Der Tod der Banane

Ein Pilz tötet Bananenpflanzen – bald wohl auch in Lateinamerika. Dort kaufen Migros und Coop ein.

Noch läuft die Bananenproduktion rund: Bananenplantage in Costa Rica.

Noch läuft die Bananenproduktion rund: Bananenplantage in Costa Rica. Bild: Kent Gilbert/Keystone

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Der Tod kommt langsam: Ein Schimmelpilz klebt sich an die Wurzel der Bananenpflanze und verstopft deren Wasser- und Nährstoffkanal. Die Pflanze verdorrt. Der Tod heisst Panamakrankheit oder, wie ihn Wissenschaftler nennen, «Tropical Race 4».

Eindämmung misslungen

Langsam, aber stetig verbreitet sich der tödliche Pilze. In den zwei Jahren hat sich die Krankheit von Südostasien in den Mittleren Osten, nach Afrika und Australien ausgedehnt. «Der Pilz ist jetzt auch in Pakistan, Jordanien, Moçambique, dem Libanon, in Oman und kürzlich in Australiens nordöstlichem Queensland aufgetaucht», sagt Gert Kema dem Onlinemagazin «Quartz».

Kema ist einer von acht Autoren einer neuen Bananenstudie, die kürzlich in der Wissenschaftspublikation «PLOS Pathogens» erschien. Die Wissenschaftler malen ein düsteres Bild der Zukunft der gelben Kultfrucht: «Schlimmes wird zum Schlimmsten», überschreiben sie ihren Artikel. Die Tage der Banane sind gezählt.

Die Studienautoren können zum ersten Mal nachweisen, was bisher vermutet wurde: Jegliche Strategien zur Eindämmung der Krankheit sind misslungen, weil zu wenig Wissen über die Pilzbekämpfung vorhanden sei. Dies obwohl der Schädling vor mehr als 55 Jahren entdeckt wurde. «Quartz» schreibt, es sei deshalb eine Frage der Zeit, dass der tödliche Pilz auch in Lateinamerika auftauchen wird.

10 Kilo pro Kopf

Das wäre ein Schlag für Bananenfarmer, Händler und Konsumenten. Denn in Lateinamerika wachsen mehr als drei Fünftel der weltweit exportierten Bananen. Auch die Schweizer Detailhändler Migros und Coop beziehen ihre Bananen in lateinamerikanischen Ländern wie Peru, Panama und Ecuador. Sorgen um Beschaffungsprobleme oder Preiserhöhungen machen sie sich zumindest derzeit nicht, wie Sprecher beider Händler sagen. Man beobachte die Entwicklung aber sehr genau, heisst es bei Coop.

Bei ihnen ist die Banane neben Äpfeln die meistverkaufte Frucht. Pro Kopf werden hierzulande rund zehn Kilo des Tropengewächses pro Jahr verzehrt. Insgesamt importiert die Schweiz jährlich 74'000 Tonnen davon. Weltweit setzt der Bananenhandel 33 Milliarden Euro um. Ob die Zahl angesichts der düsteren Folgen des tödlichen Pilzes noch auf diesem hohen Niveau bleiben wird, ist zu bezweifeln.

Dramatischer Einbruch

Denn sobald die Krankheit ausbricht, ist ein Ernteeinbruch die unausweichliche Folge. Das zeigen Zahlen aus Taiwan. In den 1960er-Jahren, als die Panamakrankheit im Land entdeckt wurde, exportierte Taiwan knapp 400'000 Tonnen Bananen, heute sind es gerade noch um die 8000 Tonnen – 98 Prozent weniger.

Entwicklung von Taiwans Bananen-Exporte

Grund für die dramatische Ausbreitung der Bananenkrankheit sind die Monokulturen und die schwierige Zucht der gelben Frucht. Die am meisten verbreitete Bananensorte heisst Cavendish. Sie macht 95 Prozent der weltweiten Bananenexporte aus. Kein Wunder, bauen die meisten Bauern am liebsten nur diese Sorte an. Doch die Monokulturen sind bei Bananen besonders verheerend. Dies, weil sich die angebauten Bananen ohne Sex vermehren. Neue Bananenpflanzen entstehen als Schösslinge aus der Mutterpflanze. Sie klonen sich damit selber. Somit sind die Früchte genetisch praktisch weltweit alle identisch. Der Schimmelpilz hat damit leichtes Spiel.

Er vernichtet mit den Bananenpflanzen die Lebensgrundlage vieler Kleinbauern. Plantagenbesitzer erleiden Ertragseinbussen in Millionenhöhe. Die Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) ist angesichts der Entwicklung alarmiert. «Wenn wir keine Vorkehrungen treffen, ist die weitere Ausbreitung von Tropical Race 4 unvermeidlich. Die Folgen wären verheerend», sagte Fazil Dusunceli, Pflanzenschutzexperte der FAO, gegenüber dem Magazin «Spektrum» im Frühling. Die Organisation hatte deshalb schon Anfang Jahr einen Massnahmenkatalog verabschiedet.

Die Geschichte wiederholt sich

Der Schimmelpilz ist nicht die erste Bananenmisere. Bereits in den späten Jahren des 19. Jahrhunderts erlebten Bananenbauern in Lateinamerika mit der Krankheit namens Race 1 ein ähnliches Desaster. Damals war die Sorte Gros Michel weit verbreitet. Gemäss dem Magazin «Quartz» rottete Race 1 die Kommerzbanane Gros Michel innerhalb von 50 Jahren aus. Forscher fanden damals mit Cavendish eine Banane, der Race 1 nichts anhaben konnte.

Heute läuft die Suche nach der Alternative zwar, gefunden ist sie aber noch nicht. Helfen würde, wenn die Bauern verschiedene Bananensorten anbauen. Das bedingt aber auch ein Umdenken der Händler und Konsumenten. Denn es sind Sorten, die anders aussehen, anders schmecken und auch teurer sind als die beliebte Cavendish. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 01.12.2015, 21:37 Uhr

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