Die Praktiken des Globus-Käufers René Benko

Gute Kontakte zu Politikern und im Notfall etwas Geld: So laufen die Geschäfte des österreichischen Immobilienkönigs.

Eröffnung des Hotels Park Hyatt in Wien, 2014: René Benko (r.) mit seiner Gattin Natalie und dem damaligen Minister Sebastian Kurz. Foto: Imago/Skata

Eröffnung des Hotels Park Hyatt in Wien, 2014: René Benko (r.) mit seiner Gattin Natalie und dem damaligen Minister Sebastian Kurz. Foto: Imago/Skata

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Es ist Weihnachten 2017, und René Benko arbeitet rund um die Uhr an seinem nächsten grossen Deal. Die österreichische Möbelkette Kika-Leiner hat schon länger finanzielle Probleme. 5500 Angestellte müssen um ihren Lohn bangen. Aber die Firma hat auch eine absolute Perle in ihrem Portfolio: einen prächtigen, etwas heruntergekommenen Gebäudekomplex am Anfang der Wiener Einkaufsmeile, der Mariahilfer Strasse. René Benko will sich vor allem die Immobilie sichern.

Gemäss der Onlinezeitschrift «Addendum» liess der österreichische Bundeskanzler Sebastian Kurz zwischen den Weihnachtsfeiertagen extra das Bezirksgericht aufsperren, damit der Deal besiegelt werden konnte. Benko bezahlt 60 Millionen Euro und verschafft damit dem Konzern das dringend benötigte Geld, um die Löhne zu bezahlen.

Benko kommt so aber auch günstig zu einer Immobilie, die viel mehr Wert hat. «Addendum» schreibt, dass es ein Angebot von 90 Millionen gegeben habe, und gemäss Grundbuch hat das Haus vier Monate später bereits einen Wert von 95 Millionen Euro. Benko reichte gegen die Berichterstattung eine Klage ein, die noch hängig ist. Einige Monate später übernimmt er das Möbelhaus dann vollständig, gemäss «Addendum» wiederum nach einer Intervention des Bundeskanzlers. Die Immobilie soll nun abgerissen und durch ein Luxuswarenhaus ersetzt werden. Kostenpunkt: 400 Millionen Euro.

Auch der rote Bundeskanzler half

Doch nicht nur der ÖVP-Kanzler zählt zum Bekanntenkreis von René Benko. Noch viel näher steht dieser der Sozialdemokratie. Eine der wichtigsten Personen in seinem Beirat ist der frühere Bundeskanzler Alfred Gusenbauer (SPÖ). Als Kanzler half er Benko bei seinem ersten Coup, der Totalsanierung des Kaufhauses Tyrol in Innsbruck, trotz umfassendem Denkmalschutz.

Seit sich Benko 2013 nach seiner Verurteilung wegen versuchter Korruption aus den operativen Gremien zurückgezogen hat, setzt er Vertraute, darunter Gusenbauer, in den Gremien seines Firmengeflechts ein. Ebenfalls im Beirat sitzt Susanne Riess, ehemalige Vizekanzlerin der FPÖ. Sie ist Generaldirektorin der österreichischen Wüstenrot-Gruppe und Verwaltungsrätin der Ihag-Privatbank in Zürich und Partnerin des österreichischen EU-Kommissars Johannes Hahn.

Die Vernetzung in die Politik kann entscheidend sein. Die Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft in Wien (WKSTA) verdächtigt Benko 2016, Amtsträger der Gemeinde Lech am Arlberg bestochen zu haben, damit sein Bauvorhaben für ein Chalet im Nobelskiort bevorzugt behandelt wird. Sie sammelt schriftliche Beweise und vier Zeugenaussagen, die den Verdacht erhärten. Doch im Oktober 2016 wird der Fall plötzlich eingestellt.

Die Rechercheplattform Dossier.at rekonstruierte den gesamten Fall anhand der im August 2019 veröffentlichten Einstellungsbegründung. Als die untersuchende WKSTA ihren Anklageentwurf an die Oberstaatsanwaltschaft in Wien schickte, um offiziell Anklage erheben zu können, meldeten sich Benkos Anwälte plötzlich mit neuen Beweisen, welche die Unschuld von Benko beweisen sollten. Woher die Anwälte von der Anklage wussten, ist nicht klar. In der Regel werden jedoch solche neuen Beweise von der oberen Behörde kommentarlos der unteren zur Beurteilung zugeschickt. In Benkos Fall hatten sie gemäss Begründung der Oberbehörde direkten Einfluss auf die Einstellung des Verfahrens.

