Die Nestlé-Rakete?

Die Nasa braucht Geld. Chef Jim Bridenstine spielt mit dem Gedanken an ungewöhnliche Finanzierungsmodelle.

Könnten künftig Werbenamen tragen: Delta-2-Rakete der Nasa.

Könnten künftig Werbenamen tragen: Delta-2-Rakete der Nasa. Bild: Keystone

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Wie wär's mit Pizza-Hut-Mission? Apple-Safari? Oder Nestlé-Rakete – schliesslich böte sich im Fall der Fälle auch Schweizer Konzernen die Möglichkeit, ihren Ruhm in die Weiten des Alls zu tragen.

Die US-Raumfahrtagentur Nasa denkt darüber nach, Raketen und Mondfahrzeuge nach werbewilligen Firmen zu benennen – gegen ordentliche Bezahlung natürlich. «Ist das möglich? Die Antwort lautet: Ich weiss es nicht», sagte Behördenchef Jim Bridenstine jüngst bei einer Sitzung des Nasa-Beirats, der das Management bei desen Arbeit unterstützt. Es werde aber Zeit, dass jemand die Frage einmal kläre. Um die Kosten zu senken, kann sich Bridenstine auch vorstellen, dass seine Astronauten künftig in Fernsehspots zahlungskräftiger Unternehmen oder auf Müsli-Packungen auftauchen. «Ich würde mir wünschen, dass Kinder nicht mit dem Gedanken aufwachsen, Sportstar werden zu wollen, sondern Nasa-Astronaut oder Nasa-Wissenschaftler», sagte der Agenturchef.

Präsident Trump hat für die Raumfahrt ambitionierte Ziele ausgegeben

Die Vermarktung von Raketennamen und Astronauten wäre ein radikaler Bruch mit allen Traditionen der Nasa. Bisher bemüht sich die Behörde stets um wirtschaftliche Neutralität. Das geht so weit, dass etwa M&M's, die das fliegende Personal während seiner Reisen ins All offenbar gerne futtert, in offiziellen Schriftstücken und Verlautbarungen als «Schokolade mit Bonbonüberzug» bezeichnet werden. Auch ist es den Astronauten, die Mitarbeiter des Öffentlichen Dienstes sind, strikt verboten, ihre Prominenz oder ihre Zugehörigkeit zu einem elitären Kreis zu vermarkten.

Sucht alternative Finanzierungsmöglichkeiten: Nasa-Chef Jim Bridenstine (mitte). Foto: Keystone

Dass Bridenstine nun dennoch halb-öffentlich über eine Revolution sinniert, hat seinen Grund: Präsident Donald Trump hat für die Raumfahrt ambitionierte Ziele ausgegeben, darunter eine Rückkehr amerikanischer Astronauten auf den Mond. Allerdings sind im Haushaltsplan bis zum Jahr 2023 dafür praktisch keine zusätzlichen Mittel vorgesehen. Stattdessen flirtet Trump immer wieder einmal mit der Idee, die direkte öffentliche Finanzierung der Internationalen Raumstation ISS zu beenden und die Raumfahrtpläne privater Anbieter durch den Abbau vieler Vorschriften und Regularien zu befördern. «Angesichts einer Zukunft, in der es auch Raumstationen privater Unternehmen geben wird, ist es für die Nasa überlebenswichtig, innovative Geschäftskonzepte auszuloten», sagte Mike Gold, der im Behörden-Beirat die zuständige Arbeitsgruppe leitet.

Doch nicht alle Experten teilen diese Haltung. «Wenn Unternehmen Raketen und Astronauten sponsern können, stellt sich die Frage, wer hier eigentlich das Sagen hat», erklärte die US-Nichtregierungsorganisation Project on Government Oversight (Pogo), die sich dem Kampf gegen Korruption und Machtmissbrauch verschrieben hat. Vielmehr könne der Eindruck entstehen, dass Nasa-Mitarbeiter ihrem öffentlichen Arbeitgeber gegenüber nicht mehr uneingeschränkt loyal seien, so ein Sprecher gegenüber der New York Times. Auch mehrere von der Washington Post befragte Ex-Raumfahrer lehnten die Idee ab. Weder die Nasa, noch sonst eine Behörde sollte sich in eine Lage bringen, «in der sie als Unterstützerin für dieses oder jenes Produkt auftreten muss», sagte der frühere Astronaut Michael Lopez-Alegria. «Für mich klingt das, als würde jemand mit den Fingernägeln über eine Schultafel kratzen – einfach nicht richtig.»

Ob Lopez-Alegria Gehör finden wird, ist jedoch fraglich – zumal die Firmen bei einer Öffnung der Nasa für privates Sponsoring wohl Schlange stehen würden. Zu den ersten Anwärtern könnte tatsächlich die Restaurantkette Pizza Hut gehören, einer der ganz wenigen Konzerne, dem es im Jahr 2000 tatsächlich schon einmal gelungen war, sein Logo ins All zu schiessen. Die Rakete, auf der das Firmenzeichen prangte, kam damals allerdings nicht von der Nasa. Sie gehörte den weniger zimperlichen Russen. (Redaktion Tamedia)

Erstellt: 16.09.2018, 19:10 Uhr

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