Die noblen Stundenhotels

Es ist ein neuer Trend, der bereits Millionen umsetzt: luxuriöse Hotelzimmer über die Mittagsstunden mieten. Dies wird aus verschiedenen Gründen gemacht – und auch bei Schweizer Häusern.

Die französische Hotelplattform Dayuse.com wird immer beliebter: Auch das Zürcher Renaissance lässt sich darüber buchen.

Die französische Hotelplattform Dayuse.com wird immer beliebter: Auch das Zürcher Renaissance lässt sich darüber buchen. Bild: DOMINIC STEINMANN /Keystone

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Stundenhotels geniessen oftmals keinen guten Ruf. Sie gelten zwar als diskret, aber auch als schäbig. Nun machen sich französische Luxushotels daran, dieses Bild zu ändern. Über die französische Onlineplattform Dayuse.com lassen sich seit einiger Zeit auch noblere Hotels buchen. Sie wirbt mit romantischen Eskapaden in einem luxuriösen Hotel – oder auch mit ein paar Stunden Ruhe zwischen zwei anstrengenden Flügen. So hat man etwa bei der Schweizer Hotelgruppe Mövenpick die Erfahrung gemacht, dass sich das Angebot vor allem für die Flughafenhotels eignet.

Mehr als ein Dutzend auf Dayuse.com ausgeschriebene Übernachtungsmöglichkeiten befinden sich in der Schweiz. Ein grosser Teil in Zürich, doch auch in Montreux VD oder Lyss BE lässt sich ein Hotelzimmer via die französische Internetplattform finden. Darunter sind äusserst luxuriöse Adressen wie etwa das Zürcher Renaissance Hotel bei der Hardbrücke oder das Hotel Continental im Kreis 6. Letzteres kostet für eine Nacht normalerweise 450 Franken. Bei Dayuse lässt es sich an einem Wochentag von 11 bis 17 Uhr für 150 Franken reservieren.

Der Haus-Champagner schon auf dem Zimmer

Beim Zürcher Opera im Kreis 8 beträgt der Tarif für die Mittagsstunden 165 Franken. Für 98 Franken lässt sich gleich noch eine prickelnde Flasche des Haus-Champagners aufs Zimmer liefern. Im Vergleich zu ihren französischen Konkurrenten geben sich die Schweizer Hotels damit noch puritanisch. Je nach Hotel lässt sich dort nämlich auch noch eine Love-Box mitbestellen, die Erotik-Spielzeug enthält. Dayuse verspricht dabei Anonymität. Um zu reservieren, seien keine verräterischen Kreditkartenangaben notwendig.

Eine Managerin eines unabhängigen Hotels in Paris zeigt sich gegenüber der «Financial Times» (Artikel bezahlpflichtig) sehr zufrieden über den Geschäftszuwachs über Mittag. Die Plattform bringe 30 bis 40 Buchungen pro Monat. Die Gäste kämen meist nicht, um zu schlafen, sondern weil sie ein Erlebnis suchten.

Oftmals handle es sich um Paare aus der Region, die ohne ihre Kinder Spass haben wollten. Laut anderen Hoteliers handle es sich aber nicht nur um Liebespaare, die Hotels über Mittag buchen. Die Zimmer würden auch für Besprechungen gebucht oder weil sich Reisende einfach ein paar Stunden ausruhen wollten.

Willkommener Nebenverdienst

Die Plattform bringe somit wichtige Einnahmen in einer schwierigen Zeit. Nach den Terroranschlägen sei die Branche in Frankreich ganz besonders unter Druck. Laut dem Beratungsunternehmen Deloitte sind die Buchungen in einzelnen Regionen um bis zu 50 Prozent zurückgegangen. Die grossen Hotelketten wie Accor vermeldeten daher in einzelnen Regionen deutliche Umsatzeinbussen. Hinzu kommt die steigende Konkurrenz durch Airbnb und die unliebsame Transparenz von Buchungsplattformen wie Booking.com. Mit Dayuse gelingt es den Häusern, ihre Leerstände besser auszunutzen. Denn rund 70 Prozent der Hotelzimmer sollen tagsüber leer sein.

Dayuse wächst in Frankreich rasant. Dort seien bereits 600 Hotels angeschlossen. Seit einiger Zeit lassen auch die beiden riesigen Hotelketten Accor und Marriot ihre Zimmer über Dayuse buchen. Dayuse sei es gelungen, 20 Millionen Dollar Umsatz für die teilnehmenden Häuser zu generieren. David Lebée, Gründer der Buchungsplattform, sagt der FT, dass die Hotels 10 Prozent der verlorenen Einnahmen durch die neue Einnahmequelle zurückgewinnen können.

Das Geschäft verspricht weiter zu wachsen. Denn das 2010 gegründete Jungunternehmen hat jüngst prominente Geldgeber gewonnen. Die Aussichten sind also gut. Dabei wäre laut Lebée noch vor zehn Jahren kaum ein Hotel für ein derartiges Angebot offen gewesen. Doch hätten sich die Zeiten geändert.

Erstellt: 03.01.2017, 12:25 Uhr

Lässt sich auch für wenige Stunden mieten: Zimmer im Zürcher Renaissance. Bild: Dayuse.com

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