Die vergessene Klausel

Die Malaysia Airlines erschüttert den Flugzeugversicherungsmarkt. Der Absturz von MH 17 wird Hunderte Millionen Dollar kosten. Im Fall des verschwundenen MH 370 fehlte eine Klausel in der Versicherungspolice.

Die Vorfälle kommen nicht nur die Fluggesellschaft teuer zu stehen: Flugzeuge der Malaysian Airlines.<br />Archivbild: Sergei Chuzawkow (Keystone)

Die Vorfälle kommen nicht nur die Fluggesellschaft teuer zu stehen: Flugzeuge der Malaysian Airlines.
Archivbild: Sergei Chuzawkow (Keystone)

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Der britische Versicherer Atrium bestätigt in einem Statement, für den Schaden von MH 17 aufzukommen. Laut einer Studie des britischen Versicherungsbrokers Aon beträgt der Flugzeugwert 97,3 Millionen US-Dollar. Atrium hingegen macht keine Aussage über die ausbezahlte Versicherungssumme.

Airlines schliessen jeweils Policen mit mehreren Versicherungen ab. So könnte auch die deutsche Allianz-Versicherung an die Kasse kommen. Wie das deutsche «Wall Street Journal» berichtet, läuft die Rückversicherung für die Kasko- und Haftpflichtversicherung des Fliegers über den Konzern aus München. Die Allianz sei mit allen Beteiligten in Kontakt und werde den Kunden Malaysia Airlines voll unterstützen, sagte eine Sprecherin dem deutschen «Wall Street Journal».

Neben dem Versicherungsschutz für das Flugzeug könnten aber weitere Haftungen greifen, vor allem für sogenannte Personenschäden, also Ansprüche von Verwandten. Hier könnte es Analysten zufolge um 300 Millionen Dollar oder mehr gehen. Auch in diesem Fall wäre die Allianz-Versicherung betroffen.

MH 370: Wichtige Klausel im Vertrag fehlte

Die Malaysia Airlines sorgt aber nicht nur mit dem Crash von MH 17 für eine Erschütterung im Versicherungsmarkt. Beim im März mysteriös verschollenen Malaysia-Airlines-Flug MH 370 hat die Fluggesellschaft eine Versicherungspolice abgeschlossen, die in einem entscheidenden Punkt abweicht, wie die «New York Times» berichtet. Für die Such- und Rettungskosten ist im Versicherungsvertrag kein oberes Limit festgesetzt. Das ist in der Branche unüblich. Wieso auf die Klausel verzichtet wurde, ist unklar. Theoretisch könnten die malaysische und die australische Regierung den Versicherern Hunderte Millionen Dollar in Rechnung stellen.

Auch die Versicherungen, die sich auf Kriegsschäden spezialisieren, stehen vor riesigen Schadenersatzforderungen. Vor einer Woche haben Milizen in Libyen den Flughafen in Tripolis angegriffen und dabei 20 Flugzeuge zerstört. In Karachi (Pakistan) haben Taliban ebenfalls den Flughafen angegriffen. Allein für Schäden in den letzten fünf Monaten werden Kriegsversicherungen insgesamt etwa 600 Millionen Dollar bezahlen müssen, schätzt die «New York Times» unter Berufung auf Experten. Dies in einem spezifischen Versicherungs-Sektor, der ungefähr 65 Millionen Dollar pro Jahr an Prämien kassiert. (sw)

Erstellt: 22.07.2014, 12:15 Uhr

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