Die Credit Suisse poliert ihre Geschäftszahlen

Die Grossbank trennt sich schneller als geplant von nicht rentablen Geschäftsbereichen. An der mageren Eigenkapitalbasis ändert das wenig.

Seine Bank ist mitnichten Klassenbester: Credit-Suisse-Chef Brady Dougan.

Seine Bank ist mitnichten Klassenbester: Credit-Suisse-Chef Brady Dougan. Bild: Steffen Schmidt/Keystone

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So macht man aus 4 Milliarden Franken Vorsteuergewinn im Kerngeschäft der ersten neun Monate 2013 deren 5,7 Milliarden – wenigstens auf dem Papier, das die Credit Suisse gestern vorlegte. Sie löst das sogenannt nicht strategische Geschäft aus der Bilanz heraus, und schon präsentiert sich die Zahlenwelt in besserem Licht. Ein reiner Marketing-Gag? Nur Zyniker würden so etwas behaupten, sagte CS-Chef Brady Dougan im November der «Basler Zeitung». Ziel sei es, für Investoren Transparenz zu schaffen.

Dass die Credit Suisse jetzt mit geschönten Zahlen trickst, würde Brady Dougan weit von sich weisen. Im Oktober hatte die Bank angekündigt, sich von Geschäftsfeldern, die hohe Kosten, aber wenig Ertrag generieren, zu trennen. Damit sollen Kosten gespart und die Kapitalsituation entschärft werden. Gestern nun legte die Bank Zahlenmaterial vor, das aufzeigen soll, wie sich die Bilanz nach erfolgter Abwicklung dieser nicht mehr erwünschten Geschäftsbereiche präsentieren könnte.

Druck von verschiedenen Seiten

Neu ist, dass die CS das Tempo dieses Bereinigungsprozesses forcieren will. Freiwillig tut sie das kaum. Der Druck von Investoren und Regulatoren dürfte einfach zu gross geworden sein, um zu agieren wie bisher. Spätestens die schlechten Zahlen im dritten Quartal straften Dougans oft bemühtes Eigenlob Lügen, Klassenbester zu sein. Auch wenn die CS die Finanzkrise besser als etwa die UBS überstanden hatte, gelang es ihr nicht, diesen Vorteil in entsprechend bessere Ergebnisse umzusetzen.

Das Hauptproblem der Credit Suisse, das sie mit den meisten Grossbanken teilt, ist, dass ihre Eigenkapitalbasis nach wie vor dünn ist – dünner, als es ihre Exponenten wahrhaben wollen. Im schon erwähnten Interview mit der «Basler Zeitung» sagte Dougan: «Wenn das Ziel darin besteht, dass die Steuerzahler nie mehr in die Lage kommen sollen, eine Bank retten zu müssen, dann finden wir, dass die Voraussetzungen dafür jetzt erfüllt sind.»

Weder die Finanzministerin Eveline Widmer-Schlumpf noch Regulatoren und Fachleute teilen diese Meinung. Als die Bundesrätin Anfang November laut über eine weitere Erhöhung der ungewichteten Eigenkapitalquote nachdachte, trug ihr dies zwar Schelte vor allem seitens der Bankenvertreter ein. In der Sache ist ihre Forderung aber gut abgestützt. So wiesen auch Vertreter der Nationalbank verschiedentlich darauf hin, dass die Kapitalquoten der zwei Schweizer Grossbanken im internationalen Vergleich unterdurchschnittlich seien. Auch Ökonomen von Rang und Namen kritisieren die mangelhafte Bilanzstärke der Grossbanken. «Sie verfügen immer noch über viel zu wenig Eigenkapital», sagte etwa Professor Simon Johnson, früherer Chefökonom des Internationalen Währungsfonds, der «Finanz und Wirtschaft».

Modelle der Banken versagen

Vertreter der Schweizer Grossbanken bestreiten dies mit Verweis auf die risikogewichteten Kapitalquoten, die sich bei beiden Banken im internationalen Vergleich sehen lassen können. Nur ist diese Ziffer umstritten. Sie beruht auf der Idee, die Eigenkapitalunterlegung an die Risiken der getätigten Geschäfte zu koppeln. Hohe Risiken sollen dabei mit mehr Kapital gedeckt werden. Die Idee ist gut. Nur lehrt die Erfahrung der Finanzkrise, dass die Modelle der Banken bei der Bestimmung der Risiken versagen. So war die UBS gemäss eigener Einschätzung bestens kapitalisiert. Falsch gewichtete Risiken wurden ihr aber zum Verhängnis.

Deshalb nimmt der Druck zu, das Verhältnis von Eigenkapital zur Bilanzsumme ohne Gewichtungen vorzunehmen. Diese Leverage Ratio liegt bei der Credit Suisse aktuell bei gut 3 Prozent. Bis spätestens 2019 müssen die Schweizer Grossbanken 4,5 Prozent erreichen. Widmer-Schlumpf sprach aber bereits von einer ungewichteten Kapitalquote von 6 bis 10 Prozent. Simon Johnson und andere Ökonomen fordern 10 bis 20 Prozent. Davon ist die Credit Suisse – auch wenn sie nicht strategische Geschäftsbereiche auslagert – weit entfernt.

Erstellt: 07.01.2014, 18:16 Uhr

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