Auch in der Ibiza-Affäre taucht Benkos Name auf

So konnte kein Gericht überprüfen, ob Benko der Gemeinde nicht nur 250’000 Euro bezahlte, damit sie auf ein Vorkaufsrecht verzichtete, sondern auch noch 250’000 Euro, damit es zu einer «zeitlich vernünftigen Abwicklung der Genehmigungsverfahren» komme, wie es gemäss Dossier.at in einem Aktenvermerk des Sekretärs der Gemeinde heisst. Dass das Geld geflossen ist und der eigentlich übliche Umgang mit einem Vorkaufsrecht, nämlich eine öffentliche Ausschreibung des Objekts, verhindert wurde, das bestreitet nicht einmal Benko. Am 15. November 2011 überwies er der Gemeinde Lech 500’000 Euro.

Auch in der Ibiza-Affäre rund um den FPÖ-Chef Heinz Christian Strache kommt René Benko vor. Strache prahlt auf dem heimlich aufgenommenen Video, dass er auf Benkos Jacht gewesen sei und Benko die ÖVP und die FPÖ «bezahle». Das ist brisant, da gemäss dem Nachrichtenmagazin «Profil» alle Genannten, also auch Benko, bis zur Veröffentlichung des Ibiza-Videos stets betonten, zu keinem Zeitpunkt Spenden an die FPÖ oder ihr nahestehende Vereine geleistet zu haben.

Später dementieren zwar alle Beteiligten diese Aussagen. Erwiesen und selbst von Benkos Signa Holding bestätigt ist aber, dass Strache, unmittelbar nachdem er vom Video erfährt, ausgerechnet Benko anruft.

Die Signa-Gruppe steuert ihr Retail-Geschäft von Zürich aus

Das Imperium des René Benko ist weitverzweigt. Über unzählige Firmen, Aktiengesellschaften und GmbHs steuert der Österreicher das Milliardengeschäft seiner Signa-Gruppe. Es gibt einen Aufsichtsrat und einen Beirat, von dem es heisst, er sei das Gremium, das die Entscheide treffe.

Signa unterscheidet grob zwischen den Immobilien und dem Retailgeschäft. Über die Immobiliensparte kontrolliert Signa Häuser an besten Lagen. So zum Beispiel in den Innenstädten von Wien und Hamburg, aber auch das architektonisch auffällige Chrysler-Building in New York. Gerne investiert Benko dort, wo eingekauft wird. Genau das hat Globus zu bieten.

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Das Detailhandelsgeschäft von Signa, worin Globus nun aufgehen soll, ist mehrheitlich in der Schweiz zu Hause. Zwölf Firmen mit direkten Verbindungen zu Benkos Signa-Gruppe sind in einem unspektakulären Bürogebäude mitten in Zürich gemeldet. Einige darunter scheinen noch gar keinem richtigen Zweck zugeordnet geworden zu sein; so die Signa Retail Holding IV. Andere haben eine wichtige Funktion innerhalb der Gruppe: zum Beispiel die Abteilung Department-Store, über die unter anderem die deutsche Warenhauskette Galeria Kaufhof gemanagt wird. Oder auch die Sport-Abteilung, zu der das bekannte Veloportal Bikester.ch zählt.

All diese Firmen wurden erst ab 2017 in der Schweiz gegründet. Also nachdem das ehemalige Mitglied der Migros-Generaldirektion Dieter Berninghaus bei Signa Retail einstieg. Als Vertreter in den Schweizer Firmen taucht der Name Berninghaus jedoch nicht auf. Wohl aber der des Deutschen Wolfram Keil: Er ist der Geschäftsführer von Signa Retail.

Doch nicht nur im Detailhandelsgeschäft von Signa ist die Schweiz Dreh- und Angelpunkt, sondern auch, wenn es um Geld geht. Die Beschaffung von Fremdfinanzierungen läuft über eine in der Schweiz beheimatete Firma. Und das schon seit langer Zeit: Die dafür zuständige Signa Financial Services AG ist bereits seit 2008 hierzulande aktiv. Mit Jürgen Fenk sitzt ein Mitglied des obersten Gremiums der Signa-Gruppe in der Firma.

Erstellt: 08.02.2020, 11:54 Uhr

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