Die peinlichsten Absagen

Auf Stellensuche zu sein, ist nervenaufreibend bis deprimierend. Doch es kann noch schlimmer kommen, wie die folgende Auswahl zeigt.

Weiss noch nicht, dass seine Bewerbung ungelesen bleibt: Stellensuchender bei der Zeitungslektüre.

Weiss noch nicht, dass seine Bewerbung ungelesen bleibt: Stellensuchender bei der Zeitungslektüre. Bild: Keystone

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Froh kann ein Bewerber schon sein, wenn er überhaupt eine Rückmeldung bekommt. Manche Firmen lassen Bewerbungsverfahren ewig offen oder streichen die Stelle während des Verfahrens wieder.

Das deutsche «Handelsblatt» hat fehlerhafte Absagetexte zusammengestellt. Nicht nur Bewerbungen, auch Absagen sollten mit viel Fingerspitzengefühl formuliert sein, sagt Karriere-Expertin Svenja Hofert. Schon das klassische «Wir haben uns für einen anderen Kandidaten entschieden, der besser zu unseren Anforderungen passt», kann auf verständnislose Ohren stossen. Wenn aber alle Mitbewerber im Mail ersichtlich sind, dann ist das hochgradig unprofessionell. So geschehen bei einer Tourismusfirma die 283 Absagen in einem Mail verschickte.

Stellensuchende freuen sich auf den Job und haben nicht selten das Gefühl, dass dieser voll und ganz zu ihnen passe. Sie denken sich in die neue Situation ein. Spielen den Arbeitsweg durch, informieren sich bei Bekannten über den Arbeitgeber in spe und stellen sich vor, wie es dort sein könnte. Dies kostet viel Kraft und so mancher Selbstzweifel wird sich im Prozess zu Wort melden. Umso wichtiger ist eine stilvolle Kommunikation vonseiten der Personalabteilungen in dieser Situation.

«Nehmen Sie bitte Abstand von weiteren Bewerbungen»

In der Auswahl des «Handelsblatts» finden sich weitere haarsträubende Beispiele. So bittet eine Bank den Bewerber «von weiteren Bewerbungen Abstand zu nehmen», da das Profil auch in Zukunft nicht zum Haus passen würde. Die Überprüfung des betreffenden Lebenslaufes ergab, dass dieser makellos ist und alles enthält, was es für die Stelle gebraucht hätte. «Möglicherweise wurde die Bewerbung gar nicht richtig gelesen», sagt Hofert. Auch dies komme oft vor. Wie bei einem Hamburger Konzern, der absagte und dann fünf Minuten später wieder zusagte, weil der Praktikant, der die Bewerbungen prüfte, falsch hingesehen hatte.

Während die einen Stellensuchenden mit Ingenieurstitel wegen des Fachkräftemangels auf dem Arbeitsmarkt sehr beliebt seien, berichten andere aus übersättigten Branchen von schlampigen Personalabteilungen. Hofert erhält viele Rückmeldungen von Bewerbern wie PR- und Marketingleuten oder Journalisten. Ein Unternehmen schickte dem falschen Kandidaten den Arbeitsvertrag, dieser unterzeichnete und retournierte. Eine Woche später bemerkte man den Irrtum zwar, wollte ihn aber nicht mehr aufklären – zu peinlich. Man beschäftigt also lieber jemanden, der auf Stapel B gelegen hat. Ein weiterer beliebter Fauxpas ist ein falsches Geschlecht in der Anrede.

Wenn die Absage vom Praktikanten kommt

Auch Personalabteilungen sind dem Effizienzdiktat unterworfen. Daher ist es auch ein Abbild unserer Zeit, wenn Praktikanten Hochvertrauliches behandeln. Problematisch ist aber, wenn sie den Stellensuchenden klar zu verstehen geben, dass sie sowieso keine Chance haben, aus dem Bewerbungs-Tsunami herauszuragen, wie das Logistikunternehmen im folgenden Beispiel. Dieses beantwortete eine konkrete Nachfrage, wann die Rückmeldung komme, mit: «Gar nicht, wir haben über 300 Bewerbungen bekommen, Sie glauben doch nicht, dass wir die alle lesen!»

Erstellt: 07.03.2014, 13:52 Uhr

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