Hintergrund

Die teuersten Wohnungen bleiben öfters leer

Am oberen Ende des Zürcher Immo-Markts wird nicht mehr jeder Fantasiepreis bezahlt. Drei Expertinnen über neue Schmerzgrenzen, Expats und eine Familie, die bis zu 25'000 Franken pro Monat überweisen würde.

Selbst für grosszügige Liegenschaften mit Seeanstoss ist nicht mehr jeder Fantasiepreis zu bekommen. Haus in Männedorf an der Zürcher Goldküste im August 2005.

Selbst für grosszügige Liegenschaften mit Seeanstoss ist nicht mehr jeder Fantasiepreis zu bekommen. Haus in Männedorf an der Zürcher Goldküste im August 2005. Bild: Keystone

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Alle warten darauf, dass der Preisanstieg bei Eigentumswohnungen und Mieten endlich ein Ende nimmt. In gewissen Regionen und Segmenten ist das gemäss Experten bereits der Fall. Zu denen, die sehr genau mitbekommen, in welchen Sphären sich die Preise bewegen, gehören Immobilienvermittler wie Engel & Völkers. Kerstin Kühn, die das Büro am Paradeplatz betreibt, spürt am privilegierten Ende des Zürcher Haus- und Wohnungsmarktes langsam Veränderungen.

«Ein schönes Haus in der Enge oder in Wollishofen kann auch heute noch fünf bis sechs Millionen kosten. Aber dahinter muss auch ein realer Wert stehen», erklärt Kühn gegenüber Tagesanzeiger.ch/Newsnet. Lange Zeit seien Käufer teurer Immobilien bereit gewesen, jeden Fantasiepreis zu bezahlen. Doch damit sei jetzt Schluss. Auch grosse Firmen, die für sogenannte Expatriates Wohnungen suchen lassen, akzeptieren laut Kühn nicht mehr jeden Preis.

Nur noch 8000 Franken Miete

Zieht ein führender Mitarbeiter aus dem Ausland in die Schweiz, beauftragen grosse Firmen meist Relocation Offices, die für den Zuzüger eine passende Wohnung suchen und Behördenformalitäten für ihn erledigen. Bis vor kurzem haben die Firmen besonders kostbaren Expatriates auch Wohnungen mit fünfstelligen Mieten finanziert. Doch diese Bereitschaft habe klar nachgelassen, beobachtet Kühn. Für Angehörige des oberen Managements zahlten die Firmen im Schnitt vielleicht noch Wohnungen mit einer Miete zwischen 5000 und 8000 Franken.

«Wenn ein Haus in Zürich 10'000 Franken Miete kosten soll, muss es schon 200 Quadratmeter Wohnfläche, möglichst Seesicht und eine sehr hochwertige Ausstattung bieten», stellt Kühn fest. Dass auch beim Verkauf von Luxusimmobilien nicht mehr jeder Fantasiepreis erzielbar ist, merkt Kühn auch daran, dass die erzielten Preise nicht mehr so stark vom Verkehrswert abweichen wie auch schon.

Weit über dem Verkehrswert

Der Verkehrswert, den die Behörden zur Berechnung von Steuern heranziehen, ist in der Regel tiefer als der Marktpreis. In den letzten Jahren waren die Verkaufspreise immer stärker vom Verkehrswert abgewichen. «Die Differenz lag teilweise bei 30 Prozent», so Kühn. «Dieser Abstand ist deutlich enger geworden.»

Auch Bettina Weber vom Relocation-Service Schweizer Relocation beobachtet, dass Wohnungen mit Mieten über 4000 Franken nicht mehr so leicht an den Mann zu bringen sind. «Doch bevor sie sich mit einer niedrigeren Miete zufriedengeben, liessen die Vermieter ihre Wohnungen lieber eine Weile leer stehen. Die Firmen sind aber nicht mehr bereit, für die Unterbringung ihrer Führungskräfte beliebig hohe Mieten zu zahlen», sagt auch Weber.

Firmen sparen

Ein gewisser Spardruck ist gemäss der Relocation-Firma nicht nur bei den Banken, sondern auch in anderen Branchen zu spüren. Doch nicht alle Relocation-Spezialisten haben das Gefühl, dass die Kunden preisbewusster werden. Sandra Furrer hat sich vor einem Jahr mit Relocation Matterhorn selbstständig gemacht. Zurzeit sucht sie ein passendes Heim für eine Familie, die durchaus bereit wäre, zwischen 15'000 und 25'000 Franken Monatsmiete zu bezahlen. Trotz des hohen Einsatzes hat Furrer nicht das Gefühl, dass es einfacher ist, das passende Haus für ihre Kunden zu finden.

Erstellt: 01.02.2013, 10:36 Uhr

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