wenn es so stimmt, wie es in der Presse wiedergegeben wurde, sind die Detektive dilettantisch vorgegangen», so Erich Wunderli, seit mehr als 30 Jahren Privatdetektiv und Präsident des Schweizerischen Verbands der ausgebildeten Privatdetektive. Der Verband distanziert sich denn auch vom Unternehmen.

In der Stadt seien Verfolgungsjagden nutzlos, dort helfe ein Tracker, um unerkannt zu bleiben. Und: «Ein Detektiv will undercover bleiben, daher spricht er keine Zielpersonen an», so Wunderli. Sollte ein Mitarbeiter tätowiert sein, dann wird dieser nicht für Überwachungen eingesetzt, weil er schnell auffällt und leicht wiedererkannt werden kann. Auch Mietautos kommen bei Wunderli nicht zum Einsatz. Die Detektei verwendet eigene Wagen mit gesperrten Nummernschildern.

Observation unerlässlich

Investigo verfügt laut früheren Angaben über rund ein halbes Dutzend freischaffende Mitarbeiter, dabei handle es sich oft um ehemalige Polizisten. Der grösste Teil der Aufträge betrifft das Sozialwesen, also das Aufspüren von Sozialbetrügern. Dabei komme oft die verdeckte Überwachung zum Einsatz. In 70 Prozent der Fälle sei diese unerlässlich, so Firmenchef Swen van Altena im «Landboten».

Observation töne aber spannender, als sie meist sei. «Meistens heisst es, im Auto zu sitzen, zu warten und, wenn man Glück hat, ein Foto zu machen», so Van Altena. Ein Auftrag kostet jeweils einige Tausend Franken. Laut Investigo sei die Arbeit für die Gemeinden kostenneutral. Da in vielen Fällen die Zahlungen eingestellt oder Rückzahlungen eingefordert werden konnten. Beim Rest der anfallenden Arbeit handle es sich um Aufträge zum Personenschutz oder Geldtransporte.

In der Schweiz gibt es laut dem Branchenverband rund 300 Detekteien. Hauptsächlich spüren diese Fremdgehern (-innen) nach, suchen vermisste Personen oder gehen dem Verdacht nach, ob ein krank gemeldeter Mitarbeiter wirklich krank sei. Hinzu kommen Aufträge von Gemeinden oder Kantonen als Sozialdetektive. «Wir sammeln Informationen und geben diese an die Auftraggeber weiter», so Wunderli vom Detektivverband. Dabei wird meist recherchiert und werden Fotos gemacht. Hochrangige Politiker oder Manager, wie Khan, werden aber äusserst selten überwacht.

Erstellt: 24.09.2019, 12:24 Uhr

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