Hintergrund

Die Konkurrenz zur Maestro-Karte kommt

Angefangen hat alles mit einem Streit um neue Gebühren. Diesen hat Mastercard, die Markeninhaberin von Maestro, zwar gewonnen. Der Widerstand von Banken und Händlern bringt aber neue Konkurrenz.

Das Monopol ist zu Ende: Ein Maestro-Kartenlesegerät in der Zürcher Migros-Filiale Pünt.

Das Monopol ist zu Ende: Ein Maestro-Kartenlesegerät in der Zürcher Migros-Filiale Pünt. Bild: Keystone

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Auf den ersten Blick wirkt es wie ein Sieg für Mastercard, den Plastikgeldriesen, der nicht nur für Kreditkarten, sondern auch für die Maestro-Karte steht. Nach einer fast zwei Jahre dauernden Vorabklärung erlaubt die Wettbewerbskommission, dass Mastercard bei jedem Einkauf, den die Konsumenten mit der Bankkarte bezahlen, einen kleinen Betrag abzweigt. Der eine Teil davon geht als Lizenzgebühr an Markeninhaber Mastercard, der andere landet unter dem Stichwort Entwicklungsgebühr in einem separaten Topf – dem Investitionsfonds. Detailhandel und Zahlungsverarbeiter hatten sich gegen die beiden, wie sie kritisierten, «einseitig eingeführten» Gebühren mit Händen und Füssen gewehrt. Nun müssen sie die neuen Kosten akzeptieren.

Im Nachhinein könnte sich die ganze Affäre aber als Eigentor für Mastercard erweisen. Zwar bewegen sich beide Gebühren in einem Bereich von lediglich 0,02 Prozent, auf ein Transaktionsvolumen von 20 Milliarden Franken pro Jahr hochgerechnet ergibt das aber trotzdem 10 Millionen pro Jahr. «Im Handel, wo die Margen bekanntlich tief sind, fällt das ins Gewicht», sagt Rolf Hartl, Geschäftsführer beim Verband elektronischer Zahlungsverkehr (VEZ), der Interessenvertretung der Detailhändler.

Ausserdem ist es nicht das erste Mal, dass die Beteiligten im Maestro-System von Mastercard plötzlich eine neue Rechnung präsentiert bekommen. Allerdings war die Auseinandersetzung um die Entwicklungsgebühr bislang mit Abstand die heftigste. Das Geld aus dem Investitionsfonds soll laut Mastercard dazu verwendet werden, einen Rückstand in der Entwicklung des Zahlungssystems aufzuholen: «Die Idee der Entwicklungsgebühr ist es, die Attraktivität und Innovation für Maestro auch mittelfristig sicherzustellen», sagt Guido Müller, Chef von Mastercard Schweiz. Die Betroffenen selbst orten dafür aber keinen oder nur beschränkten Bedarf – auch wenn das Geld indirekt wieder an sie zurückfliessen soll.

Front gegen Mastercard

Die Auseinandersetzung hat den Widerstand der Schweizer Partner geweckt. Seit der Einführung der Entwicklungsgebühr im Jahr 2010 treffen sich Vertreter von Handel, Banken und Verarbeitern regelmässig zu Gesprächen. Anfang Jahr kam es zu einem Beschluss: «Die Arbeitsgruppe hat beschlossen, gemeinsam auf ein Konkurrenzprodukt zur Maestro-Karte zu setzen, um die Monopolsituation von Mastercard zu brechen», bestätigt Christoph Baumgartner, der Coop in dieser Runde vertritt. Heute existiert neben Maestro nur das System der Post, das für die Banken aber keine Alternative darstellt.

Infrage kommt hingegen das Konkurrenzprodukt V-Pay von Visa, das in der Schweiz schon länger versucht, Fuss zu fassen – bislang vergeblich. Nun haben offenbar mehrere Banken, darunter Raiffeisen und die UBS, eine Absichtserklärung unterschrieben, um die Einführung von V-Pay voranzutreiben. Im Gegenzug haben Detailhändler wie Coop und Migros ihre Terminals aufgerüstet, um V-Pay-Karten verarbeiten zu können. Bei Coop ist das bis März geschehen, bei der Migros bis Juli. An der Motivation dahinter besteht laut Baumgartner kein Zweifel: «Diese Vereinbarung ist klar eine Reaktion auf die einseitig eingeführten Gebühren von Mastercard.»

Raiffeisen bringt V-Pay

Die Banken bestätigen die Vereinbarung im Grundsatz: «Wir wollen V-Pay im ersten Halbjahr 2013 einführen, parallel zur Maestro-Karte», sagt dazu Raiffeisen-Sprecher Franz Würth. Die UBS gibt sich zurückhaltender: «Wir prüfen, ob sich V-Pay als Alternative zu Maestro eignet.» Aus gut informierten Quellen verlautet aber, dass nur noch der finale Entscheid des UBS-Managements ausstehe; intern rechne man fest mit der Einführung. Nicht zuletzt, weil man hofft, dadurch die Verhandlungsposition gegenüber Mastercard zu verbessern.

Es gibt aber auch Banken, die sich klar gegen das Konkurrenzprodukt aussprechen – auch wenn sich alle einig sind, dass ein bisschen Wettbewerb wünschenswert wäre. So oder ähnlich äussern sich Credit Suisse sowie Zürcher und Berner Kantonalbanken. Baumgartner erklärt sich die ablehnende Haltung einiger Banken damit, dass «sie damit Position gegen Mastercard beziehen würden» – was heikel sein kann. Die Banken selbst argumentieren vor allem mit den Kosten, die durch das neue System entstehen würden. Zumal das sogenannte Debitkartensystem bereits heute nicht kostendeckend betrieben werden könne. Im Gegensatz zu den Kreditkarten, bei denen die Banken rund 1 Prozent des Umsatzes als Unkostenentschädigung erhalten, gehen sie bei Maestro-Karten leer aus.

Der Druck scheint zu wirken

Die Schweizer Gegenwehr scheint beim amerikanischen Riesen Spuren zu hinterlassen. Zwar erklärt Müller von Mastercard Schweiz, er sehe «inhaltlich keinen direkten Zusammenhang» zwischen der Einführung der Entwicklungsgebühr und der Lancierung von V-Pay. Dennoch signalisiert er trotz des Sieges vor der Wettbewerbskommission Kompromissbereitschaft: «Die Beziehungen zu unseren Partnern sind wichtig. Sollte sich herausstellen, dass eine Marktmassnahme die Beziehungen negativ beeinflusst, werden wir im Gespräch mit den Parteien eine Lösung suchen.» Konkret dürfte das bedeuten: Die Entwicklungsgebühr könnte auch wieder verschwinden. Dazu sagt Mastercard-Chef Müller: «Falls sich zeigt, dass wir mit der Entwicklungsgebühr nicht die gewünschte Wirkung erzielen, werden wir gegebenenfalls Anpassungen vornehmen.»

Erstellt: 16.10.2012, 08:36 Uhr

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