Die Frau mit der Luxus-Strategie

Angela Ahrendts, die Verkaufschefin von Apple, gehört zu den 10 am besten verdienenden Topmanagern in den USA. Keine Frau hat einen höheren Lohn. Wieso viele glauben, dass sie jeden Penny wert ist.

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Es ist der 24. April, der Tag, an dem die Apple Watch in Europa das erste Mal über die Ladentheke geht. Das Wetter in Paris ist grossartig, die Sonne scheint. Bereits um 10 Uhr morgens stehen die Leute im T-Shirt an der Sonne und warten. Die Schlange reicht entlang der eleganten Rue Saint Honoré, um die Ecke und fast die ganzen 150 Meter hinunter zu den Tuileries, den Gärten neben dem Louvre. Kurz nach 11 Uhr kommt der erste Käufer mit seiner Beute aus dem Laden.

Allerdings ist es kein Apple Store, den er verlässt. Sondern Colette, das Pariser Warenhaus für die Hippen und Reichen. Vor dem Traditionshaus Galeries Lafayettes, etwa einen Kilometer weiter nördlich, spielen sich ganz ähnliche Szenen ab. Nur die beiden Apple Stores, die sich jeweils in unmittelbarer Nähe der Luxuskaufhäuser befinden – unter der Glaspyramide beim Louvre und in einer alten Bank neben der Oper –, merken von dem ganzen Trubel nichts. Denn bei Apple selbst kann man die Uhr an diesem Tag zwar ausprobieren, aber nicht kaufen.

82,6 Millionen Dollar in acht Monaten

Die fehlenden Schlangen vor den Apple Stores sind der erste nach aussen sichtbare Stempel, den Angela Ahrendts Apple aufgedrückt hat. Vor ziemlich genau einem Jahr wechselte die frühere Chefin der britischen Luxusmarke Burberry als Verkaufschefin zu Apple. Und es ist ein teurer Stempel: Für die acht Monate, die die Amerikanerin 2014 beim Technologiekonzern verbracht hat, kassierte sie laut Berechnungen des Finanzdienstleisters Bloomberg 82,6 Millionen Dollar. Damit ist sie nicht nur die am besten verdienende Apple-Managerin in diesem Jahr – Konzernchef Tim Cook kommt laut der gleichen Berechnung auf 65,2 Millionen –, sondern schafft es als einzige Frau unter die 10 Topverdiener in den USA. Unter den ersten 100 finden sich gerade mal 8 Frauen, darunter auch Marissa Meyer. Andere bekannte Namen wie Ginni Rometty, Konzernchefin von IBM, oder Sheryl Sandberg, die Nummer zwei bei Facebook, haben es 2014 nicht auf diese Liste geschafft.

Experten sind überzeugt, dass Ahrendts jeden Penny wert ist. Bevor sie zu Apple wechselte, hat sie Burberry nicht nur aus der Misere gerettet – auch mithilfe von Stars wie Emma Watson, die durch ihre Rolle als Hermine in den Harry-Potter-Filmen bekannt wurde. Sie hat die Umsätze in ihrer Zeit als Konzernchefin auch mehr als verdoppelt und das Internet als Verkaufskanal für die Luxusklamotten etabliert. Dafür wurde sie zuletzt fürstlich belohnt: In Grossbritannien genoss sie Kultstatus und verdiente zuletzt mehr als jeder andere Konzernchef im Hauptindex der Londoner Börse.

Mode-Bloggerinnen und «Vogue»-Chefin Anna Wintour

Was sie aus dieser Zeit zu Apple mitbringt, zeigt sich beispielhaft an der Lancierung der Apple Watch. Das fängt schon damit an, dass Ahrendts zur Präsentation im letzten September erstmals Mode-Bloggerinnen eingeladen hat. Während der Pariser Fashion Week Ende September 2014 waren die Uhren dann bei Colette ausgestellt. Und schliesslich tragen Katy Perry, Pharrel Williams, «Vogue»-Chefin Anna Wintour und Karl Lagerfeld die goldene Luxusversion der Apple Watch zum Teil schon seit Monaten. Lange bevor Normalsterbliche sie in Paris bei Colette und den Galeries Lafayette, in London beim Nobelkaufhaus Selfridges oder in Tokio im Luxustempel Isetan erwerben konnten.

Kein Wunder, ist Scott Galloway, Professor an der renommierten Stern Business School der New York University, davon überzeugt, dass die 54-Jährige neben dem unglaublichen Lohn noch einen anderen Grund hatte, um ihren Job bei Burberry aufzugeben. Nicht die Nachfolge von Apple-Chef Tim Cook soll ihr versprochen worden sein, sagt Galloway bei Bloomberg, sondern vielmehr das Versprechen, dass es ihre Aufgabe sein wird, Apple als Topmarke im Modezirkus zu positionieren. Solange Apple nur Technologie verkauft, steht und fällt der Erfolg des Unternehmens mit neuen Produktelancierungen. Davon versucht Apple wegzukommen. Ahrendts soll Apple helfen, sich als Luxusmarke zu positionieren – und nicht als Technologiefirma, bei der Funktionalität und Preis den Kaufentscheid prägen.

Keine Wiederholung 2015

Dass die Luxusstrategie aufgeht, hat Apple bereits mit dem ersten Quartalsergebnis bewiesen. Der Erfolg des iPhones in China, der das Ergebnis hauptsächlich befeuert hat, ist auch ein Zeichen dafür, dass Apple mit dem Entscheid, auf eine günstige Version des Handys zu verzichten, den Nerv der Asiaten getroffen hat. Nichtsdestotrotz dürfte Ahrendts es im nächsten Jahr wohl nicht mehr unter die Top 10 der Grossverdiener schaffen. Der Grossteil ihres Lohns ist nämlich auf Einmaleffekte zurückzuführen, die 2015 wegfallen werden.

Erstellt: 06.05.2015, 14:25 Uhr

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