Die ungewisse Zukunft der Mitarbeiter von Alstom Schweiz

GE geht im Kampf um den französischen Industriekonzern als Sieger hervor. Schweizer Mitarbeiter atmen vorerst auf, doch ihre Zukunft ist noch nicht geregelt.

Ein Grossteil der Alstom-Mitarbeiter wird in Zukunft für GE arbeiten: Eine Turbine am Standort Birr.

Ein Grossteil der Alstom-Mitarbeiter wird in Zukunft für GE arbeiten: Eine Turbine am Standort Birr. Bild: Keystone

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Nach dem Abschluss des GE-Alstom-Deals bleibt die Frage: Was passiert mit den Schweizer Mitarbeitern von Alstom? Diese wurden heute Morgen mit einer E-Mail über die Zukunftspläne ihres Arbeitgebers informiert. Nicht angesprochen habe man das Thema Mitarbeiter, sagt Alstom-Sprecher Renzo Radice: «Es ist schlichtweg noch zu früh, um hier etwas zu kommunizieren.» Trotzdem ist im Gespräch mit Alstom-Mitarbeitern ein Aufatmen auszumachen: Im Vergleich zu Siemens und Mitsubishi gebe es mit GE in der Schweiz weniger Doppelspurigkeiten – ein Indiz, das auf das Bestehenbleiben von Arbeitsplätzen hinweisen dürfte.

Der Industriekonzern Alstom ist der grösste private Arbeitgeber im Kanton Aargau. An den vier Standorten Baden, Birr, Oberentfelden und Neuhausen arbeiten 6500 Mitarbeiter. Die Standorte Baden und Birr bilden zudem im Bereich der thermischen Energie das grösste Forschungszentrum des französischen Konzerns. Alstom Schweiz erzielte im Geschäftsjahr 2012/13 einen Umsatz von rund 2,4 Milliarden Euro.

Keine Jobgarantie in der Schweiz

Die Arbeitsplätze sind auch für den Bundesrat ein Thema. Wirtschaftsminister Johann Schneider-Ammann gab sich im Radio SRF vorsichtig optimistisch. «Ich gehe davon aus, dass die hochleistungsfähige Alstom Schweiz ihre Rolle behält», sagte er. Dennoch könne er, was die Jobs betreffe, «keine Prognose abgeben».

Unter den Bankenanalysten mit Gebiet Industrie herrscht diesbezüglich gleichermassen Unsicherheit. Klare Prognosen will und kann keiner geben, denn weder GE noch Alstom hätten in den vergangenen Wochen verlauten lassen, was mit den einzelnen Standorten geschehe. Fakt sei, dass es in der Schweiz keine Jobgarantie gebe, wie sie für Frankreich ausgehandelt worden sei. Was hingegen gegen einen Stellenabbau sprechen dürfte, ist der Plan von GE, in Europa zu expandieren und vermehrt Siemens zu konkurrenzieren.

Fragezeichen Synergien

Trotzdem müsse sich GE gemäss den Analysten auch kritischen Fragen stellen: GE ist weltweit mit 45 Prozent Marktanteil der grösste Player im Gasturbinengeschäft, Alstom liegt weit dahinter. Da dränge sich die Frage auf, was ihnen Alstom Schweiz bieten könne.

Ein weiteres Thema unter den Analysten sind zudem allfällige Synergien: In der Pressemitteilung zur Akquisition setzt sich GE das Ziel, ab 2019 Synergien im Wert von 1,2 Milliarden Dollar zu nutzen. Wie und ob dies auf der Kostenseite oder auf der Ertragsseite geschieht, hat der amerikanische Konzern bisher nicht kommuniziert.

Grossteil arbeitet nun für GE

Klar ist, dass ein grosser Teil der Schweizer Alstom-Mitarbeiter in Zukunft unter dem Namen GE arbeiten wird: Der amerikanische Grosskonzern übernimmt für 12,35 Milliarden Euro die Gasturbinensparte von Alstom, deren Herstellung grösstenteils in der Schweiz angesiedelt ist. Betroffen sind hier die Standorte Baden mit rund 4200 und Birr mit 1500 Mitarbeitern. Alstom-Sprecher Radice weist darauf hin, dass in Baden und Birr jedoch nicht nur das Gasturbinengeschäft ansässig sei, sondern auch die Dampfturbinenproduktion, welche weiterhin den Namen Alstom tragen werde.

So einigten sich die beiden Protagonisten in diesem Bereich auf eine Zusammenarbeit in Form eines Joint Venture. Ebenfalls unter das Joint Venture fallen die Bereiche der erneuerbaren und nuklearen Energien sowie der Sparte Grid. Für den Grid-Bereich ist in der Schweiz der Standort Oberentfelden zuständig: Hier stellen rund 700 Mitarbeiter Produkte in der Hochspannungs- und Ultrahochspannungsübertragung her.

Alstom kaufte im Gegenzug für 660 Millionen Euro die Eisenbahnsparte von GE, das sogenannte Signalling-Geschäft. Alstom-CEO und Verwaltungsratspräsident Patrick Kron sagte heute Morgen in einer Telefonkonferenz, mit dem Zukauf wolle man das eigene Eisenbahngeschäft stärken. Allenfalls betroffen davon ist der Standort Neuhausen am Rheinfall mit 120 Arbeitsplätzen, der sich auf diesem Gebiet spezialisiert hat. Der grosse Teil des Eisenbahngeschäfts von Alstom wird aber in den Ländern Frankreich und Italien produziert.

Erstellt: 23.06.2014, 14:47 Uhr

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